Der Kaufplatz ist längst abgerissen. Ein Absperrgitter umringt das 9500 Quadratmeter große Areal, das auf eine neue Nutzung wartet.Was auf dem Gelände im Herzen der Stadt mal werden wird? Fertige Pläne hat die Stadt nicht in der Schublade. Bei früheren Diskussionen haben sich zwei unterschiedliche Positionen herauskristallisiert: Die einen wollen mehr den Weg Richtung Parkanlage mit Freizeitnutzung gehen, können sich allenfalls eine Randbebauung vorstellen, die anderen wollen auf einem "Filetstück" der Stadtentwicklung eine kleingliedrige Bebauung zulassen. Alle sind sich in einem einig: Der Weiße Main muss in das Gelände integriert werden.

Von der endgültigen Lösung ist man noch weit entfernt. Der Stadtrat hat im Juli erst einmal den Weg freigemacht für eine Zwischennutzung. 660 000 Euro wird die Maßnahme verschlingen, wobei die Stadt mit einer Förderung in Höhe von 440 000 Euro rechnen kann. Der Eigenanteil beträgt rund 155 000 Euro, weil sich etwa die Initiative "Liebenswertes Kulmbach" an der Finanzierung beteiligen will und etliche Arbeiten in Eigenleistung erbracht werden sollen.

Das kommt 2022

Nach den Plänen der Landschaftsarchitekten Wirth und Beul, die mit der Uni Bayreuth und der Initiative "Liebenswertes Kulmbach" erstellt worden sind, sollen Grünflächen und Sitzgelegenheiten geschaffen werden, ein Burgspielplatz, ein Beachvolleyball-Feld und ein Strandbereich am Main. Auch an eine Freifläche, die als Bühne oder Open-Air-Kino genutzt werden könnte, ist gedacht. Wann mit der Umsetzung zu rechnen ist? "Das Ausschreibungsverfahren läuft derzeit", sagt OB Ingo Lehmann (SPD). Die bauliche Umsetzung soll Anfang 2022 beginnen, "sodass die Fertigstellung im Mai erfolgen kann".

"Liebenswertes Kulmbach" freut sich

Wir freuen uns, dass die Maßnahme zeitnah umgesetzt wird", sagt die stellvertretende Vorsitzende von "Liebenswertes Kulmbach", Barbara Biella. Der Platz solle ein Begegnungszentrum für Einheimische wie auch Gäste werden und das möglichst bleiben, wenn die langfristige "Kaufplatz"-Lösung kommt. Sollte dann eine Teilbebauung erfolgen, müsse sich diese in das Umfeld einfügen. Es werde sich zeigen, wie das Begegnungszentrum mit seinem Freizeitangebot bis dahin angenommen wird. "Es ist ein Experiment, aus dem man Erfahrungen ziehen kann", sagt Biella. Was letztlich aus dem Areal werde, entscheide der Kulmbacher Stadtrat.

Wie lange das "Experiment" dauern wird? Bauamtsleiter Jan Ellinghaus hatte im Frühjahr von einer Zwischenlösung für zwei Jahre gesprochen, deutlich gemacht, dass parallel ein städtebaulicher Wettbewerb durchgeführt wird und die Fläche für die spätere Nutzung 2023 an die Investoren übergeben werden kann. In der Stadtratssitzung im Juli hieß es dann, dass der erforderliche Ideen- und Realisierungswettbewerb erst 2023 ausgelobt wird und die Umsetzung frühestens 2025 starten wird. Bei einer Bauzeit von zwei Jahren sei mit einer Fertigstellung 2027 zu rechnen.

Warum hat sich der Zeitplan verschoben?

Warum sich der Zeitplan innerhalb von nur drei Monaten so verschoben hat? Im April sei man noch von einer "kleinen" Zwischennutzung des Areals ausgegangenen, sagt OB Lehmann. Weil in der Folge viele Ideen der Bürger bei der Stadtverwaltung eingereicht worden seien und kurz nach der Aprilsitzung das Förderprogramm bzw. der Sonderfonds "Innenstädte beleben" von der bayerischen Staatsregierung ausgerufen worden sei, "ist es möglich geworden, mit Hilfe dieser Mittel eine Vielzahl von Ideen aufzugreifen und in ein neues Konzept aufzunehmen". Das umfangreichere Zwischennutzungskonzept sei vom Stadtrat im Juli dann auch bestätigt worden.

Die Befürchtung

Nicht wenige befürchten, dass es beim kostenintensiven Provisorium bleiben wird. Wäre das aber überhaupt möglich? Ist der staatliche Zuschuss für die jetzige Variante daran gekoppelt, dass eine weiterreichende, endgültige Lösung kommen muss? Der Pressesprecher der Stadt, Jonas Gleich, macht deutlich, dass in der Sitzung im Juli betont worden sei, dass das Areal weiterentwickelt wird. "Das weiß auch der Fördermittelgeber, der final die Umsetzung des Wettbewerbs fordern wird."

Bis es zur finalen Lösung kommt, wird noch viel Zeit verstreichen. Warum die Stadt das Verfahren nicht forciert, mit der Auslobung des Realisierungswettbewerbs nicht schon jetzt, sondern erst 2023 beginnt? Das Verfahren werde derzeit vorbereitet, sagt Jonas Gleich. Bevor etwas "sichtbar" werde, seien verschiedene Schritte notwendig: "Es muss ein Fachbüro gesucht werden, das den Wettbewerb begleitet. Kosten müssen ermittelt und dann Fördermittel beantragt werden." Mit dem Fachbüro könnten die Auslobung angefertigt und das Wettbewerbsverfahren eingeleitet werden.

"Attraktiv und vielseitig"

Das Provisorium bleibt den Kulmbachern viele Jahre erhalten - bis der Umbau für die langfristige Lösung beginnt. Pressesprecher Jonas Gleich: " Solange können wir den Kulmbachern sowie allen Gästen einen wirklich attraktiven und vielseitigen Park auf dem ehemaligen Kaufplatzgelände anbieten."

Wie attraktiv er wird, das werden die Kulmbacher im kommenden Frühjahr erfahren.