Bis dato stehen bei der Plassenburg Kelterei alle Zeichen auf Erfolg: In den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres ist der Umsatz im gewerblichen Bereich um 184 000 Euro, im Lohnbereich - nach einer guten Ernte - um 257 000 Euro angestiegen, zog Geschäftsführer Markus Wolfrum bei der Jahreshauptversammlung im Gasthaus Geuther am Samstag eine erste Bilanz. "Im ersten Halbjahr hat die Kelterei 1,467 Millionen Euro erwirtschaftet - das sind 235 000 Euro mehr als im Vorjahr. Unser Ziel ist es, die Marke von 2,5 Millionen Euro Umsatz erstmals zu knacken." Dazu allerdings wäre eine gute Streuobsternte 2016 wichtig. Doch das ist vom Wetter abhängig.

Für die Zukunft hat die Geschäftsführung einige neue Ideen. So möchte die Plassenburg Kelterei zum ersten Mal in dieser Saison ein weinhaltiges Mix-Getränk in der 0,33-Liter-Longneck-Flasche auf den Markt bringen: auf Cidre-Basis mit Maracuja und Kirsche.


Der Flascheninspektor sieht alles


Im Frühling soll die Abfüllanlage in Bad Berneck mit einem Flascheninspektor ausgestattet werden, kündigte Wolfrum an. Aktuell werden die Flaschen noch am Leichtschirm auf Beschädigungen, Verschmutzungen und Fremdkörper untersucht. Doch der Mensch entdeckt nur fünfzig Prozent aller Fehler, der neue Flascheninspektor dagegen sieht 99 Prozent aller Beschädigungen und Verschmutzungen.

"Der Inspektor kontrolliert Boden, Seitenwand und die Flaschenmündung. Flaschen mit Fremdkörpern oder Restflüssigkeiten werden ausgeschleust. Wir setzen auch eine Gewindekontrolle ein, damit beim Öffnen das typische Knirschen ausbleibt", so der Geschäftsführer.


Wenig Säure, sehr harmonisch


Bei der Ernte 2015 kamen die Franken mit einem blauen Auge davon. Während in Bayern acht Prozent weniger Saft gepresst werden konnte, weil die Äpfel wegen des trockenen und heißen Sommers so klein waren, hatte Franken Glück. Die Plassenburg Kelterei presste 2654 Tonnen Äpfel und kelterte 1,88 Millionen Liter Saft.
Damit war die Ernte um 33 Prozent besser als im Jahr zuvor. Besonders positiv sei, dass die fränkischen Äpfel weniger Fruchtsäure aufweisen. "Unsere Tanklager sind bis obenhin gefüllt und unser selbst hergestelltes Konzentrat reicht über ein Jahr. Die Qualität unseres Apfelsaftes ist sehr harmonisch", betonte Wolfrum.

Anlass zur Freude geben auch die Zahlen für das Geschäftsjahr 2014/15. Denn die Plassenburg Kelterei erzielte Umsatzerlöse in Höhe von 2,292 Millionen Euro. Abzüglich aller Kosten blieb ein Jahresüberschuss in Höhe von 62 000 Euro. Da bereits 18 000 Euro Verlust in der Bilanz vorgetragen waren, relativierte sich das Ergebnis auf 43 997,39 Euro. Davon sollen 10 000 Euro den gesetzlichen Rücklagen zugeführt werden, der Rest wird den verbleibenden Ergebnisrücklagen zugeführt, entschied die Mitgliederversammlung.

Eine der größten Neuerungen im vergangenen Geschäftsjahr war der Kauf der Marke Schwab's Fruchtsäfte in Ansbach. Die Marke wurde überarbeitet, neue Flaschen und Etiketten wurden eingeführt. "Aber die Rezepturen der Familie Schwab wurden beibehalten. Der in Ansbach gekelterte Saft wird mit einem Tankfahrzeug nach Bad Berneck transportiert, ausgemischt, abgefüllt und anschließend wieder zurücktransportiert. Im Ansbacher Saft sind auch Ansbacher Äpfel", erklärte der Geschäftsführer.


Kein Glück mit Johannisbeeren

In Bad Berneck wurden 1441 Tonnen Äpfel verarbeitet und 1,41 Millionen Liter Saft in die Tanks eingelagert. Kein Glück hatte die Kelterei mit Johannisbeeren. Denn die Anlieferungsmengen beliefen sich nur auf durchschnittlich zwei Kilo pro Erzeuger - viel zu wenig.

Kritisch äußerte sich Wolfrum zur Preissituation auf dem Apfelmarkt. Am Preisdumping werde sich die Genossenschaft nicht beteiligten. Durch das europäische Handelsembargo durfte Polen, größter Apfelproduzent Europas, keine Äpfel mehr nach Russland liefern. In der Folge wurde der deutsche Markt mit polnischen Äpfeln überschwemmt, der Marktpreis pendelte sich bei vier bis sechs Euro pro Doppelzentner ein. "Selbst, wenn man den Erhalt der Streuobstwiesen nur als Hobby sieht, ist dieser Preis nicht gerechtfertigt", so Wolfrum. Die Plassenburg Kelterei hat den Mitgliedern für 100 Kilo Äpfel neun Euro bezahlt. "Glücklicherweise schätzen unsere Kunden die Regionalität und die Qualität und akzeptieren den damit verbundenen höheren Verkaufspreis."


Rösch und Schmidt bestätigt


Auch Aufsichtsratsvorsitzender Herbert Hubmann sprach sich für faire Preise aus. "Jeder Apfel, der bei uns in die Flasche gefüllt wird, kommt aus Franken", sagte er.

Bei der Jahreshauptversammlung wurde Fritz Rösch einstimmig wieder in den Vorstand berufen, Edgar Schmidt in den Aufsichtsrat.