Bei der ersten Aufführung, die in diesem Frühling im Frankenwaldtheater - wie Wolfgang Martin die alte Schule in Stadtsteinach selbstbewusst umbenannt hat - stattgefunden hat, war die Resonanz verhalten. Doch seit dem zweiten Auftritt des Fränkischen Theatersommers "brummt" der Laden. Alle Veranstaltungen waren ausgebucht - oft schon Tage und Wochen vorher. "Ich bin wirklich sehr zufrieden mit dem Verlauf der ersten Saison. Das Frankenwaldtheater hat sich sehr gut entwickelt - über Mund-zu-Mund-Propaganda", zieht Wolfgang Martin aus Stadtsteinach eine erste Bilanz. Und er gibt offen zu, dass ihm der Verlauf der ersten Saison Mut macht.

Sicherlich ist der Erfolg auf die qualitativ hochwertigen und sehr verschiedenartigen Stücke, die der Fränkische Theatersommer nach Stadtsteinach gebracht hat, zurückzuführen, aber nicht nur. Der Shabby Charme des Frankenwaldtheaters hat seinen eigenen Fankreis und ist Kult geworden.
Gerne schauen die Kulturfreunde die alten Grammophone, die alten Möbel, die uralten Stehlampen, wie manche sie noch aus Großmutters Zeiten kennen, an und lassen sich von dem Reiz des Epochenmix' gefangen nehmen und in seinen Bann ziehen. "Wir werden auch in Zukunft auf den Fränkischen Theatersommer setzen, aber es wird vielleicht auch mal was Zeitgenössisches geben oder eine andere Gruppe kommen", sagt Wolfgang Martin. Und verspricht auch im Oktober noch eine Überraschung.

"Ich freue mich besonders, dass viele Theater- und Kulturfreunde von auswärts kommen. Wir haben sogar Stammgäste aus Pegnitz. Die Stadtsteinacher waren eigentlich am Skeptischsten, aber sie kommen inzwischen auch", freut sich Martin. Tatsächlich plant er immer wieder Neuerungen. So hat Wolfgang Martin für die Pausenverköstigung inzwischen einen zweiten Raum der Schule geöffnet und bietet Bowle-Kreationen und Snacks an. Und die Bowle ist ebenfalls schon Kult.

Altes Schulhaus mit Lichtspielen gekonnt in Szene gesetzt

Als nächstes Projekt plant Martin die Wiedereröffnung des alten Haupteinganges der Schule. Immer wieder investiert er in das alte Gebäude. "Aber die Substanz ist gut. Das Gebäude ist nicht feucht, sondern gut erhalten. Die Möbel sind gebraucht - aber das ist ökologisch", sagt Martin. An der Wand hat er alte Malereien, die offensichtlich mit einer Stempelwalze aufgetragen worden waren, zutage gefördert - wieder ein kleines Detail, das seinen besonderen Reiz versprüht, vor allem bei den Aufführungen, wenn Wolfgang Martin das alte Schulhaus mit Lichtspielen gekonnt in Szene setzt.

Doch eins verspricht der "Theaterintendant" - auch in Zukunft wird das Theater niemals reinweiße Wände und steril werden. Auch wenn immer wieder kleine Renovierungen erfolgen, der Reiz des Alten wird immer bleiben.
Zum Auftakt des Wochenendes brachten Ingrit Gabriel und Eike Domroes die musikalische Komödie "Du sollst nicht lieben" auf die Bühne des Frankenwaldtheaters. Das Stück dreht sich um Liebe. Und da es aus der Feder von Georg Kreisler, dem bekannten österreichischen Komponisten, Sänger, Dichter, Drehbuchautor Georg Kreisler stammt, ist jede Menge Zynismus in dem Stück vorhanden.

Die Hauptrollen spielen Sonja und Lothar. Beide sind auf der Suche nach der großen Liebe. "Man weiß halt nie, wer der Richtige ist, bis man weiß, dass es der Falsche ist", orakelte Sonja kurz vor der Hochzeit. Tatsächlich trennen Jahrzehnte die junge Sonja von dem schon etwas "erfahreneren" Lothar. Und natürlich birgt dieser immense Altersunterschied etliche Probleme - auch und gerade im Bett. Doch immer sorgten die beiden Schauspieler dafür, dass das Publikum so richtig etwas zu lachen hatte.

Musikalische Zwischenspiele

Besonders gut gelungen ist Ingrit Gabriel und Eike Domroes die Einflechtung musikalischer Zwischenspiele. Ob Franz Schuberts (Ungeduld" oder Felix Mendelssohn-Bartholdys "Italienische Sinfonie", ob Wolfgang Amadeus Mozarts "Voi che sapete" oder Ludwig van Beethovens "Mondscheinsonate", ja sogar Giuseppe Verdis "La donna è mobile" oder Piotr Iljitsch Tschaikowskis "Blumenwalzer", kamen in Kreislers Stück zu neuen Ehren. Die musikalischen Zwischenspiele dienten als Trennung zwischen den einzelnen Bildern, manchmal auch als zynische und bitterböse Überleitung oder Bereicherung des Schauspiels. Und vor allem durch die Bekanntheit der Werke bekamen die Stücke, die teils mit Gesang untermalt wurden, ihren besonderen Reiz.

Auch Melodien aus Mozarts Zauberflöte, aus Georges Bizets Ouvertüre zu "Carmen", der "Säbeltanz" von Aram Khachaturian, Bachs "C-Dur-Präludium" oder Pietro Mascagnis "Cavaleria rusticana" so wie viele weitere weltbekannte Melodien brachten Ingrit Gabriel und Eike Domroes in dem Kreisler-Werk gekonnt und mit viel Witz zu Gehör und bauten diese in das Schauspiel ein. Und am Ende sangen dann beide "Ich grolle nicht" - und die Liebe des ungleichen Paares fand im Sanatorium ihr Ende.