Es kommt überraschend: Der juristische Streit zwischen Inge Aures und Udo Petzoldt, die beide Führungspositionen bei der Kulmbacher Arbeiterwohlfahrt und der Baugenossenschaft innehatten beziehungsweise noch haben, ist vom Tisch.

Die gemeinsame Erklärung

In einer gemeinsamen Erklärung die uns Aures' Rechtsanwalt Frank Stübinger gestern Mittag zugesandt hat, wird eine gütliche Einigung zwischen Inge Aures und der Baugenossenschaft Kulmbach und Umgebung eG sowie Udo Petzoldt verkündet. Wie und warum es nun dazu gekommen ist? Weitere Ausführungen der Betroffenen gibt es dazu nicht. "Das ist in der Vereinbarung so festgelegt worden", teilt der Jurist mit.

Die Entscheidung des Landgerichts

Die Auseinandersetzung, die immer wieder für Schlagzeilen gesorgt hat, hatte die Kontrahenten auch vor Gericht geführt. Das Landgericht Bayreuth hat Mitte Juni eine Klage von Inge Aures abgewiesen. Es ging unter anderen um die Aufstockung des Aufsichtsrats, die Ende November in einer Vertreterversammlung beschlossen worden war, sowie um die Rechtmäßigkeit zahlreicher weiterer Beschlüsse, da diese in einer virtuell und im Umlaufverfahren durchgeführten Versammlung getroffen worden waren. Aures, die als Aufsichtsratsvorsitzende abgesetzt wurde, wollte das nicht hinnehmen. Nach der Klageabweisung hatte sie mit ihrem Rechtsanwalt noch eine Berufungseinlegung beim Oberlandesgericht Bamberg in Erwägung gezogen.

Aufsichtsratsmandat niedergelegt

Zur Berufungsverhandlung wird es nicht kommen."Frau Inge Aures hat die Berufung gegen das Endurteil des Landgerichts Bayreuth vom 16. Juni 2021 wegen der in diesem Verfahren von ihr angefochtenen Beschlüsse der außerordentlichen Vertreterversammlung der Baugenossenschaft Kulmbach und Umgebung eG (Wahlen zum Aufsichtsrat) und dessen Aufsichtsrat zurückgenommen und die Wirksamkeit der Wahl somit anerkannt", heißt es in der Presseerklärung, in der auch mitgeteilt wird, dass sich Aures aus der Baugenossenschaft zurückgezogen und ihr Aufsichtsratsmandat mit sofortiger Wirkung niedergelegt hat.

Petzoldt aus Awo ausgetreten

Die SPD-Landtagsabgeordnete hat sich aus der Genossenschaft verabschiedet, bei der ihr Kontrahent Udo Petzoldt nach wie vor Vorstand ist. Doch auch Petzoldt lässt Federn. Er ist im Gegenzug aus der Arbeiterwohlfahrt ausgetreten und als Beisitzer beziehungsweise Mitglied des Kreisvorstandes mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Aures bleibt beim Sozialverband Kreisvorsitzende.

Auch ein weiteres Gerichtsverfahren wird nicht weiter verfolgt. Udo Petzoldt hat nämlich zwischenzeitlich die Berufung vor dem Landgericht Bayreuth wegen eines erstinstanzlichen Urteils vor dem Amtsgericht Kulmbach vom 29. April zurückgenommen. Petzold hatte damals erfolglos gefordert, dass sich Aures zu internen Vorgehen in der Baugenossenschaft in der Öffentlichkeit nicht mehr äußern darf.

Das sagt Aures' Nachfolger

Auch Gerhard Götz, der Ende 2020 als Nachfolger von Aures zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt worden war, wollte gestern zur nun getroffenen Einigung keine Stellungnahme abgeben. "Ich darf das nicht kommentieren", sagte Götz auf Anfrage unserer Zeitung. Eines stellte er dennoch heraus: "Die Vereinbarung, die jetzt getroffen wurde, ist genau die, die ich im Dezember 2020 vorgeschlagen hatte. Aures hat mich danach heftig kritisiert. Jetzt ist es auf ihren Wunsch hin zu genau dieser Einigung gekommen."