Im Landkreis Kulmbach leben aktuell 543 Asylbewerber in Gemeinschafts- sowie dezentralen Unterkünften. Dazu kommen 409 Flüchtlinge im Monat September, die hier aufgenommen, registriert und medizinisch erstversorgt wurden. Für diesen Personenkreis ist Kulmbach nur Durchgangsstation, die Menschen werden dann nach etwa drei Tagen und entsprechenden Schlüsseln weiterverteilt.


Lob für die vielen Helfer

Bei einem Sachstandsbericht gestern vor dem Kreisausschuss wurde klar, dass Kulmbach den Zustrom beispielhaft meistert. Garanten dafür sind der Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes und die vielen freiwilligen ehrenamtlichen Helfern. Es wurde aber auch klar, dass das Ende des Flüchtlingszustroms lange nicht erreicht ist.
"Der Zustrom wird auf absehbare Zeit nicht abreißen", sagte Kathrin Limmer vom Landratsamt.
"In Kulmbach gibt es so gut wie keine Probleme und auch keine größeren Baustellen." Dieses Fazit zog Landrat Klaus Peter Söllner (FW). "Andere Landkreise beneiden uns, weil es hier so reibungslos klappt." Söllner sprach von einer weisen Entscheidung des BRK-Kreisverbandes, das frühere Postzentrum ohne Wenn und Aber zur Verfügung zu stellen. "Es war das Beste, was wir machen konnten, dieses Zentrum als Notfallaufnahme auszuweisen."
Als ein Problem erweise sich die Situation und die steigende Zahl sogenannter unbegleiteter Jugendlicher. Kathrin Limmer sprach von 59, die sich derzeit im Landkreis Kulmbach aufhalten: ein Teil davon in der Jugendhilfe Fassoldshof, deren Träger die Rummelsberger Diakonie ist; ein anderer Teil bei der Arbeiterwohlfahrt in der Schützenstraße. Beide Einrichtungen seien praktisch belegt. Für sie gebe es bereits zwei Klassen an der Berufsschule, auch an der Max-Hundt-Schule sei bereits eine Übergangsklasse eingerichtet worden.


Schramm: "Problem für die EU"

Auch wenn alles bestens läuft, werde es auf Landkreisebene keine Lösung geben, sagte OB Henry Schramm (CSU). "Die Flüchtlingskrise wird zum Problem für die EU" sagte er und erinnerte an 150 000 Menschen, die aktuell vor Ungarn stehen, an Tausende, die in Izmir auf die Ausreise warten, und an weitere Tausende, die sich in Afghanistan auf den Weg machen. "Die Leute lassen sich nicht aufhalten, sie werden kommen, da braucht man kein Hellseher zu sein." Scharfe Kritik übte Schramm wegen der Abmahnung an der EU, weil in Deutschland die Verfahren angeblich nicht schnell genug abgeschlossen würden. "Wir zahlen das meiste, wir machen das meiste und sind am Ende die Unbeliebtesten."
Keine Anzeichen für zurückgehende Zahlen, eher für das Gegenteil, sah auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Simon Moritz. Im Landkreis Kulmbach sei es bestens gelungen, mit der Situation umzugehen, lobte auch Moritz die Arbeit der ehrenamtlichen Kräfte und des BRK. Probleme würden sich allerdings noch in vielen Alltagsfragen einstellen, etwa wenn es um den Sprachunterricht geht.


Positive Erfahrung in Wirsberg

Bürgermeister Hermann Anselstetter (SPD) aus Wirsberg warb um mehr Möglichkeiten, die dezentrale Unterbringung zu verstärken. In Wirsberg seien derzeit 27 Asylsuchende und Flüchtlinge in vier Wohnungen untergebracht, weitere zwei Wohnungen für insgesamt 23 Asylsuchende stünden bereit. Wirsberg habe damit nur positive Erfahrungen gemacht. Sogar eine gebundene Ganztagsklasse konnte wieder ins Leben gerufen werden. Noch im Juli sei man davon ausgegangen, dass diese Klasse nicht mehr zu Stande kommt.


Pöhlmann fehlt Differenzierung

"Es läuft alles sehr positiv, unser Land hat viel gelernt und das ist gut so", sagte Veit Pöhlmann (FDP). Deshalb gebe es auch genügend Gründe, stolz auf unser Land zu sein. Allerdings verstünden viele Menschen die aktuelle Situation nicht, weil viel zu häufig alle hilfesuchenden Menschen, die hierher kämen, in einen Topf geworfen werden. "Mir fehlt die Differenzierung", sagte Pöhlmann und stellte klar, dass Syrer über die Genfer Flüchtlingskonvention ein Aufenthaltsrecht hätten.