Seit Generationen lebt Helmut Pfadenhauers Familie von der Forst- und Holzwirtschaft. "Ein Nationalpark wäre für mich existenzbedrohend, eine Katastrophe", sagt der Wilhelmsthaler, der am Dienstag mit vielen anderen Waldbesitzern aus dem Frankenwald nach Kulmbach gekommen ist, um auf dem Marktplatz zu demonstrieren. Der Zorn der Waldbesitzer, vieler Holzverarbeiter, Waldbauern und Privatleute richtet sich gegen eine Initiative der Staatsregierung, die einen dritten Nationalpark in Bayern schaffen möchte. Der Frankenwald ist ein möglicher Kandidat dafür.


Undurchsichtiges Verfahren


Thomas Ammer aus Wallenfels, der mit vielen Gleichgesinnten heute den Verein "Unser Frankenwald e.V." gründen wird, kritisiert die bisherige Vorgehensweise: "Das bekannt gewordene Suchgebiet genügt den gesetzlichen Anforderungen an einen Nationalpark nicht. Das Verfahren ist undurchsichtig." Außerdem müssten die Eigentumsrechte der Waldbesitzer geschützt werden.



"Wir treten ein für einen integrativen Naturschutz ohne großflächige Waldstilllegung. Wir fordern, dem Flächenfraß der Ballungsräume Einhalt zu gebieten, statt den ländlichen Raum durch fadenscheinige Ausgleichsmaßnahmen dafür zu bestrafen."

Der Wald sei Existenzgrundlage vieler Landwirte und Unternehmer. Eine nachhaltige heimische Forstwirtschaft sei immer besser als die sonst nötigen Importe, die Raubbau und Großkahlschläge mit sich bringen. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, seit Jahrzehnten", bekräftigt Helmut Pfadenhauer. "Unser Wald ist intakt, weil er gepflegt und nachhaltig bewirtschaftet wird. So soll es auch bleiben."


Seehofer sucht das Gespräch


Als Horst Seehofer mit seinen Kabinettsmitgliedern zur Ministerratssitzung in Kulmbach eintrifft, geht er ohne Zögern auf die Demonstranten zu und sucht das Gespräch. Etliche Minister, unter ihnen Umweltministerin Ulrike Scharf, Landwirtschaftsminister Helmut Brunner und Gesundheitsministerin Melanie Huml schließen sich ihm an.

Man wolle nichts gegen den Willen der Bürger tun, betont Seehofer. "Wir haben uns noch nicht festgelegt, ob und wo ein weiterer Nationalpark entstehen wird. Und wenn es aufgrund von Holzrechten nicht geht, dann geht es nicht. Niemand wird enteignet."

Die Demonstration bewertet der Ministerpräsident positiv: "Wir erleben da ein Lehrbeispiel der Demokratie", sagt er: "Reden wollen, zuhören können und gemeinsam eine Lösung finden - das ist der Politikstil, den wir praktizieren wollen."