Zu allen Zeiten wurden Orts- oder Stadtgründungen in der Nähe von Fließgewässern bevorzugt. Wasser war lebensnotwendig für Mensch und Vieh. Dass die erste Besiedlung von Mainleus in unmittelbarer Nähe des Maines erfolgte, überrascht daher nicht. Die ersten Siedler, Bauern und Fischer, haben sich spätestens im 14. Jahrhundert im sogenannten Mühlenviertel niedergelassen. Es ist gut vorstellbar, wie die Bauern samt Gesinde in den Sommermonaten nach der schweißtreibenden und staubigen Ernte und die Fischer nach den Angriffen der Stechfliegen Linderung in den Fluten des Mains suchten.

Geburtsstunden des Flussbadens

Badekleidung war den ärmeren Ständen der Bauern und Fischer fremd. Diesem Umstand ist es geschuldet, dass häufig (halb-) nackt und an schwer einsehbaren Uferstrecken gebadet wurde. Dies war oft lebensgefährlich. Der damals wilde Main hatte Untiefen und gefährliche Strömungen, die sich durch Hochwässer und Eisgeschiebe ständig veränderten. Schwimmunterricht war unbekannt. Diese Situation hatte sich bis zum 19. Jahrhundert nicht wesentlich geändert.

Mit dem aufkommenden Bürgertum erschien es notwendig, die Sicherheit und Ordnung des Badespaßes durch die Obrigkeit zu regeln. Am 5. Juli 1920 stellte der Bahnmeister Keltsch den Antrag an den Gemeinderat, "am Main eine Badeanstalt, wenn auch nur den bescheidensten Ansprüchen genügend, errichten zu lassen". Das Ansuchen wurde vertagt. Jedoch hatte der Geheimrat Fritz Hornschuch bereits in diesem Jahr an einer Stelle gegenüber der Mühle für seine weiblichen Büroangestellten einige unbedachte Umkleidekabinen aufstellen lassen.

Badehütte und Badeordnung

Im Jahr 1925 kam der Gemeinderat dem Wunsch vieler Bürger nach und errichtete an der Brunnleite eine Badehütte (Umkleidehalle). Die Eröffnung fand am 4. Juli 1925 statt. Ab sofort durfte nur noch an dieser Stelle gebadet werden. Die Badeordnung sah vor, dass das Baden nur in Badehosen und Badeanzügen erlaubt war und die Einwohnerschaft für die Reinhaltung dieser Anlage zu sorgen hatte.

Der "freie Wassersportverein Mainleus" ließ es sich nicht nehmen, zu den Einweihungstagen ein Schwimmfest zu feiern, das großen Anklang fand.

Der idyllisch gelegene Badeplatz wurde aber 1928 wieder aufgelassen, denn das klare und saubere Wasser des Mains wurde nach dem Bau der Ortskanalisation stark verschmutzt. Seit 1927/28 wurden die Industrie- und Hausabwässer direkt unter der Mainbrücke in den Main geleitet. Dazu kamen die Abwässer der Stadt Kulmbach, die zwischenzeitlich an Menge und Verschmutzungsgrad erheblich zugenommen hatten. Das Flussbaden an der Brunnleite war damit gesundheitsgefährdend.

Fritz Hornschuch als Sponsor

Die Gemeinde kam mit der Spinnerei überein, die Badehalle auf deren Grundstück unterhalb des alten Wehres zu versetzen. Durch die angeschwemmten Geröllmassen des Hochwassers im Februar 1934 wurde aber auch diese Badestelle untauglich.

Die Wassersportabteilung des Turnvereins drängte auf eine Dauerlösung in Form eines ordentlichen Schwimmbades. Auf Nachfrage des Bürgermeisters Beck im Jahr 1934 kam Geheimrat Fritz Hornschuch der Gemeinde entgegen: Er schenkte ihr das Grundstück Nr. 462 am Weg nach Heinersreuth. Für den Bau des Freibades bedurfte es nur noch weniger Arrondierungsflächen. Zudem gewährte Geheimrat Hornschuch einen Zuschuss von 5000 Mark und ein Darlehen von 15 000 Mark.

