Frau Angermann, Sie sind seit gut einem Jahr Geschäftsführerin des Klinikums, das mit 1400 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber im Landkreis ist. Was war für Sie die bisher größte Herausforderung?
Brigitte Angermann: Es gab viele medizinische wie auch bauliche Herausforderungen. Zunächst musste ich aber natürlich erst einmal die Mitarbeiter und Abläufe am Klinikum kennenlernen.

Das Leistungsspektrum wird ständig erweitert. 2015 wurden unter anderem die neue internistische Intensivstation und die Intermediate-Care-Station in Betrieb genommen. Rüstet sich das Klinikum für den größer werdenden Konkurrenzkampf der Kliniken?
Mit der Erweiterung und zunehmenden Spezialisierung versuchen wir den Patienten aus der Region noch bessere Behandlungsmöglichkeiten zu bieten und so weitere Patienten an unser Haus zu binden. Wir haben 2015 auch die urologische Abteilung vergrößert, ein neues Reinraumlabor zur Zytostatika-Herstellung und einen weiteren OP-Saal in Betrieb genommen. Mit Marian Meier haben wir einen Spezialisten in der plastischen Chirurgie und Handchirurgie gewinnen können. Das alles sind Bausteine, die zum Erfolg des Klinikums beitragen und uns für den immer schärfer werdenden Wettbewerb rüsten.

In vielen Krankenhäusern werden Bettenkapazitäten abgebaut. Kulmbach wurden in der Bedarfsplanung 480 Betten anerkannt, 30 mehr als bisher. Spricht die Aufstockung für den Erfolg des Hauses?
Es zeigt, dass unser Haus über die Landkreis-Grenzen hinaus hervorragend angenommen wird. Die Auslastung von 94 Prozent spricht für sich und schlägt sich in der Krankenhaus-Bedarfsplanung nieder.

Der Parkhausbau war lange umstritten. Ende 2015 sind die Bagger angerollt. Welche Bedeutung hat das Projekt?
Das Parkhaus ist für die Weiterentwicklung des Klinikums von immenser Bedeutung. Wäre das Projekt gekippt, hätten wir ein riesiges Problem gehabt. Wir hätten dann eventuell sogar darüber nachdenken müssen, einen Pendelverkehr zwischen Klinikum und dem Parkplatz am Schwedensteg einzurichten.

Wann wird das Parkhaus fertiggestellt?
Wir gehen davon aus, dass uns die 158 neuen Stellflächen ab Oktober zur Verfügung stehen.

2016 wird nicht nur das Parkhaus errichtet. Im Herbst soll auch mit dem neunten Bauabschnitt begonnen werden. Anfangs war von 30 bis 40 Millionen Euro die Rede. Jetzt heißt es, es werden rund 100 Millionen Euro investiert.
Die genauen Zahlen liegen erst vor, wenn die Regierung die Pläne geprüft hat. Wir rechnen aber damit, dass der Bauabschnitt, der sich ja über einige Jahre hinziehen wird, Kosten in dreistelliger Millionenhöhe verursachen wird, wobei der jetzige neunte Bauabschnitt mit dem ursprünglich geplanten nicht mehr viel gemeinsam hat.

Eingangshalle samt Pforte und Patientenaufnahme werden neu gestaltet. Die Verwaltung kommt in die oberen Etagen, die Stationen werden zentriert. Welches Konzept verfolgen die Planungen ?
Die zwölf Stationen sollen in den ersten vier Obergeschossen untergebracht werden. Der fünfte und der sechste Stock, in denen sich jetzt Patientenzimmer befinden, erhalten eine interne Funktion. Dorthin kommen Arztdiensträume, Verwaltung wie auch Konferenzzimmer. Wir wollen die Stationen auf weniger Ebenen verteilen, auch um die Transport- und Laufwege für Patienten und Personal zu verkürzen.

Der Altbau wird umgebaut, zwei Teilneubauten werden errichtet. Wie bringt man so ein Projekt im laufenden Betrieb über die Bühne?
Wir werden das meistern, aber natürlich auch improvisieren müssen. In einer Übergangszeit werden wir auf Bettencontainer zurückgreifen müssen, da die uns derzeit zur Verfügung stehenden 450 Betten aufrecht erhalten werden müssen, um weiterhin alle Patienten versorgen zu können.

Künftig soll es in Kulmbach nur noch Zwei-Bett-Zimmer geben.
Wir sind eines von nur noch wenigen Häusern, in denen es noch Drei-Bett-Zimmer gibt. Wir müssen da nachziehen. Wir planen übrigens auch 80 Einbettzimmer.

Es ist schwer, deutsche Mediziner an Krankenhäuser zu locken. Auch in Kulmbach sind viele ausländische Ärzte. Oft wird über Kommunikationsprobleme geklagt.
Die Sprache ist das A und O. Wir haben aber auch in Kulmbach viele ausländische Ärzte, die große Stützen sind und zum hervorragenden Ruf unseres Hauses maßgeblich beitragen. Grundsätzlich ist es aber schon bedauerlich, dass es viele deutsche Mediziner ins Ausland zieht.

Über ein Stipendienprogramm kommt Mediziner-Nachwuchs nach Kulmbach. Was ist das für ein Programm?
Studenten erhalten während des Studiums eine finanzielle Unterstützung, können ihre Praktika bei uns absolvieren, wenn sie sich im Gegenzug verpflichten, nach dem Studium drei Jahre am Klinikum zu arbeiten. Derzeit sind 32 Studenten eingeschrieben, und wir hoffen, dass der Eine oder Andere über die drei Jahre hinaus bei uns bleibt.

In Kulmbach ist die Einrichtung eines Medizin-Campus geplant. Welche Rolle könnte das Klinikum da spielen?
Das Projekt befindet sich noch in der Findungsphase. Sollten eine Uni als Partner gefunden werden und Medizinstudenten nach Kulmbach kommen, könnte das Klinikum in der praktischen Ausbildung eine wichtige Rolle einnehmen - und dann natürlich vom Campus profitieren.

Kulmbach genießt oberfrankenweit einen guten Ruf. Viele sagen, dass hier - anderes als an großen Häusern und Universitätskliniken - Ärzte wie Pfleger den Patienten nicht als ein Nummer, sondern noch als Menschen sehen. Ist das ein Plus kleinerer Einrichtungen?
Ich glaube schon. Neben einer hervorragenden ärztlichen und pflegerischen Qualität spielt die Freundlichkeit eine wichtige Rolle. Ein Gruß, das Eingehen auf den Patienten tragen dazu bei, dass sich Patienten bei uns wohlfühlen.