An Baden war an der Kieswäsch im Sommer nicht zu denken. Ein riesiger Blaualgen-Teppich hat die Besucher wie schon im Vorjahr vergrault. Die Sichttiefe des Wasser, die gewöhnlich bei 160 Zentimetern liegt, hat nur noch acht Zentimeter betragen. Ein mehrwöchiges Badeverbot musste verhängt werden, das auch den Kiosk-Betreibern zugesetzt hat. Für den Bezirksfischereiverein war die Saison ein Albtraum.

"So können wir nicht weitermachen", sagte OB Henry Schramm (CSU), nach dessen Worten die Stadt in den vergangenen Jahren viel Geld in die Plankton-Bekämpfung gesteckt hat. Ohne Erfolg. "Wir müssen das Problem in den Griff bekommen", betonte Schramm.


Nicht nur Kulmbacher Problem

Da das Algen-Problem auch vor weiteren Seen in der Region nicht haltmacht, hat er eine oberfränkische Seen-Konferenz initiiert, die gestern auf Einladung des Wasserwirtschaftsamtes in der Außenstelle des Landesamts für Umweltschutz in Steinenhausen stattfand.

Wer glaubte, da ein Patentrezept zu erhalten, wie man die Algenblüte unterbinden kann, wurde enttäuscht. Ein solches gibt es nicht, sagte Jochen Schaumburg, der "Seen-Experte" des Landesamts für Umweltschutz. "Wir können die Natur nicht managen, stehen oft vor Rätseln", so der Experte, der von vielen Möglichkeiten sprach, die die Ursache für den Befall sein könnten, der Kleinseen wie große Gewässer treffe.


"So etwas noch nicht gesehen"

An der Kieswäsch hatte die Algenplage Anfang August ihren Höhepunkt erreicht. "So etwas habe ich noch nicht gesehen", sagte Schaumburg. Die Wasseranalysen hätten gezeigt, dass zu der Zeit die Nährstoffbelastung extrem hoch war. Fraglich sei, ob der hohe Phosphorgehalt, der das Wachstum der Algen begünstige, in der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung umliegender Flächen begründet liege. Die Nährstoffe könnten über das Grundwasser in den Baggersee gelangt sein. Auffällig sei auch gewesen, dass das sogenannte Zooplankton kaum mehr vorhanden war. Das seien Kleinst tiere wie Krebse, die Algen fressen "und eine wichtige Rolle im Ökosystem eines Sees spielen".


Tierische Hinterlassenschaften

"Wenn das Zooplankton im Ungleichgewicht ist, stimmt oft etwas nicht mit dem Fischbestand", folgerte Schaumburg. Da das Zooplanktum Nahrung für Fische sei, sei es denkbar, dass ein zu hoher Fischbestand mit ursächlich für die Algenplage war. Auf Nachfrage von OB Henry Schramm machte Schaumburg deutlich, dass es auch sein kann, dass die hohe Zahl der Graugänse "das Fass zum Überlaufen bringt". Deren Hinterlassenschaften könnten zum Anstieg des Phosphorgehalts geführt haben. Schramm machte deutlich, dass fast 150 Wasservögel an der Kieswäsch Quartier beziehen. Diese habe man auch schon bejagen wollen. "Die scheinen das gerochen zu haben. Als zwölf Jäger am See waren, waren keine Gänse da."

Schramm will jetzt mit dem Bezirksfischereiberater über die Möglichkeit einer Fischbestands-Analyse sprechen, Jäger kontaktieren und die Grundwasser-Problematik erläutern. "Wir müssen viele Wege verfolgen, weil wir heute keinen konkreten Lösungsansatz erhalten haben", betonte der Oberbürgermeister, der auf die Fachbehörden setzt. "Wir nehmen auch das Wasserwirtschaftsamt in die Pflicht."


Keine Garantie für 2016

Dass Maßnahmen ergriffen werden können, die eine algen freie Badesaison 2016 ermöglichen, scheint fraglich. "Aus Erfahrung weiß ich, dass man Geduld aufbringen muss", sagte Seen-Experte Jochen Schaumburg.