Die Planung und Oberleitung für den Badbau wurden alsbald dem Architekten Albrecht Gebauer aus Ansbach übertragen, der bereits 1933 mit der Planung des Kulmbacher Freibades beauftragt worden war.

Nach anfänglichen Terminschwierigkeiten des Planers wurde das Kernstück des Bades, das Schwimmbecken mit Ausmaßen von 50 mal 25 Metern, einem umbauten Raum von 2200 Kubikmetern und 1800 Kubikmetern Wasserinhalt, in einer Rekordzeit von sechs Wochen erbaut. Das Bad wurde am 27. Juli 1935 feierlich eingeweiht und trug in Anerkennung der Verdienste des Geheimrats den Namen "Hornschuch-Bad".

Eine exzellente Wasserqualität

Das Bad wurde von zwei Brunnen (ab 1954 waren es drei) gespeist, die durch die Filterwirkung der natürlichen Kies- und Sandschichten eine exzellente Wasserqualität lieferten. Das Bad war bereits damals weit über den örtlichen Bereich hinaus bekannt und beliebt. Der erste Bademeister war Hans Künzel. Er erteilte auch Schwimmunterricht.

Durch Frostaufbrüche und den Druck des Grundwassers wurde das Bassin im Laufe der Jahre undicht. Die Firma Backer, Kulmbach, wurde deshalb 1949 mit einer Generalüberholung beauftragt.

Die Sanierungs- und Verbesserungsarbeiten kosteten knapp 80 000 Mark. Abermals bezuschusste Fritz Hornschuch die Arbeiten mit 10 000 Mark.

1954 wurde der Kantinenbetrieb aus dem Kassen- und Aufenthaltsraum des Bademeisters herausgenommen. 1962 errichtete die Gemeinde eine Unterkunft für die Wasserwacht.

Die zunehmend schlechtere Wasserqualität und die damit verbundenen Reinigungsarbeiten führten häufig zu mehrtägigen Schließungen des Bades in der Hauptsaison. Im Jahr 1963 wurde deshalb die Firma Wasserreinigungsbau Kulmbach mit der Planung und Errichtung einer Umwälzanlage beauftragt. Der Durchsatz der Filteranlage betrug 200 Kubikmeter pro Stunde. Damit konnte der Beckeninhalt in neun Stunden gereinigt werden. Mit dieser rund 113 000 DM teuren Neuerung war die Gemeinde Mainleus anderen Kommunen gegenüber wieder weit voraus.

86 Meter lange Wasserrutsche

32 Jahre später (1995) musste das Freibad wegen seines baulichen und technischen Zustands abermals generalüberholt werden. Die zweijährigen Arbeiten verschlangen rund 8,8 Millionen Mark. Als sichtbare Neuerungen wurden eine 86 Meter lange Großwasserrutsche installiert, das Becken mit einer selbsttragenden Edelstahlkonstruktion und der Kleinkinderbereich mit einem neu gestalteten Planschbecken sowie vielen weiteren Attraktionen versehen. Das Wasser kann mit einer Solarheizung auf angenehme Temperaturen beheizt werden. Die Filterleistung zur Reinhaltung des Badewassers wurde gegenüber 1963 auf mehr als das Vierfache (860 Kubikmeter pro Stunde) erhöht.

Die letzten größeren Investitionen erfolgten in den Jahren 2018/19. Aus Gründen der Verkehrssicherheit wurde die Führung der Radfahrer und Fußgänger getrennt und der Weg zwischen Bad und Parkplatz südlich der Heinersreuther Straße durch eine Fußgänger-Bedarfsampel sicherer gestaltet. Zusätzliche Parkplätze in der Nähe erleichtern das Zu- und Abfahren.Werner Krauss