Die oberfränkische Bankenlandschaft gerät wieder in Bewegung. Sind es vor zehn Jahren die Sparkassen gewesen, die durch Fusionen von Kulmbach und Kronach sowie von Coburg und Lichtenfels Schlagzeilen gemacht haben, so machen derzeit die Volks- und Raiffeisenbanken von sich reden: Die Genossenschaftsbanker in Bayreuth und Hof wollen nächstes Jahr den Zusammenschluss vollziehen. Entstehen würde die größte VR-Bank Oberfrankens mit einer Bilanzsumme von 2,2 Milliarden Euro. Deren Geschäftsgebiet reicht dann von Plauen im Norden bis Plech im Süden.


Niedrigzinsen und Regulierung

Was sind die Gründe für die angestrebte Fusion? Hier wird vor allem der Kostendruck durch die Niedrigzinsen genannt, der zunehmende Wettbewerb und der steigende Regulierungsdruck.
Nach Ansicht beider Vorstände steht die gesamte Bankenbranche angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen vor gravierenden Herausforderungen und Veränderungen.

Was sagen die örtlichen Genossenschaftsbanken dazu, dass in der Nachbarschaft ein VR-Riese entsteht? Wie sehen sie ihre eigene Zukunft?

In der Analyse der Problemlage stimmen die Kulmbacher mit den Kollegen aus Bayreuth und Hof überein. "Das durch die Politik der Europäischen Zentralbank ausgelöste Niedrigzinsniveau und die immer mehr zunehmende und undifferenzierte Regulatorik stellen gerade mittelständisch geprägte Banken vor große Herausforderungen", erklärt Stephan Ringwald von der Kulmbacher Bank. Hinzu komme eine verändertes Kundenverhalten aufgrund der Digitalisierung und die demographische Entwicklung in unserer Region.


"Zwei Jahre lesen"

Für die Regulierungswut hat Karl-Heinz Schneider von der Raiffeisenbank Thurnauer Land ein plakatives Beispiel. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen seien für die kleinen Institute ein Riesenproblem "und neben dem normalen Tagesgeschäft kaum mehr zu bewältigen". Allein das Basel III-Abkommen mit 4000 Verordnungen habe 36 000 Seiten: "Wer das durchlesen will, braucht zwei Jahre - darf aber nicht schlafen."

Ralph Goller von der Raiffeisenbank Oberland kritisiert die Bankenaufsicht. Neben Groß- und Direktbanken, die 2008 die Finanzkrise verursacht hätten, würden auch regionale Geldinstitute belastet, die sich in der Krise verdient gemacht hätten.


Marktleugast will nicht fusionieren

Der Marktleugaster Vorstand ist überzeugt davon, dass seine Bank für die Zukunft sehr gut aufgestellt und ausgerichtet ist. So habe man in Marktleugast mit der Übernahme der Hofer VR-Filiale eine Marktbereinigung durchgeführt und den Marktanteil deutlich gesteigert. "Wir halten an unserer Eigenständigkeit fest und sehen in absehbarer Zeit keine Notwendigkeit, uns anderen Banken durch eine Fusion anzuschließen", betont er.

Aus Sicht der Kulmbacher Bank, so Ringwald, seien Fusionen und größere Einheiten nicht grundsätzlich Garanten für Prosperität. "Als größtes genossenschaftliches Kreditinstitut der Region" sei man aber offen für Gespräche mit benachbarten Instituten, um Vorteile strategischer Optionen auszuloten. "Konkrete Pläne über Zusammenschlüsse gibt es bei uns derzeit nicht."


Noch die Genossenschaftsidee?

Der Thurnauer Vorstand bezweifelt, dass die geplante Fusionsbank Bayreuth-Hof noch die Genossenschaftsidee verkörpert: Nähe zum Kunden, Vertrauen, Flexibilität, Schnelligkeit - "das gibt's dann nicht mehr". Die Daseinsberechtigung seines kleinen Instituts leitet er allein schon aus dem starken Wachstum von über 30 Prozent in den vergangenen fünf Jahren ab. Trotzdem, so Schneider, wäre es "fahrlässig, gar nicht darüber nachzudenken, was in der Zukunft passiert".

Er rechnet damit, dass sich in seinem Haus "in den nächsten fünf Jahren" etwas tut. "Bei dem, was alles von uns gefordert wird", werde es mittelfristig wohl nicht möglich sein, selbstständig zu bleiben. Eine Fusion hätte enorme Auswirkungen für die Gemeinde Thurnau: Der größte Steuerzahler weg, und den Vereinen würden jährlich 20 000 Euro Spenden fehlen.


Kein Kommentar

Keine Stellungnahme gibt es von der Raiffeisenbank Obermain Nord. Vorstandsmitglied Ulrich Klein lässt ausrichten, dass man dazu nichts sagen möchte.



Geschäftszahlen

Kulmbacher Bank
Bilanzsumme 703,6 Mio Euro
Spareinlagen 204,4 Mio Euro
Kreditvolumen 279,4 Mio Euro
Mitarbeiter 160
Geschäftsstellen 20
Mitglieder 18 308

Raiffeisenbank Obermain Nord
Bilanzsumme 726 Mio Euro
Spareinlagen 178 Mio Euro
/>Kreditvolumen 269 Mio Euro
Mitarbeiter 147
Geschäftsstellen 14
Mitglieder 11 960

Raiffeisenbank Oberland
Bilanzsumme 115 Mio Euro
Spareinlagen 97,3 Mio Euro
Kreditvolumen 38,9 Mio Euro Mitarbeiter 34
Geschäftsstellen 6
Mitglieder 3193

Raiffeisenbank Thurnauer Land
Bilanzsumme 99,5 Mio Euro
Spareinlagen 88 Mio Euro
Kreditvolumen 44 Mio Euro
Mitarbeiter 17
Geschäftsstellen 5
Mitglieder 2500