Spätestens bei der Urlaubsplanung bemerk(t)en es viele Arbeitnehmer: Im laufenden Jahr fallen wieder einige Feiertage auf ein Wochenende. Neujahr war ein Samstag, der kommende 1. Mai ist ein Sonntag, Weihnachten fällt ebenfalls aufs Wochenende. Die Menschen haben weniger Zeit für Erholung und Familie, sagen Bundespolitiker der Linken- und der Grünen-Fraktion - und wollen gegensteuern. Sie schlagen vor, solche Feiertage nachzuholen. Wie denken unsere politischen Mandatsträger darüber? Würden sie dafür stimmen?

"Ja natürlich unterstütze ich dies, und zwar nicht nur als Linker, sondern auch als Vorsitzender des Ortsverbandes Kulmbach der Katholischen Arbeitnehmerbewegung und als frisch gewählter stellvertretender Vorsitzender des Verdi-Ortsvereins Kulmbach", bekundet Kreisrat Oswald Greim. Er schlägt vor: "Ein Montag des Tags der Arbeit, dem wichtigsten Wirtschaftsfaktor, ähnlich wie der Pfingstmontag - das wäre doch was, oder?"

Die SPD-Landtagsabgeordnete und Kreisvorsitzende Inge Aures hingegen mag sich mit der Idee nicht recht anfreunden: "Ein Feiertag ist ein Feiertag - und zwar an dem Tag, an dem er stattfindet. Ich halte nichts davon, Feiertage sozusagen nachzufeiern. Im Laufe der Jahre gleicht es sich ja immer wieder aus."

Für Aures' Landtagskollegen Rainer Ludwig (Freie Wähler) ist der Vorstoß "kein Thema, was mich gerade bewegt". Die Forderung nach einem Ausgleich kommt für ihn nicht nur überraschend: "Es gibt dazu aktuell weder Diskussionsbedarf und auch keine Not!" Von Arbeitnehmer-Seite sei ihm nicht bekannt, dass "akuter Bedarf oder Druck nach einem Feiertagsausgleich" bestehe. Deutschland weise in der EU ohnehin die kürzeste Jahresarbeitszeit auf. "Belgien, Luxemburg und das Vereinigte Königreich kommen selbst mit den Nachhol-Feiertagen auf keine höheren Werte." Und auch vor dem Hintergrund der globalen Krisen und damit Herausforderungen wie Energie-Bezahlbarkeit und Preisstabilität sieht Ludwig den Vorschlag eher deplatziert. "Er passt angesichts grassierender Zukunftsängste vor Rezession und Wohlstandsverlust nicht in die Zeit."

In die gleiche Kerbe schlägt FDP-Stadtrat Thomas Nagel. "Wir können es uns aktuell nicht leisten, irgendwelche zusätzlichen Feiertage zu kreieren oder nachzuholen. Wir haben große Herausforderungen, zu denen eine hohe Inflation gehört. Dass zum Beispiel der 1. Mai auf einen Sonntag fällt, ist ärgerlich, aber es gibt auch Feiertage wie den christlichen Buß- und Bettag, die komplett gestrichen wurden. Diese Feiertage wären ebenso schützenswert." Sollte es Veränderungen geben, müssten diese gesellschaftlich diskutiert werden; dazu gehöre auch das Darstellen der Gegenfinanzierung. "Jeder Feiertag unter der Woche kostet Unternehmen nun mal zusätzliches Geld."

Auch Martin Schöffel positioniert sich dagegen. Der CSU-Landtagsabgeordnete sagt: "Der Grund und tiefe Sinn für den Feiertag ist an den Tag gebunden und kann auch ein Sonntag sein. Das Nachholen würde eine große Bürokratie und massive Belastung der deutschen Wirtschaft bedeuten." In Bayern seien insgesamt sieben Feiertage variabel, was den Wochentag angeht; in einem durchschnittlichen Jahr falle nur ein Feiertag auf einen Sonntag. "Der Aufwand einer Änderung steht nicht im Verhältnis zum Nutzen für Arbeitnehmer."

Die CSU-Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner führt an: "Sinn der Nichtarbeit an Feiertagen ist nicht, dass Menschen zusätzliche Urlaubstage haben, sondern dass sie den Feiertag begehen können. Wenn der Feiertag auf einen Sonntag fällt, kann er begangen werden." So ärgerlich das für Arbeitnehmer sei: Der Schutz für Feiertage bleibe immer noch gewährleistet. "Wenn der 3. Oktober auf einen Sonntag fällt, begehen wir den Tag der Einheit und nicht den Sonntag. Ich glaube, wir sollten keine Scheindebatten führen, sondern lieber die Frage stellen, ob es nicht sinnvolle Tage gibt, die ebenfalls als Feiertage begangen werden können: der Bayerische Verfassungstag etwa oder Maria Himmelfahrt als Feiertag in ganz Bayern."

"Gerade durch die Corona-Maßnahmen können alle, die Homeoffice und Homeschooling vereinbaren, alle, die mit kleinen Kindern den Lockdown bestehen mussten, und alle, die in dieser schweren Zeit ihre Eltern, Freunde und Verwandte nicht risikolos besuchen konnten, etwas mehr Freizeit gebrauchen", bekundet die stellvertretende Bezirkstagsvorsitzende und Grünen-Stadträtin Dagmar Keis-Lechner. In vielen anderen europäischen Ländern werden Feiertage nachgeholt. "Ob sich das in dieser Zeit, in der wir die wirtschaftlichen Auswirkungen durch den Ukrainekrieg spüren und ein Ende nicht absehbar ist, darstellen lässt? Ich stehe der Forderung eher skeptisch gegenüber."

AfD-Stadtrat Hagen Hartmann hält sich an die Formel: Feste soll man feiern, wie sie fallen. "Dieser Satz gilt ja auch, wenn Feiertage arbeitnehmerfreundlich auf einen Montag oder Freitag fallen oder gar mit Hilfe sogenannter Brückentage gern zum Kurzurlaub eingesetzt werden."