Sie erinnern sich: Man musste den ungeliebten Weg ins Bekleidungsgeschäft antreten - und zwar nicht, weil man der Überzeugung war, es sei an der Zeit für ein neues Beinkleid. Nicht doch! Weil die Ehefrau zu Hause (oder wahlweise die Mutter) beim Blick auf die getragenen Hosen unmissverständlich zeterte: "Diesen Fetzen ziehst Duuuu mir nicht länger an!"

Dann war man verloren inmitten dieser Welt, in die man so wenig eintauchen mochte wie weiland Odysseus ins Refugium des gestaltlosen Meeresungeheuers Skylla, das sechs seiner Männer fraß. Hier, im Laden, bestanden die Felsen des Grauens aus Regalkilometern an Jeans, Cord- und Manchesterhosen, mal unten weiter ausgestellt, mal extra-eng. Kaum auf diesem Eiland des Schreckens gestrandet, bog sogleich dieses Karikatur gewordene Abziehbild von Verkäufer um die Ecke und flötete los: "Huch, eine 38, seh' ich gleich." Nein, sah er nicht, wie sich später in der Kabine herausstellte. Egal, Frau Mama/die Gefährtin war entzückt ob dieser Begeisterung für ein Stück Stoff, die "Er", der von daheim mitgeschleifte Ork, nie zu zeigen bereit war. Fünf - ach was: zehn Hosen gab der Reiter der Klamotten-Apokalypse dem Delinquenten mit in die Umkleide. Und selbst wenn die zweite Hose schon gepasst hatte - ES WURDEN GNADENLOS ALLE ZEHN ANPROBIERT!

Nach jedem Wechsel folgte das atemlos hervorgepresste "Zeigdichmalzeigdichmal",

gepaart mit jenem händischen Gezubbel und Gezerre an der eigenen Wenigkeit, das ich - wohl deswegen - bis heute auf den Tod nicht ausstehen kann (und hiermit Amnesty International zur Aufnahme im Folterkatalog vorschlage). Misslaunig blickte die weibliche Begleitung auf die traurige Erscheinung mit den überlangen Beinen vor ihr (die andere perfide Methode, uns Männer zu Blödis zu degradieren) und donnerte: "Warum kannst Du Dich nie grade hinstellen?" Dann mit gekeuchter Fassungslosigkeit an den Schnösel zur Rechten gewandt: "Nie kann er sich grade hinstellen, glauben Sie das?" Er glaubte es und sagte das auch noch laut und in Tateinheit mit diesem sardonischen Grinsen (ungelenkes Lächeln ohne Anlass, müssen Sie jetzt nicht googeln). Und Sie? Überlegten still feixend, wen sie in welcher Reihenfolge und mit welcher Hose strangulieren. Ich wache davon heute noch schweißgebadet auf.

Nun musste ich mir widerwillig eingestehen: Verdammt Junge, Du brauchst eine Hose! Es musste sein nach all den Äonen. Der Bund der einzig passenden in meinem Besitz vermag der Üppe umme Hüfte nur ungenügend Herr zu werden. Ich tat also was? Nein, kein Laden, kein Onlinehandel. Richtig: Ich ließ mir fünf Jeans mitbringen. Von meiner Mutter. Nach Hause. Eine passte, vier gingen

retour. So geht shoppen. Danke, Mama!