Reihenweise sind leichtgläubige Anleger aus Deutschland und ein Branchenkenner aus Südtirol auf den Ex-Anwalt aus Kulmbach reingefallen. Sie vertrauen auf seine blumigen Versprechungen und vertrauen ihm insgesamt eine Million Euro an, die in Photovoltaik-Projekte in Rumänien und Italien investiert werden sollten. Doch mit einem Chinesen macht man so was nicht. Über 10.000 Kilometer entfernt, lässt er sich nicht über den Tisch ziehen. Der Chinese riecht den Braten. "Sonst wären die 5,8 Millionen Euro jetzt auch weg", meint ein Zeuge aus Österreich am Montag beim Prozess vor dem Hofer Landgericht.


Prozess seit vier Wochen

So bleibt es in diesem Fall beim versuchten Betrug - in anderen Fällen ist es dem 45-jährigen Kulmbacher gelungen, leichtgläubige Investoren reinzulegen, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Deshalb steht er seit einem Monat in Hof vor Gericht und muss sich wegen schweren Betrugs verantworten.

Sein Geschäftsmodell ist es gewesen, dass die Anleger fünf Prozent des gesamten Kapitalbedarfs auf das Treuhandkonto des Anwalts einzahlen, der dann die restlichen 95 Prozent finanzieren wollte. Eine Million Euro hat er so eingesammelt und für seine Zwecke verwendet. Das brachte ihm eine Anklage vor der Wirtschaftsstrafkammer ein.

Mitangeklagt wegen Beihilfe ist ein früherer Mitarbeiter, der zwar auf dem Papier Geschäftsführer einer ominösen Invest GmbH, aber wohl nur ein willfähriger Handlanger und Sündenbock für den Ex-Anwalt war.


Riesenprojekt mit 79 Megawatt

Bei dem Vorhaben des Österreichers und seines chinesischen Geschäftspartner handelte es sich um ein Riesenprojekt in Temeswar: Dort sollte ein Solarpark mit der Gesamtleistung von 79 Megawatt auf die Beine gestellt werden. Man hatte ein 154 Hektar großes Areal im Auge.

Eine Besprechung im Nürnberger Büro des Ex-Anwalts wird der Zeuge aus Linz so schnell nicht vergessen. Er habe damals das Projekt kurz vorgestellt: Finanzbedarf schlappe 115 Millionen Euro. Das sei für ihn kein Problem, soll der Kulmbacher gesagt haben, er arbeite mit großen amerikanischen und spanischen Banken zusammen. Einer seiner Mitarbeiter werde alles prüfen, "und in vier Stunden sollte ich Bescheid bekommen", erinnert sich der Zeuge. Er habe die Zusammenkunft als "sehr spannend" empfunden.


Prüfung im Windhundverfahren

Mit der Prüfung im Windhundverfahren war jener selbsternannte Finanzfachmann aus Freiburg betraut, der bei seiner Aussage vor Gericht seine Unfähigkeit unter Beweis gestellt hat. Dennoch wurde dem Österreicher - zuverlässig und punktgenau - signalisiert, dass der Deal klappt: "Abends um zehn, als ich auf der Heimfahrt war, kam das Okay."

"Das war die schnellste Projektprüfung aller Zeiten", meint Vorsitzender Richter Matthias Burghardt und sagte zum Zeugen: "Da haben Sie sich gewundert und gedacht, die Deutschen kriegen das hin."


Kein Sack-Reis-Orakel

Das Millionen-Geschäft ist, wie erwähnt, am berechtigten Misstrauen in China gescheitert. Der Geschäftsmann aus dem Reich der Mitte braucht kein Sack-Reis-Orakel, um zu wissen, dass hier etwas faul ist. "Mein chinesischer Geschäftspartner vertraut keinem Anwalt und macht nur Geschäfte von Bank zu Bank", erklärt der Zeuge.
Der Österreicher mit Bank-Ausbildung hatte den Eindruck, dass das Geschäft funktionieren könnte. Er habe sich auf die Zusagen des Anwalts verlassen. Er dachte: "Diese Angaben müssen stimmen, oder man muss ein Selbstmörder sein."

Mit chinesischer Hilfe hat der Österreicher kein Geld in den Sand gesetzt. Und angeblich wird auch sein Solarpark gebaut - halt zwei Jahre später. Er habe andere Geldgeber gefunden. "Wir stehen kurz vor der Realisierung des Projekts", so der Zeuge, der den zweiten Angeklagten als Hilfskraft im Büro beschreibt: "Er hat Telefondienst gemacht."

Am Montag werden noch zwei Zeugen gehört, die zu den Vorwürfen nichts sagen können, aber zum so genannten Nachtatverhalten des Hauptangeklagten. Denn er hat offenbar Ende 2014 - gerade aus der Untersuchungshaft entlassen - erneut zwielichtige Geschäfte gemacht.


"Ein feiner Kerl"

Auf Empfehlung eines Knastbruders ("ein feiner Kerl") kommt der Ex-Anwalt zu einem italienischen Koch, der schuldlos in einen schweren Motorradunfall verwickelt war und lange im Krankenhaus behandelt wurde. Der Angeklagte will sich um Schadenersatz- und Schmerzensgeldzahlung, um die Begleichung alter Schulden und um Ansprüche gegenüber einer Klinik in Schweinfurt kümmern. Ein Sorglos-Paket also. Doch von mutmaßlich 35.000 Euro, die die Versicherung bezahlt hat, sollen bei dem Koch nur 5000 Euro angekommen sein.

"Er ist aufgetreten wie ein Freund und kümmerte sich darum, dass unser Leben in Ordnung kommt", gibt die Freundin des Italieners an, der schlecht deutsch spricht. Darauf hätten sie sich nie eingelassen, wenn sie gewusste hätten, dass er kein Anwalt mehr ist, sagt die Frau.


Die Igel-Taktik

Die Tatsache, das der Angeklagte wieder alles abstreitet, veranlasst den Richter zu der Bemerkung: "Ich weiß nicht, in welcher Welt Sie leben. Was ist Ihre Motivation?" Die Igel-Taktik - also alle Stacheln aufzustellen, weil man nicht mehr weiß, wie es weitergeht - bringe nichts. "Ihre Strategie ist unsinnig. Alle merken es - nur Sie nicht."