Auf Länderebene sind sie schon in den Parlamenten präsent, auf Bundesebene nehmen die Freien Wähler (FW) Bayern im Herbst den zweiten Anlauf, um Abgeordnete nach Berlin zu schicken. Daher kürte man am Mittwochabend in einer kurzen, coronagerechten Zeremonie den Kandidaten aus dem Wahlkreis Kulmbach/Lichtenfels/ Bamberg Land.

Einstimmig nominiert

Und bei der Nominierungsversammlung in der Neudrossenfelder Ausstellungshalle gab es eine klare Meinung: Alle Stimmen fielen auf Jochen Bergmann aus Neudrossenfeld, der mit einer starken Unterstützung im Rücken in den Wahlkampf ziehen kann. Der 31-jährige gebürtige Bayreuther, seit seiner Jugend in dem Dorf im Rotmaintal aufgewachsen und dort wohnhaft, ist ein engagierter Mann, der seit Frühjahr 2020 im Gemeinderat Neudrossenfeld sitzt, im Jugendhilfeausschuss des Landkreises Kulmbach mitarbeitet und das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden sowohl der DLRG Kulmbach und als auch der Deutschen Polizeigewerkschaft Bayreuth bekleidet.

Der verheiratete Kriminalbeamte mit zwei Kindern ist in der Drogenprävention eingesetzt, hat schon vorher viel Menschenerfahrung als Polizist im Streifen- und Schichtdienst sowie bei Demonstrationen sammeln können. Als Dozent an verschiedenen Bildungseinrichtungen ist er ebenso tätig.

Der FW-Bundestagskandidat sagte nach seiner Nominierung, dass er stets mit Optimismus nach vorne schaue und etwas bewegen wolle. Es gebe eine Menge von Problemen zu lösen. "Es ist Zeit, die Ärmel hochzukrempeln und anzupacken, dazu möchte ich meinen Beitrag leisten", sagte Bergmann. Er lebe gerne in Oberfranken und wolle für die Menschen der Region unterwegs sein, sie lägen ihm am Herzen.

"Er ist der richtige Mann"

"Die Freien Wähler sind auf Länderebene klar im Aufwind, warum sollten wir dies nicht auf ganz Deutschland projizieren können", gab sich Bergmann zuversichtlich. "Ich bin auch ein Typ, der mal schimpfen kann, wenn Änderungen nötig sind, aber es muss sich lohnen und zum Erfolg führen", sagte er.

Detaillierte politische Aussagen will Bergmann in späteren Veranstaltungen kommunizieren, wenn es die Pandemielage wieder zulässt.

Viel Rückenwind

Viel Rückenwind bekam der neu Gewählte vom Kulmbacher FW-Kreisvorsitzenden Rainer Ludwig. Der Landtagsabgeordnete nannte ihn einen Sympathieträger, der von der Basis komme, "er ist der richtige Mann". Bergmann sei fleißig, verantwortungsbewusst, vereine Beruf, Familie, Politik und Gesellschaft. "Wir wollen ihm Flügel verleihen, damit er nach Berlin fliegt", so Ludwig, der deutlich machte, dass die Präsenzveranstaltung nur deswegen durchgeführt worden sei, weil man vor etwa vier Wochen auf stark fallende Inzidenzwerte gehofft habe. "Eine digitale Online-Nominierung war leider kurzfristig nicht mehr realisierbar, wegen der Rechtssicherheit".

Mit einem Blick auf die Wahlen zum 20. Deutschen Bundestag am 26. September meinte der Landtagsabgeordnete, dass sich das Land in einer politischen "Wechselstimmung" befinde. Verantwortlich seien nicht zuletzt die kontroversen Diskussionen über die richtige Strategie zur Bewältigung von Corona. Auch die Maskenaffäre habe die Umfragewerte der Parteien kräftig durcheinandergewirbelt, insbesondere bei der Union, deren Werte massiv eingebrochen seien.

Hochburg Oberfranken

"Das ist für uns Freie Wähler genau die große Chance für einen Überraschungscoup wie vor kurzem bei den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz". Man wolle ambitioniert als Kraft der Mitte auch auf der großen Bühne sichtbar sein.

Und eines mache ihm ebenso Hoffnung, so Ludwig  "Die Freien Wähler in Oberfranken haben Hochburgen und können daher mit Zuversicht in die Zukunft blicken."

Der Bamberger Kreisvorsitzende Georg Kestler lobte Bergmann als eine "authentische Person" und sein Lichtenfelser Kollege Klaus Kasper meinte, "der Kandidat erfülle das FW-Motto "Hand in Hand in Stadt und Land".

Die Versammlung, die Werner Burger leitete, wählte noch Reinhard Baar und Jeannette Bayerlein zu Vertrauenspersonen.