Er erkennt den Gimpel, ohne ihn zu sehen, allein an seinem leise plaudernden Gesang, die Blaumeise an ihrem zeternden Schimpfen, wenn sie aufgeregt ist. Die heimischen Vögel haben es Frank Schneider angetan. Für ihren Schutz und die Erhaltung der Artenvielfalt engagiert sich der Kulmbacher im Vorstand der Kreisgruppe des Landesbunds für Vogelschutz. "Die Vögel liegen mir sehr am Herzen, und es macht mir auch viel Freude, sie zu beobachten und ihnen zuzuhören", sagt der 40-Jährige.

Auch seinen Kindern möchte Schneider Freude an der Natur und Verständnis für die Bedürfnisse seiner gefiederten Freunde vermitteln, und da kommen LBV-Aktionen wie die Stunde der Wintervögel ihm sehr gelegen.
Zusammen mit seinen Söhnen Michael (10 Jahre) und Matthias (8 Jahre) wird er an diesem Wochenende auf seinem Gartengrundstück nahe dem Naturschutzgebiet Kessel Ausschau halten, welche Vögel sich zeigen.

Drei Tage Ausschau halten

Ab heute bis einschließlich Sonntag ruft der Landesbund für Vogelschutz nämlich alle Naturfreunde dazu auf, eine Stunde lang die Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park zu zählen und das Ergebnis für eine gemeinsame Auswertung dem LBV zu melden.

Frank Schneider macht schon seit einigen Jahren regelmäßig mit. Warum ist es nötig, die Vögel im Garten zu zählen? "Über unsere Brutvögel wissen wir viel, und um die kümmern wir uns auch schon lange. Aber hinsichtlich der Vögel, die bei uns überwintern, haben wir nur eine sehr kleine Datenbasis." Das soll die Langzeitstudie ändern. So gewinnen die Vogelkundler dadurch auch Erkenntnisse über das Zugverhalten von Vögeln, das von Klima- und Umweltbedingungen und dem Nahrungsangebot beeinflusst wird.

Kein Grund zur Freude

Im Winter finden sich Vögel im Garten ein, die zu anderen Jahreszeiten nur auf dem freien Feld oder im Wald anzutreffen sind. Statt der Hausspatzen sind viele Haussperlinge im Garten, und wenn es richtig kalt ist, zieht es auch vermehrt Goldammern in die Stadt, weiß Frank Schneider. "Grund zur Freude ist das aber nicht, sondern eigentlich ein schlechtes Zeichen, denn es zeigt, dass die Nahrung in der Agrarlandschaft fehlt. In der der intensiven Landwirtschaft fällt kaum mehr ein Korn zu Boden, das die Vögel aufpicken könnten. Und das Wenige, das auf den Feldern übrig bleibt, wird gleich wieder untergepflügt."

Welche Arten kann man in Kulmbacher Gärten derzeit beobachten? Kohl- und Blaumeisen, Sperlinge, Amseln, Gimpel (auch als Dompfaff bekannt) und Trupps von Grünfinken sind häufig. Erlenzeisige und Seidenschwanz sieht man bei uns fast nur im Winter: Sie kommen aus dem hohen Norden und überwintern hier.

Zum Thema Winterfütterung hat der Vogelexperte ein sehr entspanntes Verhältnis: "Sie ist oft nicht unbedingt nötig, schadet aber auch nicht, wenn man es richtig macht." Positiv sei, dass die Menschen, vor allem Kinder, durch die Beobachtungen am Futterplatz einen stärkeren Bezug zur Natur bekommen.