Es ist Montagnacht. Um 1.30 Uhr hat der Lastzug der Strullendorfer Spedition Pflaum die Autobahnausfahrt Neudrossenfeld passiert und fährt im Baustellenbereich der Autobahn 70 Richtung Autobahndreieck Bayreuth/Kulmbach. Er transportiert Obst, gekühlte Lebensmittel und so genannte Aktionsware - vom Bürostuhl bis zum Haustier bedarf - für die nächste Woche. Bestimmt ist die Ladung für dem Norma-Markt in Stadtsteinach. Doch sie wird ihr Ziel nicht erreichen.

Fahrer und Beifahrer können sich retten

Nicht weit von der Autobahnbrücke bei Schwingen beginnt der Laster zu brennen. Nach Angaben der Polizei ist offenbar ein heißgelaufener Reifen, der schließlich Feuer fängt, die Brandursache. Der 38-jährige Fahrer und sein 30-jähriger Beifahrer können rechtzeitig das brennende Fahrzeug verlassen und bleiben unverletzt.

Die Polizei sperrt die beiden Fahrbahnen im Baustellenbereich. Als die Rettungskräfte gegen 2 Uhr eintreffen, brennt der Laster bereits lichterloh. Sie müssen über die eingerichteten Notzufahrten an der Brandort heranfahren. "Als wir kamen, stand der Laster schon in Vollbrand. Der war nicht mehr zu retten. Aber wir konnten verhindern, dass die Flammen auf den Anhänger übergreifen", berichtet der Kommandant der Drossenfelder Feuerwehr, Markus Schirmer, der zusammen mit Kreisbrandmeister Thomas Hofmann den Einsatz leitet. Weil auch viel Plastik brennt, kann die Feuerwehr nicht ohne Atemschutzausrüstung arbeiten. Schirmer: "Wir hatten sechs Trupps im Einsatz, also zwölf Leute. Die mussten ständig durch gewechselt werden, weil eine Sauerstoffflasche nur zirka 20 Minuten hält."

Zeitweise sind 80 Feuerwehrleute am Brandort, zirka 1,5 Kilometer von Unterbrücklein entfernt, im Einsatz. Sie kommen aus Alt- und Neudrossenfeld, Thurnau, Bindlach, Kulmbach, Lanzendorf und Bad Berneck. Die Feuerwehr sucht immer wieder nach Glutnestern. Das Technische Hilfswerk Kulmbach, angerückt mit 15 Mann, leuchtet die Unglücksstelle aus und räumt mit dem Radlader den Brandschutt weg, so THW-Einsatzleiter Matthias Goletz.

Schaden: 100.000 Euro

Während der Bergung des Lkw mit einem Kran der Firma Auto Klug wird die unversehrte Ladung von dem Anhänger auf ein Ersatzfahrzeug umgeladen. Die Polizei schätzt den Gesamtschaden auf 100.000 Euro.
Die letzten Helfer rücken erst vormittags um 9 Uhr ab, um hinterher noch auf die Arbeit zu gehen. "Da hatten wir schon eine komplette Nachtschicht hinter uns", so Markus Schirmer, der mit etwas Verspätung beim Stadtbauhof Bayreuth eintrifft.

Die Polizei leitet den Verkehr auf die A70 Richtung Bamberg bereits auf der A9 ab. Das führt auf den Umleitungsstrecken zwischen Himmelkron, Untersteinach und Kulmbach sowie auf der B85 zwischen Bayreuth und Kulmbach teilweise zu Behinderungen, besonders im morgendlichen Berufsverkehr.

Fahrbahnbelag wird abgefräst

Die Autobahn bleibt noch bis 11 Uhr in beiden Richtungen gesperrt. Bevor sie für den Verkehr freigegeben wird, prüfen Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Thurnau die Straßenschäden. "Bei Temperaturen von 700 bis 800 Grad wird das Bindemittel Bitumen aus dem Asphalt rausgeschmolzen", so Stefan Pfeiffer. Dadurch wird die Oberfläche rau und der Fahrbahnbelag bröckelt. Er geht davon aus, dass das 3,5 x 20 m große Straßenstück noch diese Woche abgefräst und neu asphaltiert wird. "Die Löcher haben wir mit Kaltmischgut provisorisch geflickt, das hält jetzt", sagt der Leiter der Autobahnmeisterei Thurnau und betont: "Der Notfallplan der Rettungskräfte hat sehr gut funktioniert."