Kulmbach
Kaum noch billige Wagen

Gebrauchtwagen-Preise "exorbitant gestiegen": Fränkische Händlerin erklärt Mangel an günstigen Autos

Die Preise für Gebrauchtwagen sind in diesem Jahr explodiert. Man befinde sich in einer "Wahnsinns-Preisspirale", wie eine Gebrauchtwagenhändlerin aus Kulmbach statuiert. Woran das liegt, erklärt sie im Gespräch mit inFranken.de.
Kulmbach: Verkaufspreise für Gebrauchtwagen explodieren - "eine Wahnsinns-Preisspirale"
Eine Autohändlerin aus Kulmbach beschreibt im Gespräch mit inFranken.de die aktuellen Probleme in der Gebrauchtwagenbranche. Die Fahrzeuge seien in diesem Jahr deutlich teurer geworden. Foto: Sebastian Kahnert (dpa)
  • Autohändlerin aus Kulmbach über Gebrauchtwagen-Markt: "Wahnsinns-Preisspirale"
  •  Firmen-Inhaberin erläutert Hintergrund - "gibt keine günstigen Wagen"
  • "Senken zwangsläufig ihre Ansprüche": So reagieren Kunden 
  • "Gehe jedoch davon aus": Händlerin mit Preis-Prognose 

Auch in Kulmbach gehen die Preise für Gebrauchtwagen derzeit drastisch in die Höhe. "Wir befinden uns in einer Wahnsinns-Preisspirale nach oben", erklärt Barbara Hahn, Inhaberin von Autotechnik Hahn e.K. Auch trotz Corona sei die Gebrauchtwagenbranche zwar in den letzten Jahren überraschend stabil gewesen - aber nur "bis zu diesem Jahr".

Gebrauchtwagenkauf wird für Kunden schmerzhaft: "Die meisten resignieren"

Dass die Preise für Gebrauchtfahrzeuge derzeit so drastisch in die Höhe gehen, liege vor allem an dem knappen Angebot. "Die Gebrauchtwagen kommen nicht zurück, weil aufgrund von Lieferschwierigkeiten so wenig Neuwagen ausgeliefert wurden", erklärt die Automobilhändlerin. "Es gibt einfach kaum mehr Fahrzeuge. Wenn ich früher für 5000 Euro noch ein ordentliches Auto bekommen habe, bin ich jetzt bei einem Preis von circa 6500 oder 7000 Euro. Die Preise sind exorbitant gestiegen."

Wer immer also sein Auto verkaufen möchte - "momentan ist eine gute Zeit", sagt Hahn. Wenn man derzeit jedoch auf der Suche nach einem Gebrauchtwagen sei, dürfe man keine großen Ansprüche haben. "So blöd es klingt: Es gibt im Moment einfach keine günstigen Wagen. Auch die Neuwagen haben durch die Lieferschwierigkeiten in der Produktion einen ziemlichen Preissprung nach oben gemacht, was sich natürlich auch in den Gebrauchtwagen niederschlägt."

Die Reaktionen der Kundschaft fielen größtenteils einheitlich aus: "Die Leute, die ein Auto brauchen, resignieren. Die Möglichkeit, auf den ÖPNV umzusteigen, haben viele nicht." Insgesamt sei jedoch auch die Nachfrage zurückgegangen: "Das Geld sitzt bei den Menschen einfach nicht mehr so locker. Man selbst überlegt beim Einkaufen auch öfter: Brauche ich das jetzt wirklich? Und so ist das bei den Autos auch, weil es für die Meisten trotzdem ein Luxusgut ist." Ob ein Auto drei, fünf oder zehn Jahre alt ist, sei für viele dann nicht mehr wichtig: "Die Leute senken zwangsläufig ihre Ansprüche. Entscheidend ist nur noch, dass es fährt", sagt Hahn.

Prognose aus Kulmbach: Das erwartet die Autohändlerin von der Zukunft

Die Lieferschwierigkeiten, die sich vor allem in der Corona-Pandemie ergeben haben, und die daraus folgende Knappheit an Gebrauchtwagen auf dem Markt seien die Hauptgründe für die drastischen Preissteigerungen bei den Gebrauchtwagen. "Das Preisgefüge ist außerdem durch die Hersteller bedingt, die die Neuwagenteile nicht herbekommen, teurer einkaufen müssen und dementsprechend von vornherein auch teurere Autos verkaufen."

"Dass sich dagegen die Inflation direkt auf die Fahrzeugpreise auswirkt, wage ich zu bezweifeln", erklärt Hahn. Diese merke man eher in anderen Bereichen: "Zum Beispiel, dass viele Leute einfach sagen: Ich nehme das Auto lieber eine Nummer kleiner, weil ich nicht weiß, wie die nächste Gasrechnung ausfällt." Für den Gebrauchtwagenhandel seien die höheren Preise nicht lohnenswert: "Leider haben wir nicht so wirklich etwas davon, außer, dass wir jetzt mit größeren Summen jonglieren."

Ob sich die Lage in der nächsten Zeit wieder beruhige, sei nicht zu 100 Prozent zu sagen: "Ich gehe jedoch davon aus, dass sich das in den nächsten ein bis zwei Jahren wieder gibt. Wenn wieder mehr Neuwagen ausgeliefert werden, die Produktion wieder auf altem Maß ist und die Fahrzeuge dementsprechend wieder zurückkommen." Bis dahin müsse man sich jedoch zwangsläufig den höheren Preisen für Gebrauchtwagen anpassen, so die Kulmbacher Händlerin.