Der Schrein im Wirsberger "Posthotel" ist quasi schon bereitet. Zwischen den vier Sieger-Trophäen bei der Sat1-Kochshow "The Taste" (die fünfte wurde, wie der Franke sagen würde, vor wenigen Tagen ums "A...lecken" verpasst), dem Schild mit der Aufschrift "Gastro Stern Award 2019" (was indirekt für den zweiten Guide-Michelin-Stern steht) und dem Erinnerungstaler von Kabarettistin Luise Kinseher alias "Mama Bavaria" macht er sich seit gestern gut: der Frankenwürfel. Eine Auszeichnung, die Alexander Herrmann besonders freut, wie er sagt, denn: "Dafür kann man nicht streiten - dafür muss man von einer unabhängigen Jury als würdig erachtet werden, und das ist nochmals ein ganz anderes Kaliber. Umso mehr schätze ich gerade diese Ehre."

Corona-bedingt nahm der 50-Jährige die Ehrung gestern im kleinen Kreis aus den Händen von Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz entgegen. Ihr Lob teilte sie in die Kategorien kulinarisch und menschlich. "Der Fränkische Schiefertrüffel gehört zu den heimlichen Stars der regionalen fränkischen Küche. Von dieser Köstlichkeit ist es nicht weit zur Sterneküche von Alexander Herrmann, der ihn zu einem wahren Kultprodukt gemacht hat - sei es in der Bratwurst, als Süppchen oder raffinierte Paté." Menschlich besteche der Geehrte durch seine Vielseitigkeit, Beharrlichkeit, Standhaftigkeit, Beweglichkeit und seine Heiterkeit - alles Eigenschaften also, wie sie Max von Aufseß mit den begriffen "wendig, witzig und widersprüchlich" als Markenzeichen des "Gewürfelten Franken" definiert hatte.

"Herz am rechten Fleck"

"Und nicht zu vergessen: seine bewundernswerte Schlagfertigkeit", ergänzte Landrat Klaus Peter Söllner, der zugleich für die Genussregion Oberfranken gratulierte. "Ich habe selten eine geeignetere Person für den Frankenwürfel erlebt als unseren Alexander Herrmann. Und wenn ich sage ,unseren', dann ist das genauso gemeint." Herrmann sei ein Vertreter des Ortes, des Landkreises und der Region par excellence, der hier nach wie vor verwurzelt sei und sich zu seiner Herkunft und Heimat nicht nur bekenne, sondern sie in bester Manier auch in der medialen Öffentlichkeit präsentiere, "weil er das Herz am rechten Fleck trägt". Der Sternekoch gehöre nun zum illustren Kreis der "Gewürfelten" und habe diese Auszeichnung durch sein vielfältiges Wirken absolut verdient. Söllner überreichte Herrmann eine spezielle Umhängetasche. "Da bassen ja zwa Seidla nei", erkannte der Beschenkte gleich.

Eigentlich hätte Herrmann den Preis bereits im vergangenen Jahr erhalten sollen, aber wie gesagt: Corona machte auch hier einen Strich durch die Rechnung - wie der gesamten Gastro-Branche, die unter den Zwangsschließungen im Lockdown schwer zu leiden hatte. "Ich habe in dieser schwierigen Phase auch selten ein Blatt vor den Mund genommen. Es ging darum, für meine Kolleginnen und Kollegen, aber genauso für meine Mitarbeitenden Flagge und Haltung zu zeigen", gestand der 50-Jährige. Manchmal sei es jedoch sinnvoller gewesen, am Tag nach einem öffentlichen Auftritt, etwa in einer Talkrunde wie "Hart aber fair" in der ARD, nicht in die Kommentarspalten der sozialen Netzwerke zu blicken.

Mehrere Standorte

Herrmann ist nicht nur durch sein Restaurant "Alexander Herrmann by Tobias Bätz" am Heimatstandort in Wirsberg vertreten, sondern betreibt auch Dependancen in Nürnberg: seit 2009 den "Palazzo" und seit 2017 das "Imperial" (zum gleichen Haus gehört das "Fränk'ness"). Einer breiten Öffentlichkeit wurde er unter anderem durch die Sendungen "Kerners Köche" und "Lanz kocht" im ZDF bekannt. Seit 2013 mischt er als Coach und Juror bei "The Taste" mit, im Bayerischen Fernsehen läuft seine Sendung "Aufgegabelt". Aufgrund seines Äußeren wird er bisweilen als "George Clooney der Sterneküche" betitelt.

Die Preisträger 2021

Die Vergabe des Frankenwürfels an die drei Preisträger erfolgte coronabedingt dezentral in den jeweiligen fränkischen Regierungsbezirken. Neben Alexander Herrmann (Oberfranken) ging die Auszeichnung an die Landwirtin Ute Leyh (Rentweinsdorf/Unterfranken) und den früheren Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly. Der Preis wird traditionell am 11. November verliehen, dem Namenstag des Heiligen Martin, der das Frankenreich missionierte. Die Vergabe fand zum 36. Mal statt.