Verschärfte Kontaktbeschränkungen, ein 15-Kilometer-Bewegungsradius - die Maßnahmen, mit denen im derzeitigen Hotspot Kulmbach die weitere Ausbreitung des Corona-Virus eingedämmt werden soll, sind drastisch. Doch wie werden die ganzen Vorgaben und Regeln überhaupt kontrolliert?

Für die Überwachung der Einhaltung der Beschränkungen ist die Polizei zuständig. Die wird sich, was den 15-Kilometer-Radius angeht, natürlich schon an den Autokennzeichen orientieren, wie der stellvertretende Leiter der Kulmbacher Polizeiinspektion, Klaus-Peter Lang, erklärt. "Mit einem Kulmbacher Nummernschild werde ich in Kulmbach wohl eher weniger kontrolliert", sagt er. Sinn und Zweck der 15-Kilometer-Beschränkung sei es ja vor allem, touristische Tagesausflüge zu unterbinden. Da Kulmbach nun nicht gerade ein Ziel des Massentourismus sei, werde man damit in der Bierstadt erwartungsgemäß weniger Probleme haben.

Kein großer Run

Ähnlich sieht es auch der Leiter der Polizeiinspektion Stadtsteinach, Georg Löffler. "Den großen Run auf Naherholungsgebiete im Oberland haben wir bisher nicht erlebt." Seine Beamten würden sich jetzt nicht an die Bundesstraße stellen und gezielt nach Autos mit fremden Kennzeichen Ausschau halten. Die Kontrollen würden vielmehr wie bisher auch im üblichen Rahmen stattfinden.

Doch die beiden Polizeichefs betonen auch: Die Verordnungen werden nicht aus Jux und Tollerei erlassen, sondern haben ihre berechtigten Gründe. "Einige Unbelehrbare wird es mit Sicherheit geben", weiß Klaus-Peter Lang. Und die müssen damit rechnen, dass die Polizeibeamten zum Beispiel bei der Überprüfung des 15-Kilometer-Radius genauso gewieft und technisch versiert sind wie die, die sich nicht daran halten wollen.

Klärung im Gespräch

Bei Kontrollen werde man zunächst immer versuchen, den Sachverhalt im Gespräch zu klären, "und vieles wird sich da bestimmt in Wohlgefallen auflösen". Oft reiche auch eine Belehrung. Extra Bescheinigungen und Nachweise vom Arbeitgeber zum Beispiel müssten nicht mitgeführt werden. "Das Gespräch ist da die ehrlichere Lösung", so Lang.

Liegt aber ein eindeutiger, vorsätzlicher Verstoß gegen die Corona-Auflagen vor, ist das eine Ordnungswidrigkeit, die geahndet wird. "Aber immer mit Augenmaß, Fingerspitzengefühl und einzelfallbezogen", betont Georg Löffler. Die Ordnungswidrigkeit wird von den Polizeibeamten aufgenommen und an das dafür zuständige Landratsamt weitergeleitet. Die Behörde legt dann die Höhe des Bußgeldes fest. Sie ist einzelfallabhängig und richtet sich nach dem Bußgeldkatalog für die Infektionsschutzmaßnahmenverordnung. Für ein Überschreiten des 15-Kilometer-Radius werden zum Beispiel 500 Euro fällig.

15 Kilometer Luftlinie

Gerade, was den 15-Kilometer-Radius angeht, der in den sozialen Netzwerken ja heiß diskutiert wird, werben die Inspektionsleiter für etwas mehr Unaufgeregtheit. Es gebe schließlich eine Reihe von triftigen Gründen, um diesen Bewegungsradius verlassen zu dürfen. Außerdem, so Klaus-Peter Lang: "Spazierengehen kann man auch vor der eigenen Haustür, da muss man nicht sonst wohin fahren." Dass der Bewegungsspielraum auch bei 15 Kilometern immer noch recht groß ist, betont Georg Löffler. "Wir reden hier von Luftlinie und nicht Fahrtstrecke ab den Außengrenzen der Gemeinde, und das ist schon einiges, da muss man die Kirche ein bisschen im Dorf lassen."

Vor allem bei den verschärften Kontaktbeschränkungen im privaten Bereich - in Kulmbach darf man derzeit keinen anderen Hausstand treffen - setze man auf die Vernunft und den gesunden Menschenverstand der Bürger. "Es ist für niemanden einfach momentan, auch für uns nicht. Aber wir müssen uns jetzt halt einfach noch ein bisschen zusammenreißen", appelliert Klaus-Peter Lang an alle. Georg Löffler ist da guter Dinge, denn er hat in den vergangenen Monaten festgestellt: "Unsere Landkreisbewohner sind schon sehr gesetzestreu und halten sich größtenteils an die Vorgaben."

Trinkgelage und Stretchlimo

Aber eben doch nicht alle. Die Beamten der Polizeiinspektion Stadtsteinach haben in ihrem Bereich von März bis Dezember an die 60 Verstöße gegen Corona-Maßnahmen gezählt. "Da gab es auch gravierende Sachen wie das Trinkgelage in großer Runde in der Waldhütte oder die Geburtstagsparty in der Stretchlimo mit 5, 6 Leuten", so Georg Löffler.