Es sind fast fünf Hektar in bester Innenstadtlage, um die es ein zähes Ringen gegeben hat - ein gewaltiges, seit vielen Jahren brachliegendes Grundstück, das nun für ein für die Stadt Kulmbach bedeutendes Projekt genutzt wird. Seit Donnerstagmittag steht fest: Auf dem Güterbahnhofsareal wird der Campus der Siebten Fakultät der Universität Bayreuth errichtet.

Dem großen Ziel ein Stück näher

Der Freistaat Bayern erwirbt für das Neubauvorhaben eine rund 36 000 Quadratmeter große Fläche, die bis dato im Besitz der Kulmbacher Brauerei ist, sowie das städtische Grundstück an der Hans-Hacker-Straße. Der Haushaltsausschuss des Landtags hat dafür gestern in nichtöffentlicher Sitzung die Finanzmittel freigegeben. Die Freude war groß, als die Nachricht aus München kam. Dass die Standortfrage geklärt ist, wertet die Uni selbst als einen Meilenstein. "Diese Entscheidung bringt uns unserem Ziel, den geplant 1000 Studierenden, 22 Professoren und 150 Mitarbeitenden der neuen Fakultät in Kulmbach auch räumlich beste Bedingungen zu schaffen, einen großen Schritt näher", stellte Präsident Stefan Leible fest. Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) sagte nach der Sitzung: "Kulmbach ist der ideale Standort für die lebenswissenschaftliche Fakultät der Universität Bayreuth, denn die Stadt ist ein echtes Zentrum für Lebensmittel und Ernährung. So ergibt sich eine tolle Win-Win-Situation: Sowohl die Universität als auch die gesamte Region Oberfranken profitieren von dem neuen Hochschulangebot."

"Ein idealer Standort"

"Der ehemalige Güterbahnhof ist mit seiner innerstädtischen Lage ein idealer Standort für die Fakultät. Aufgrund der Größe des Grundstücks kann dem Wunsch einer Ein-Campus-Lösung entsprochen werden, sodass die Fakultät optimal untergebracht werden kann", betonte Bauministerin Kerstin Schreyer (CSU).

"Neuer Motivationsschub"

Von einem "neuen Motivationsschub" sprach Uni-Kanzlerin Nicole Kaiser: "Nun können wir mit der Planung eines Neubaus fortfahren. Wir wissen nun, dass wir tolle Entwicklungschancen für Forschung und Lehre bekommen." Die enge Vernetzung mit Partnern aus dem Bereich Lebenswissenschaften und Lebensmittel könne an diesem zentralen Standort ideal gelebt werden. Gründungsdekan Stephan Clemens hat die Diskussion im Landtag verfolgt: "Wir hatten die Gelegenheit, unsere Pläne den Abgeordneten vorzustellen und haben äußerst positives Feedback bekommen", sagte er. "Jetzt sind endlich die rechtlichen und politischen Voraussetzungen geschaffen, um auf dem eingeschlagenen Weg zügig voranzuschreiten."

So geht es weiter

Die Uni strebt eine "beispielhafte Bebauung und Freiflächenplanung mit möglichst verkehrsarmer Erschließung" an. Bevor aber die Bagger anrollen und der Grundstein gelegt werden kann, ist noch viel zu tun. Was genau, das regelt die Richtlinie für die Durchführung von Hochbauaufgaben des Freistaats Bayern. Ist der Grundstückserwerb auch notariell vollzogen, wird die Bearbeitung der nächsten Schritte unverzüglich veranlasst. Dann muss zuerst der Projektantrag durch die Universität auf Grundlage des bereits genehmigten und gegebenenfalls fortzuschreibenden Raumbedarfsprogramms mit Unterstützung des Staatlichen Bauamts und der Regierung von Oberfranken erarbeitet werden.

Wann die ersten Vorlesungen stattfinden?

Zwei Bauabschnitte sind derzeit geplant, wie aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren war. Eine Aussage über den Realisierungszeitraum wird nicht gegeben. Bis die ersten Vorlesungen auf dem Güterbahnhofsareal stattfinden, könnte durchaus noch ein Jahrzehnt vergehen.

Gestern war aber erst einmal Grund zur Freude. Auch im Rathaus. "Heute wurde die Basis für die Errichtung eines Universitätscampus am alten Güterbahnhof gelegt. Wir können nun voller Tatendrang in die Zukunft blicken", sagte OB Ingo Lehmann (SPD). Der Freistaat Bayern und die Stadt Kulmbach haben auch eine gemeinsame Erklärung zur weiteren Entwicklung der Fakultät für Lebenswissenschaften unterzeichnet.

Das sagt die Brauerei

Der Vorstandssprecher der Brauerei, Markus Stodden, erklärte: "Wir freuen uns sehr, dass nun von den Gremien die nötigen Gelder freigegeben worden sind, die das für Kulmbach zukunftsweisende Projekt einen großen Schritt weiterbringen werden.Wir hoffen, dass vor diesem Hintergrund die Verkaufsverhandlungen mit der Imby Anfang 2022 zu Ende gebracht werden können."

"Ein Leuchtturmprojekt"

Erleichtert waren auch die Landtagsabgeordneten. "Was lange dauert, wird gut. Ich freue mich sehr, dass der Haushaltsausschuss grünes Licht für den Kauf des Grundstückes erteilt hat", sagte Inge Aures (SPD). Rainer Ludwig (FW) pflichtete ihr bei: "Ich bin höchst erfreut über den Ausgang der heutigen Sitzung. Es ist ein großer Tag für Kulmbach." Der Campus werde ein "Leuchtturmprojekt". Auch Martin Schöffel (CSU) sieht in der Entscheidung aus München einen Meilenstein. "Jetzt muss es Schritt für Schritt vorangehen, um der dynamisch wachsenden Fakultät auch eine Perspektive für neue Räume geben zu können."

Schramm: Mühen zeigen Früchte

Bezirkstagspräsident und Altoberbürgermeister Henry Schramm (CSU) zeigte glücklich. "Unsere langjährige, intensive Überzeugungsarbeit, Gespräche sowie die vielen Fahrten nach München tragen Früchte - der Kauf des Grundstückes durch den Freistaat bietet eine Riesenchance für unsere Stadt."