Der erste Advent steht vor der Tür. Eigentlich müsste das Weihnachtsgeschäft brummen, die Innenstadt voll sein. Die Realität in Kulmbach sieht anders aus. Am Mittwoch wurden die Verlängerung des Teil-Lockdowns und schärfere Hygienebestimmungen beschlossen. Das alles verdirbt den Menschen offenbar die vorweihnachtliche Kauflaune. Und wie ist die Stimmung bei den Händlern?

Uwe Windisch braucht nur einen Blick aus seinem Optiker-Geschäft zu werfen, und er sieht den maximal halb vollen Eku-Parkplatz. Zum Abend hin steht dort fast gar kein Auto mehr, erzählt er - und das, obwohl die Tiefgarage nach dem Brand immer noch gesperrt ist. "Die Leute kommen einfach nicht mehr so in die Innenstadt", sagt Windisch, der im Vorstand der Händlervereinigung "Unser Kulmbach" ist. Natürlich sei das von Branche zu Branche sehr unterschiedlich. "Bekleidungsgeschäfte zum Beispiel haben sicher mehr Probleme. Im Home-Office reicht ja auch der Jogging-Anzug", so Windisch.

Die Menschen seien verunsichert und trauten sich nicht mehr so raus, habe er das Gefühl. Noch dazu hätten ja keine Gaststätten geöffnet, und Veranstaltungen gebe es auch nicht. Das alles sei "absolut schädlich für den Einzelhandel". "Die Umsätze, die jetzt nicht gemacht werden, werden auch nicht nachgeholt." Das Geschäft wandere mehr und mehr in den Online-Handel ab, der sich derzeit mit Rabatt-Aktionen geradezu überschlage. An alle, die auch für die Nach-Corona-Zeit noch eine lebendige Innenstadt mit Geschäften wollen, appelliert Uwe Windisch eindringlich, den örtlichen Einzelhandel zu unterstützen, in die Stadt zu gehen und lokal einzukaufen.

Dass dies immer noch einige Menschen tun, diese Erfahrung hat Christine Friedlein von der Buchhandlung Friedrich gemacht. Natürlich gebe es mehr Online-Bestellungen als früher, und auch der Lieferservice sei stärker gefragt, "aber es kommen schon auch noch Leute in den Laden". Und die hielten sich vorbildlich und gerne an alle nötigen Hygiene-Vorschriften. Jammern bringe nichts, denn das ändere die Situation nicht. "Wir sollten achtsam und vorsichtig miteinander umgehen", so Christine Friedlein.

Wieder mit Security

Ein Kompliment macht den Kulmbacher Kunden auch Jutta Hollweg, Geschäftsführerin des Rewe-Markts in der Lichtenfelser Straße: "Unsere Kunden sind bisher sehr friedlich, lieb und nett." Sie hofft, dass das auch so bleibt, wenn die Hygiene-Maßnahmen jetzt verschärft werden. Bei einer Vorgabe von einem Kunden auf 20 Quadratmetern Verkaufsfläche (für Geschäfte ab einer Größe von 800 Quadratmetern), dürfen bei ihr ab 1. Dezember dann nur noch etwas mehr als 100 Menschen gleichzeitig einkaufen. Um die Umsetzung gewährleisten zu können ("Wir haben uns da im Vorfeld schon Gedanken gemacht, denn es war ja abzusehen, dass was kommt"), werden entsprechende Hinweis-Schilder aufgestellt, die Zahl der Einkaufswägen und -körbe wird entsprechend reduziert, und es werden wie beim ersten Lockdown wieder Security-Mitarbeiter im Einsatz sein, die das alles und die Maskenpflicht auf dem Parkplatz im Auge behalten.

Diese zusätzlichen Einschränkungen gerade in der Zeit des Weihnachtsgeschäfts sei eine echte Härteprobe für den Handel. "Das wird schon heftig", sagt Jutta Hollweg. Sie hofft auch weiterhin auf die Vernunft ihrer Kunden, auch wenn sie in der letzten Zeit schon festgestellt hat, dass es die Menschen mit dem korrekten Tragen der Maske (also auch über der Nase) nicht mehr ganz so genau nehmen.

Und auch das Einkaufsverhalten habe sich geändert. "Wir verzeichnen seit vier Wochen einen starken Umsatzzuwachs." Offenbar fürchteten viele Menschen, kurz vor Weihnachten vor leeren Regalen zu stehen, und decken sich jetzt schon mit haltbaren Dingen ein. Eine unbegründete Angst, meint Jutta Hollweg, denn die Handelszentralen, Logistiker und Filialen seien entsprechend vorbereitet und hätten zum Beispiel zusätzliche Lagerkapazitäten geschaffen. Denn eines ist auch klar: Solange es keinen üblichen Gastronomie- und Veranstaltungsbetrieb gibt, "brauchen die Leute ja auch mehr für Zuhause".