Einmal war es die große Liebe, dann gab es wieder heftigsten Streit, bis die Fetzen flogen. Weil ein 30 Jahre alter Mann seine sechs Jahre ältere Lebensgefährtin im Januar gehörig vermöbelt hatte, muss er sich jetzt vor dem Amtsgericht verantworten.


Längst wieder versöhnt


Das Paar hat längst vergessen, sich vergeben und versöhnt. Doch so einfach ist das nicht. Ist die Sache erst einmal aktenkundig und bejaht die Staatsanwaltschaft das öffentliche Interesse, dann geht die Justiz der Geschichte auch nach. Und zwar mit aller Konsequenz, was bedeutet, dass die Verhandlung erst einmal vertagt wurde, weil ein Mediziner zur Schuldfähigkeit des Angeklagten vernommen werden soll.


Ganz ohne Grund geschah dies freilich nicht, denn der Angeklagte hat eine offene Bewährung, was wiederum bedeutet, dass er im Falle einer Verurteilung unter Umständen ins Gefängnis muss.

Am Abend des 22. Januar dieses Jahres hatte der Angeklagte die Frau an den Haaren gepackt, sie auf eine Couch gestoßen, gewürgt und mit Fäusten auf sie eingeschlagen. Das Ergebnis: Die 36-Jährige klagte über starke Schmerzen, litt stundenlang unter heftigen Schluckbeschwerden und hatte eine Beule am Kopf.


"Kein aggressiver Mensch"


Zum Prozessauftakt räumte der Angeklagte seine Taten ohne Umschweife ein. Er sei "nicht unerheblich betrunken" gewesen, ließ er über seinen Verteidiger Karsten Schieseck aus Bayreuth verlautbaren.

Tatsächlich hatte er über 1,4 Promille Alkohol im Blut, weil er zuvor mit Arbeitskollegen einen Geburtstag gefeiert hatte. Er sei kein aggressiver Mensch, und schon gar nicht gegenüber Frauen, sagte der Angeklagte. Das Ganze habe sich damals hochgeschaukelt, es solle nie wieder vorkommen.

Auch für die Lebensgefährtin war die Sache aus dem Ruder gelaufen. Sie räumte in ihrer Zeugenaussage ein, dass sie den Angeklagten zuvor mit einem Messer bedroht hatte und der sich, wahrscheinlich bei einer Abwehrbewegung, eine Handverletzung zuzog. Die rote Flüssigkeit auf den Beweisfotos der Polizei sei allerdings kein Blut, sondern Haarfarbe. Sie sei gerade dabei gewesen, sich die Haare zu färben. "Keiner führt eine Bilderbuchbeziehung", sagte sie noch und wollte damit die Tatsache verteidigen, dass sie den Strafantrag wieder zurückgezogen hatte.


"Blut" war nur Haarfarbe


Trotzdem war der zuständige Polizeibeamte beim Betreten der Wohnung in einem Mehrfamilienhaus zunächst heftig erschrocken, weil er dachte, alles sei voller Blut. "Die Wohnung sah aus, wie ein einziges Schlachtfeld", sagte der Beamte aus Kulmbach. Er wusste auch von früheren Auseinandersetzungen des Paares. Seitdem sei allerdings nichts mehr vorgefallen.

Problem für den Angeklagten waren die fünf Vorstrafen der vergangenen Jahre, mehrfach wegen Drogendelikten, aber auch wegen einer Körperverletzung, wegen Beleidigung und Diebstahls. Zuletzt wurde er 2011 zu elf Monaten verurteilt, einen Teil dieser Strafe musste er absitzen, ehe er anschließend wegen seiner Abhängigkeit in eine geschlossene Entziehungsanstalt umzog. Die Reststrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt - und genau diese Bewährung ist derzeit offen.

Eine neue Bewährungsstrafe kam für die Staatsanwaltschaft deshalb auch nicht mehr in Betracht. Verteidiger Schieseck regte deshalb das Einholen eines Gutachtens zur Schuldfähigkeit seines Mandanten an.

Auch der Frage nach Würgemalen am Hals der Frau soll noch einmal nachgegangen werden. Die Verhandlung wird fortgesetzt.