Kulmbach kann aufatmen, zumindest leicht. Die Allgemeinverfügung, die am 15. September vom Landratsamt erlassen wurde, wird nicht verlängert. "Wir konnten glücklicherweise die Indexfälle eingrenzen und dank der harten Arbeit der Mitarbeiter im Gesundheitsamt alle Kontaktpersonen ermitteln", erklärte Landrat Klaus Peter Söllner am Dienstagnachmittag im Landratsamt.

"Punktgenaue Ermittlung"

Gerade diese punktgenaue Ermittlung der Kontaktpersonen sei es, die Deutschland von anderen Ländern unterscheide und eine schnelle Eindämmung der Fallzahlen ermögliche, meinte Söllner. "Hätten wir das nicht gemacht, wären wir wohl ein bayernweiter Hotspot geworden."

Stand Dienstagnachmittag betrug die Gesamtzahl der nachgewiesenen Covid-19-Infektionen im Landkreis Kulmbach 308. Von diesen Fällen gelten 268 als genesen. "Unter der Berücksichtigung der elf Verstorbenen liegt die Anzahl der aktuell im Landkreis infizierten Personen demnach bei 29", sagte Camelia Fiedler, Chefin am staatlichen Gesundheitsamt.

Inzidenzwert auf 13,9 gesunken

Von diesen 29 Infizierten fallen ihr zufolge zehn Fälle in die letzten sieben Tage, der aktuelle Sieben-Tage-Inzidenzwert pro 100 000 Einwohner betrug gestern für den Landkreis Kulmbach 13,9.

469 Landkreisbürger befinden sich derzeit noch in Quarantäne.

"Wir sollten uns jedoch jetzt nicht in Sicherheit wiegen, denn die vergangene Woche hat gezeigt, wie schnell die Zahlen in die Höhe schnellen können", gab der Landrat zu bedenken. War der Landkreis Kulmbach am 15. September noch eine Gebietskörperschaft mit null Infizierten, habe die Inzidenzzahl bereits zehn Tage später bei knapp über 50 gelegen. Die bayernweite Tendenz sei steigend.

Appell an Bevölkerung

"Daher bitte ich die Bevölkerung: Auch wenn die Allgemeinverfügung heute ausläuft, beachten Sie weiterhin die Maßgaben des bayerischen Infektionsschutzgesetzes." Diese blieben nämlich bestehen.

In Kulmbach habe man mit der Allgemeinverfügung indes alles richtig gemacht. "Dies bestätigen auch die aktuellen Informationen aus dem bayerischen Ministerium, die in die gleiche Richtung gehen", ergänzte Oliver Hempfling, Abteilung öffentliche Sicherheit am Landratsamt Kulmbach. Man habe den Ausbruch weitgehend auf eine private Feier eingrenzen können, und auch im bayernweiten Geschehen zeige sich, dass der Hauptausbruchsbereich überwiegend private Feiern mit Personen zwischen 15 und 30 Jahren betreffen. "Ziel ist es, ein Überschwappen in die ältere, vulnerable Generation zu verhindern." Der überwiegende Teil der Kulmbacher Bevölkerung habe die Allgemeinverfügung beachtet, die Zahlen sinken, jedoch "ist eine Aussöhnung des Alltags mit dem Virus noch lange nicht möglich", sagte Hempfling. Die kalte Jahreszeit stünde bevor, deswegen habe man an der Abstrichstelle die Kapazitäten verdoppelt.

Helfer gesucht

"Da wir jedoch die Mitarbeiter unseres Gesundheitsamts hauptsächlich für die Beratung und die Kontaktverfolgung benötigen, bitten wir Personen mit medizinischer Vorerfahrung, die sich eine Tätigkeit an der Abstrichstelle vorstellen können, sich bei uns zu melden", ergänzte er. Generell bat auch er, weiterhin auf Abstand zu achten und Kontakte auf einen überschaubaren Bereich zu reduzieren. Außerdem ermahnte er alle Schüler, auch auf die Maskenpflicht an den Bushaltestellen zu achten. "Alle bisherigen Regelungen gelten weiter, sie können bei Bedarf verschärft werden."

Wer spezifische Symptome hat, soll sich bei einem Arzt seines Vertrauens melden. "An der Abstrichstelle machen wir wirklich nur Abstriche, wir nehmen keine Untersuchungen vor", erklärte Fiedler. Oft handele es sich um ganz andere Erkrankungen, etwa eine Bronchitis oder gar eine Lungenentzündung, und da sei es dringend geboten, sich ärztlich untersuchen zu lassen. "Es gibt ja auch noch andere Krankheiten außer Covid-19."

1000 Testungen durchgeführt

Seit der Allgemeinverfügung hat das Gesundheitsamt 1000 Testungen durchgeführt. Einige der Menschen, die sich 14 Tage in Quarantäne befanden, hätten erst am letzten Tag ein positives Ergebnis gezeigt. "Wenn Personen in Quarantäne kommen, werden sie am ersten Tag und dann nochmals am Tag fünf bis sieben getestet", erklärte Fiedler. Sollte die Person dann am Ende der Quarantäne Symptome entwickeln, werde erneut getestet.

Für die erste der sieben Schulklassen, die in Quarantäne geschickt wurden, läuft diese Phase in dieser Woche aus - am Donnerstag darf die erste Klasse zurück in ihre Schule gehen. "Erste Lehrer sind ebenfalls bereits zurück, sie wurden zwei Mal getestet, waren symptomfrei und erhielten eine Ausnahmegenehmigung, um den Schulbetrieb aufrechtzuerhalten", sagte Camelia Fiedler.

Zum Abschluss des Pressegespräches bedankte sich Landrat Söllner noch bei den Fußballvereinen im Landkreis und sagte explizit: "Wir konnten am Wochenende aufgrund der rückläufigen Zahlen Sportveranstaltungen unter Auflagen wieder zulassen, und unsere Vereine haben uns nicht enttäuscht."

Blick nach Bayreuth

Aktuell sind im Landkreis Bayreuth drei und in der Stadt Bayreuth 21 Personen nachweislich mit dem Corona-Virus CoV-2 infiziert. Seit Ausbruch der Pandemie wurden insgesamt im Landkreis 448 und in der Stadt Bayreuth 257 Personen positiv auf dieses Corona-Virus getestet. 37 Patienten sind bisher an den Folgen der Infektionskrankheit Covid-19 verstorben. Als genesen gelten 418 Personen aus dem Landkreis und 226 aus der Stadt.