Das Image ist mehr als angekratzt. "Da geh' ich nicht mehr hin. Da läuft Etliches falsch", sagen selbst viele Neudrossenfelder, die auf die Bräuwerck AG, die die 2013 eröffnete Gaststätte und die Brauerei auf dem für über acht Millionen Euro sanierten Hölzel-Areal betreibt, nicht gut zu sprechen sind. Eingeschränkte Öffnungszeiten, ein verbesserungswürdiger Service, kein akzeptables Preis-Leistungs-Verhältnis - die Kritikpunkte sind vielfältig, wobei sich die meisten einig sind: Es wäre schade, wenn es das Bräuwerck, das eine ansprechende Gaststube mit Saal und einen herrlichen Biergarten mit Blick ins Rotmaintal besitzt, nicht mehr gäbe.

Die Sorge ist groß

Die Sorge um die Zukunft ist bei vielen Aktionären groß, denn die AG kommt nicht aus der Schieflage heraus. Es gab immer wieder neue Ideen, auf die Erfolgsspur hat die Aktiengesellschaft bis dato aber kein Vorstand gebracht. Weder der verstorbene Rainer Schimpf, noch Michael Kaim oder Dieter Bauernfeind, der der Aktiengesellschaft heute vorsteht und unter dem der jährliche Fehlbetrag zumindest reduziert werden konnte: Hunderttausende Miese wurden bis dato gemacht, von der schwarzen Null können die Verantwortlichen und mit ihr die Aktionäre nur träumen.

Das ursprüngliche Grundkapital von 850 000 hat sich bis zum Jahr 2019 in etwa halbiert. "Das geht in Richtung Insolvenz", sagt im Gespräch mit unserer Zeitung ein Branchenkenner, der weiß, dass mit den Jahren auch wieder Instandhaltungs- und neue Investitionskosten anfallen, die die Bilanz weiter belasten werden. "So ein Betrieb muss gerade in den ersten Jahren einen Gewinn abwerfen", stellt er fest.

Aktionäre haben resigniert

Warum die Aktionäre nicht auf die Barrikaden gehen? "Ich glaube, die meisten haben wie ich einfach resigniert, sehen kein Licht am Horizont. Weil die Aktie bei der Ausgabe nur 250 Euro gekostet hat, nehmen sie den Verlust in Kauf", sagt ein Aktionär, der die Tage der AG gezählt sieht, mit der Auszahlung einer Rendite nicht mehr rechnet. Dabei seien die Bedingungen für den Gastronomiebetrieb ideal, zumal an die Gemeinde, der die Immobilie gehört, keine Pacht gezahlt werden muss.

"Wenn man ehrlich ist, muss man sagen, dass der Betrieb unter nicht marktgerechten Bedingungen am Leben gehalten wird. Würde eine Pacht fällig, fiele die Bilanz noch deutlich schlechter aus." Der Aktionär ist gespannt, wie die Jahresbilanz 2020 ausgefallen ist, sagt mit Galgenhumor: "Vielleicht war es dank der Coronahilfen ja das beste Jahr."

Keine Rückmeldung

Wie die Verantwortlichen des Bräuwercks das Ruder herumreißen wollen? Wir wollten Andrea Weigler, Projektmanagerin aus Baunach, die neue, hauptamtliche Geschäftsführerin der Bräuwerck AG ist, befragen. Trotz vieler Versuche, sie zu kontaktieren, ist es zu keinem Gespräch gekommen. Sie äußere sich gegenüber der Presse nicht, war aus dem Umkreis des Bräuwercks zu hören. Weigler, die für die CSU im Stadt- und Kreistag von Baunach sitzt und 2014 schon einmal Bürgermeisterkandidatin war, soll vom Fach sein.

Welche Erfahrungen sie in der Gastronomie hat? Auch diese Frage blieb unbeantwortet, was nicht nur uns, sondern auch Aktionäre irritiert. "Wie will man aus den Negativschlagzeilen herauskommen, wenn man sich nicht öffentlich erklärt?", fragt ein Anteilseigner, der für die "Mauertaktik, die seit Jahren betrieben wird", kein Verständnis hat. Wie er die Zukunft des Bräuwercks sieht? "Nicht rosig. Ich befürchte, dass in nicht allzu ferner Zukunft die Lichter ausgehen."

Das sagt der Vorstand

Vorstand Dieter Bauernfeind, der sich auch infolge einer schweren Covid-Erkrankung aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat, weiß, dass viele Aktionäre beunruhigt sind. "Ich frage mich aber, warum sie erst jetzt aufbegehren, wo das Geld knapp wird." Bauernfeind macht deutlich, dass vor allem in den ersten fünf Jahren viel Geld "verbraten" worden sei. "Da haben die Aktionäre nur zugeschaut, keine Kritik geäußert."

Weniger ist manchmal mehr

Unter seiner Regie sei der Verlust heruntergefahren worden. Wie die Bilanz 2020 ausgefallen ist? In wenigen Wochen soll sie den Aktionären präsentiert werden. "Es wurde erstmals ein Gewinn in Höhe von 6000 Euro erwirtschaftet", teilt Bauernfeind mit, der aber weiß, das die Pandemie dem Bräuwerck geholfen hat.

Es seien staatliche Corona-Zuschüsse für die Zeit der Schließung geflossen, in der keine Unkosten entstanden seien. Bauernfeind macht deutlich, dass es paradox klinge, aber auch in der Vergangenheit oft besser gewesen wäre, Öffnungszeiten einzuschränken: "Weil wir in schlechten Monaten wenig eingenommen, aber hohe Lohnkosten gezahlt haben." Wie man das Bräuwerck öffne, müsse man sich genau überlegen.

Keine Antwort

Preisgestaltung, Service, Öffnungszeiten - wie viele Aktionäre sieht auch der Vorstand etliche Baustellen, die in Angriff genommen werden müssen. Das große Ziel müsse es sein, endlich einen Pächter für die Gastronomie zu finden. "Dass man es von Anfang ohne Pächter versucht hat, war ein großer Fehler", sagt Bauernfeind und betont, dass er einem Pächter Freiraum geben würde, "damit er handlungsfähig ist". "Ich selbe habe nie an meinem Vorstandsposten gehangen. Ich hänge am Bräuwerck", stellt er fest. Ob auch Andrea Weigler die Suche nach einen Gastwirt forciert? Eine Frage, auf die wir leider keine Antwort bekommen haben.