Die Nachricht hat gestern in Kulmbach eingeschlagen wie eine Bombe: Das traditionsreiche Bekleidungsgeschäft "Katz und Katz", das vor 67 Jahren in der Spitalgasse gegründet worden ist, über drei Jahrzehnten am Marktplatz beheimatet war und sich seit 2017 in der Langgasse befindet, schließt Ende des Jahres. "Ich bin geschockt", sagte Christina Herrmann, die im benachbarten Damenmoden-Geschäft "Bonita" in der Langgasse arbeitet. "Katz" sei ein wichtiger Anker in der Fußgängerzone, ein Laden, der mit einem besonderen Angebot auch viele junge Leute in die Stadt locke. "Ich bedauere das sehr, in Kulmbach wird was fehlen", stellt Herrmann fest.

Entscheidung schon vor der Pandemie

Warum Diana Katz, die das Einzelhandelsgeschäft mit ihrer Mutter Anne groß gemacht hat, und Andi Schulze Schluss machen? War Corona schuld? Nein, sagen beide, die im Gespräch mit der Bayerischen betonen, dass sie den Entschluss schon vor der Pandemie getroffen haben und betriebswirtschaftliche Gründe überhaupt keine Rolle gespielt hätten. "Alles hat eben irgendwann ein Ende. Es ist Zeit zu gehen, Zeit für etwas Neues", lautet die Antwort von Diana Katz auf die Frage nach den Beweggründen. Weiter ausführen will sie die Antwort nicht. Andi Schulze verabschiedet sich mit 66 Jahren in den Ruhestand ("Das habe ich mir glaube ich verdient"), die berufliche Zukunft von Diana Katz ist nach ihren Worten derzeit noch offen.

Ein weiterer Tiefschlag

Das Aus ihres Bekleidungsgeschäftes ist ein weiterer Tiefschlag für die Innenstadt, die mit der Schließung der Metzgerei Lauterbach am Marktplatz Mitte des Jahres schon ein alteingesessenes Geschäft verloren hat. Dort hatte Firmenchefin Ursula Lauterbach verschiedene Gründe für die Schließung angeführt: die immer schwierigere Suche nach Personal, den Umsatzrückgang, den man in Folge des Umbaus des Eku-Platzes verzeichnet habe, behördliche Auflagen, die hohe bauliche Investitionen erforderlich gemacht hätten, und nicht zuletzt auch die Tatsache, dass es keinen Nachfolger gibt, der die Metzgerei fortgeführt hätte.

"Großer Verlust"

"Wie das Aus der Metzgerei ist auch der Rückzug von Diana Katz und Andi Schule ein großer Verlust für Kulmbach. Dass ,Katz und Katz' schließt, bedauere ich sehr, denn das Bekleidungsgeschäft ist ein Zugpferd", stellt die Vorsitzende der Händlervereinigung "Unser Kulmbach", Alexandra Hofmann, fest. Hofmann befürchtet, dass sich in den kommenden Jahren noch der eine andere alteingesessene Laden verabschieden wird. Ein Grund dürfte vielfach eine Rolle spielen: "Die Tatsache, dass nicht wenige Händler ins Alter kommen und nicht selten keinen Nachfolger haben."

Ein Nachfolger, der auch Alexandra Hofmann fehlt, die die Parfümerie Benker am Holzmarkt führt und mit ihren 69 Jahren noch täglich im Ladengeschäft steht. "Irgendwann ist auch bei mir Schluss", sagt die Einzelhändlerin und führt an: "Und das in nicht allzu ferner Zukunft."

Was dann aus dem Laden am Holzmarkt wird, ist noch völlig offen. Für "Katz und Katz" soll es in dem über 200 Quadratmeter großen Geschäft in der Langgasse schon einen Nachfolger geben. Wer das ist, war gestern allerdings nicht in Erfahrung zu bringen.

"Das schmerzt besonders"

Dass ein neuer Pächter gefunden und es keinen weiterer Leerstand geben wird, hofft auch die Stadt Kulmbach. 20 Leerstände gibt es derzeit in der Innenstadt, eine Zahl, die sich für eine Kommune in der Größenordnung von Kulmbach aber noch in Grenzen halte, sagt Pressesprecher Jonas Gleich, der betont, dass es glücklicherweise immer wieder auch Neueröffnungen von Gastronomiebetrieben und Geschäften gibt. Erst vor kurzem wurde etwa in der Sutte die "Maßmanufaktur Schneider" eröffnet, in das frühere Gardinengeschäft Scheder in der Spitalgasse ist die "Tagespflege am Weißen Turm" des BRK-Kreisverbandes eingezogen.

"Das schmerzt besonders"

Doch auch die Stadt kennt natürlich die Anziehungskraft, die von "Katz und Katz" ausgeht. Jonas Gleich: "Dass ein so traditionsreiches Geschäft schließt, das seit Jahrzehnten ein wichtiger Bestandteil des Kulmbacher Einzelhandels ist, schmerzt besonders."