Die IHK informiert über die besorgte Stimmung unter den Unternehmen im Gremium Kulmbach, wenn es um den Blick auf das Jahr 2023 geht. Wie es in einer Pressemitteilung zur aktuellen Konjunkturumfrage heißt, rechneten nur noch vier Prozent mit einer Verbesserung der Geschäftslage, 54 Prozent mit einer Verschlechterung.

Der Konjunkturklimaindex für die Region Kulmbach gebe um 30 Zähler nach und liege nun bei nur noch 79 Punkten. Die IHK spricht von einem sich annähernden "konjunkturellen Unwetter" und fügt hinzu: "Im Winter droht der Konjunktureinbruch."

"Erwartungen auf Rekordtief" - IHK Kulmbach sieht "existenzbedrohende Lage"

"Mit Blick auf die derzeitigen und künftigen Herausforderungen verlässt die Kulmbacher Unternehmen die Zuversicht", so der Vorsitzende des IHK-Gremiums Kulmbach Harry Weiß. "Bei der aktuellen Situation handelt es sich nicht um eine Delle, sondern um eine existenzbedrohende Lage."

Die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise, die Verfügbarkeit von Rohstoffen und Waren, eine stark nachlassende Konsumlaune und ein mögliches erneutes Aufflammen der Corona-Pandemie verunsicherten die Unternehmerinnen und Unternehmer enorm. Als Folge schätzten die Kulmbacher Unternehmen die Entwicklung der Geschäftslage 2023 so schlecht ein wie keine zweite Teilregion, schreibt die IHK weiter. Gerade einmal vier Prozent erwarteten einen Aufwärtstrend, 54 Prozent dagegen eine Verschlechterung. Damit fielen die Erwartungen auf ein Rekordtief.

Investitionen würden derzeit kritisch hinterfragt, immer mehr Unternehmen wollten ihre Investitionen verringern oder zumindest aufschieben. Fast ein Drittel der Kulmbacher Unternehmen plant überhaupt keine Investitionen. Nur im Raum Forchheim ist der Anteil der Unternehmen ohne Investitionsplanungen noch höher.

Fach- und Arbeitskräftemangel auch Teil der negativen Konjunkturentwicklung

Die geplante Beschäftigtenentwicklung lasse hoffen, dass die Wirtschaftsregion Kulmbach ohne größeren Beschäftigtenrückgang durch den Winter kommt. Weiß: "Man sieht deutlich, dass die aktuelle Konjunkturlage durch die dauerhafte Herausforderung der fehlenden Fach- und Arbeitskräfte überlagert wird."

Es müsse alles getan werden, damit Unternehmen wieder Vertrauen in den Standort Deutschland finden, schreibt die IHK. "Die aktuellen Notmaßnahmen wie die Gaspreisbremse kommen zwar etwas spät, sie sind aber richtig und wichtig", betont Weiß. Aber auch andere Baustellen müssten dringend angegangen werden. "Ganz oben auf der Agenda steht dabei die Bürokratie."

Das Spektrum reiche von Genehmigungsverfahren, auch gerade im Bereich der erneuerbaren Energien, über die Digitalisierung, bis hin zum internationalen Handel. "Für Unternehmen gibt es einfach zu viele Bremsen und Blockaden. Unsere Unternehmen warten seit langem auf entsprechende Befreiungsschläge."

Aktuelle Geschäftslage zum Großteil noch positiv

Insgesamt ergebe die aktuelle IHK-Konjunkturumfrage in allen acht oberfränkischen IHK-Teilregionen ein ähnliches Bild. "In allen acht IHK-Gremien ist der Konjunkturklimaindex jeweils deutlich gefallen. Dies zeigt, auf welch breiter Front die derzeitigen Herausforderungen die Unternehmen vor Ort belasten", so IHK-Konjunkturreferent Malte Tiedemann.

Noch sehe die aktuelle Geschäftslage rosiger aus: 36 Prozent der befragten Kulmbacher Unternehmen schätzten diese positiv ein, nur 12 Prozent negativ. Damit verbessere sich der Saldo im Vergleich zur Frühjahrsumfrage von +16 auf +24 Punkte. Nur im IHK-Gremium Marktredwitz-Selb werde die aktuelle Geschäftslage noch positiver eingeschätzt.

Die Wirtschaft profitiere von der noch guten Kapazitätsauslastung, die sich im Vergleich zum Frühjahr spürbar verbessert habe. Laut der IHK Kulmbach ließen die Auftragseingänge allerdings inzwischen spürbar nach. 

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