Das Lehramt ist für Linda Bär der schönste Beruf, den sie sich vorstellen kann. Die 27-Jährige hat gerade ihr zweites Staatsexamen hinter sich und unterrichtet an der Carl-von-Linde-Realschule die Fächer Deutsch und Evangelische Religionslehre. "Ich habe schon vor dem Studium Praktika an verschiedenen Schulen gemacht und mich für die Realschule entschieden." Warum? "Am Gymnasium stehen die Schüler viel mehr unter Stress, und außerdem steht an der Realschule die Praxis stärker im Vordergrund. Das gefällt mir."

Ohne Kofferpacken geht es nicht

Wer Realschullehrer werden möchte, muss mobil sein und ist viel auf Reisen: Das erste Jahr verbringen die Referendare an ihrer Seminarschule, das zweite an einer anderen Einsatzschule, wobei man immer wieder auch tageweise an die Seminarschule zurückkommt.
Die jungen Lehrer packen also häufig die Koffer, pendeln zu ihren Heimatorten.

Die Kulmbacher Realschule war Linda Bärs Seminarschule, ihre Einsatzschule anschließend in Neustadt bei Coburg. Für die aus Sonnefeld stammende Lehrerin waren die Wege nicht gar so weit, manche ihrer Kollegen sind quer durch ganz Bayern unterwegs. Froh ist die 27-Jährige, dass sie gleich im Anschluss eine Stelle in Kulmbach ergattert hat, wenn auch zunächst nur befristet als Elternzeit-Vertretung. "Aktuell ist das Stellenangebot für Realschullehrer in Bayern sehr knapp", sagt die Seminarleiterin und Realschuldirektorin Monika Hild.

Viele junge Lehramtsanwärter an Grund- und Mittelschulen werden in den Süden versetzt, um den dortigen Lehrermangel auszugleichen - und viele gehen nicht gern. "An den Realschulen ist die Situation anders. Da ist der bayernweite Einsatz ganz normal. Das weiß man schon im Studium und richtet sich darauf ein", so Hild.
Linda Bär ist sogar dankbar für die Möglichkeit, Erfahrungen an verschiedenen Schulen gemacht zu haben: "Dabei lernt man viel. Jede Schule regelt bestimmte Dinge anders."

Auch Silke Rinck aus Bamberg, eine der neuen 14 Seminaristen, die zum Schuljahresbeginn neu in Kulmbach angefangen haben, teilt diese Auffassung. Sie wäre der Liebe wegen lieber ins Allgäu gegangen, aber das Kultusministerium hat sie nach Kulmbach geschickt. "Hier gefällt es mir auch sehr gut."

Noten und Fächer entscheiden

Kulmbach ist ein Studienseminar für die Fächer Deutsch, Englisch, Mathematik, Physik, Chemie, Musik und evangelische Religionslehre. Auch eine Zusatzausbildung in Sozialwesen ist möglich.

Ob und wo die Referendare nach dem zweiten Staatsexamen eine Anstellung bekommen, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Aufgrund der Examensnoten gibt es eine Rangliste, auch die Fächerkombination hat Einfluss. In Naturwissenschaften ist der Bedarf höher als in Geisteswissenschaften. Nicht zuletzt sind die Schülerzahlen in einer Region ausschlaggebend dafür, wie viele Klassen gebildet und wie viele Lehrerstunden benötigt werden. Wer an welcher Schule eingesetzt wird, bestimmt das Kultusministerium.

Was bringt es den Kulmbachern, Seminarschule zu sein? "Eine gute Versorgung mit Lehrkräften, eine hohe Qualität im Unterricht und individuelle Fördermöglichkeiten für unsere Schüler", sagt Monika Hild. "Seminarlehrer müssen Vorbilder sein, methodisch und didaktisch immer auf dem neuesten Stand." Und auch fürs Kollegium seien die jungen Leute eine Bereicherung: "Sie bringen viel Elan mit, sind unsere Motoren."