Großes Publikum ist bei Stadtratssitzungen eher selten. Und Zuhörer im Kindergartenalter verirren sich sonst nicht in den großen Saal des Rathauses. Am Donnerstag war alles anders. Zirka 40 Eltern und ihre Sprösslinge wollten sich aus erster Hand informieren, wie es nach dem Brand im Paul-Gerhardt-Kindergarten weitergeht.

Die kleine Sophie zeigt jedem, der es sehen will, ihr Pappschild. "Stress, Chaos Lärm", steht dort. Offenbar ist es für Kinder und Eltern eine Belastung, dass die Kita-Gruppen seit dem August auf drei Standorte in Kulmbach verteilt sind. Daher ihre Forderung: "Neue Interimslösung sofort."

"Es kann auf Dauer nicht so bleiben", sagt Franziska Heisler vom Elternbeirat. Die Kinder seien getrennt, und die Gemeinden der Kreuzkirche, der Friedenskirche und der Petrikirche bräuchten ihre Räumlichkeiten auch wieder. Bis der Neubau an alter Stelle bezugsfertig ist, müsse eine akzeptable Zwischenlösung gefunden werden. "Wir wundern uns, warum es so lange dauert."


Stadt deckt Finanzierungslücke

Mit Rücksicht auf die Kinder zieht Oberbürgermeister Henry Schramm den Tagesordnungspunkt vor und kommt gleich auf den Paul-Gerhardt-Kindergarten zu sprechen. Sein Vorschlag, für den Neubau eine Finanzierungslücke von 350.000 Euro zu übernehmen und das Geld nächstes Jahr in den Haushalt einzustellen, wird einstimmig genehmigt. Die Summe ergibt sich daraus, dass von den erwarteten 2,1 Millionen Euro der Versicherung zirka 700.000 Euro für das neue Gemeindezentrum in Mangersreuth abgezogen werden müssen. Der Richtwert für den Neubau mit vier Gruppen beträgt laut Regierung von Oberfranken aber 1,75 Millionen Euro. Daher die Differenz.

Man wisse, so Schramm, aus Gesprächen mit dem Bauherren, also mit der Kirchengemeinde und Dekan Jürgen Zinck, dass die Neubauplanungen in Kürze vorliegen sollen. Der jetzige "Vorratsbeschluss" mache die Stadt handlungsfähig, wobei die Zahlen "nicht in Stein gemeißelt" seien. "Uns allen liegt daran mitzuhelfen, den Neubau so schnell wie möglich auf die Beine zu stellen", so der OB.


BRK-Heim scheidet aus

Nach seinen Worten ist nun klar, dass sich die Realisierung des Neubaus noch hinziehen wird. Man brauche daher für ein weiteres Kindergartenjahr - also bis Sommer 2017 - eine Übergangslösung. Dafür gebe es drei Ansätze. Die BRK-Heim in der Flessastraße scheide wohl aus, weil das alte Bürogebäude der Post in der Innenstadt erst noch für den Umzug der Rot-Kreuz-Geschäftsstelle umgebaut werden muss.

Als zweite Option sei daran gedacht, Container zu mieten. Kosten für 18 Monate: 300.000 Euro. Hier müsse geklärt werden, ob die Betriebsausfallversicherung des Kindergartenbetreibers einspringt.

Weiterhin, so Schramm, laufen Gespräche mit allen in Frage kommenden Einrichtungen, die Kinder anderswo unterzubringen. Voraussetzung sei, die Gruppen nicht auseinanderzureißen. "Aber alle fünf Gruppen gemeinsam an einem Standort unterzubringen, wird aber sicherlich nicht gehen. Das muss man ehrlich sagen."

Es dürfe aber nicht der Eindruck entstehen, die Stadt würde nichts tun. Schramm: "Das Wohl der Kinder und ganz besonders Ihrer Kinder liegt uns am Herzen."


Mehr Infos am 30. November

Die Stadt Kulmbach will die betroffenen Eltern des Paul-Gerhardt-Kindergartens über die aktuelle Entwicklung auf dem Laufenden halten. Dafür ist am Montag, 30. November, eine Informationsveranstaltung geplant. Sie findet im großen Konferenzraum der Stadthalle statt; Beginn 19.30 Uhr.