In Kulmbacher Supermärkten haben in den vergangenen Wochen und Monaten Langfinger immer wieder Ein- oder Zwei-Euro-Münzen, die zum Entriegeln von Einkaufswagen benötigt werden, entwendet und durch Plagiatsscheiben ersetzt. Ein Mann wurde jetzt auf frischer Tat ertappt und angezeigt.

Einer 40-Jährigen aus dem Landkreis Kulmbach ist die Münze aus dem Einkaufswagen gegen eine Beilagscheibe ausgetauscht worden, als sie Waren aus einem Regal nahm. Zwar habe sie gemerkt, dass ihr Einkaufswagen bei ihrer Rückkehr nicht mehr so dagestanden habe, wie sie ihn abgestellt hatte, aber in dem Moment hatte sie sich nichts dabei gedacht.


Versteckte Kamera?

"Ich habe den Diebstahl erst gemerkt, als ich den Wagen wieder in die anderen draußen geschoben habe. Als ich dann die Beilagscheibe in den Händen hatte, dachte ich im ersten Moment, das ist versteckte Kamera", sagt die Frau, die weiß, dass auch anderen Leuten beim Einkauf die Münze aus dem Wagen geklaut wurde - in verschiedenen Kulmbacher Supermärkten.

Natürlich hält sich der Schaden für den Einzelnen in Grenzen. Für die 40-Jährige ist das auch nicht das Entscheidende: "Es ist schockierend, wenn man darüber nachdenkt, wie man beim Einkaufen beobachtet wird."
Ein Täter, ein 49 Jahre alter Mann, ist inzwischen geschnappt: Er war im Rewe-Markt in der Lichtenfelser Straße zugange.

"Der Mann hat geschaut, ob in herrenlosen Einkaufswagen Geld oder nur Chips eingesteckt waren", berichtet Marktleiterin Jutta Hollweg. Wenn sich Münzen in der Verriegelungsvorrichtung befanden, sei der Täter mit seinem Einkaufswagen herangerollt, habe in einem unbeobachteten Moment mit dem Riegel an seinem Wagen das Geld im anderen Wagen herausgedrückt und mit einer Beilagscheibe ersetzt. "Das ist eine Dreistigkeit, da haut es einem den Vogel raus. Es ist unglaublich, was sich die einfallen lassen", sagt die Marktleiterin.


"Es scheint sich zu lohnen"

Jutta Hollweg weiß, dass der Mann auch in anderen Kulmbacher Märkten am Werk war. "Man muss sich angesichts der Beute schon fragen, ob das rentabel ist. Aber anscheinend muss es sich lohnen." Wie hoch der Schaden ist, kann sie nicht einschätzen, weil wohl nicht alle Kunden aufgrund des geringen Verlusts den Vorfall melden würden.

Doch das sei wichtig, denn nur dann könne der Markt reagieren - so wie Rewe. "Wir haben einen Fall über die Videoanlage nachvollzogen und hatten dann ein Bild vom Täter." Als der wieder zuschlug, war er schon im Visier der Mitarbeiter und wurde auf frischer Tat ertappt. Er wurde der Polizei übergeben und erhielt Hausverbot.

"Der Mann wird angezeigt", erklärt der Leiter der Polizeiinspektion Kulmbach, Gerhard Renk. Für ihn ist es der erste Fall dieser Art. Die Dunkelziffer könnte allerdings höher sein, schätzt er. "Wer geht schon wegen einem Euro zur Polizei?"

Dass Kunden beim Einkaufen bestohlen werden, ist für den Polizisten dagegen nichts Neues.

Der eine oder andere lasse leichtsinniger Weise den Geldbeutel im Einkaufswagen liegen - und der sei dann weg.
Vor allem in der Vorweihnachtszeit, wenn die Leute "in einer Kaufphase" sind und Trubel herrsche, sei besondere Vorsicht geboten. "Man kann nur raten, Wertsachen und Geldbörse am Körper zu tragen und nicht in den Einkaufswagen zu legen." Auch nicht in Taschen und Körbe, die am Einkaufswagen hängen.

Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit - etwa um einen Artikel aus dem Regal zu nehmen - reiche den Tätern aus, und das Geld sei weg. "Dann kommt der Einkauf teurer als geplant."

Die Ermittlungen gestalten sich nach den Worten des Inspektionsleiters oft schwierig, weil die Täter häufig unbeobachtet bleiben. "Die Opfer merken meistens erst an der Kasse beim Bezahlen, dass ihnen das Geld gestohlen wurde." Und nicht nur im Supermarkt ist Aufmerksamkeit gefragt: "Selbst beim Einladen des Einkaufs in das Auto ist den Leuten schon der Geldbeutel aus dem Einkaufswagen geklaut worden."