Das Wort ist nicht von mir. Was natürlich schade ist. Aber ich gönne es dem Kollegen des SZ-Magazins von Herzen, dass ihm jener Begriff eingefallen ist: Meinungsfasten.

Der Kollege meint in seinem Beitrag, man müsse in der Fastenzeit nicht zwangsläufig auf Bier und Schokolade verzichten, sondern könne sich auch mal vornehmen, sich dämliche Kommentare zu sparen. Die gibt es in der Tat zuhauf. Ein Blick in die sogenannten sozialen Medien bestätigt das.

Unter der Prämisse "Von nix eine Ahnung, aber zu allem eine Meinung" fühlen sich viele Menschen bemüßigt, kundzutun, was keiner wissen will. Ob es um die Maskenpflicht geht oder um Corona-Impfstoffe, um Straßensperrungen, die Müllabfuhr oder E-Autos in Tiefgaragen - immer geben sie ihren verbalen Senf dazu. Hemmungslos werden krudeste Behauptungen aufgestellt. Die Quellenlage: dünn. Das Totschlagargument bei Nachfragen: "Das ist doch allgemein bekannt!"

Verstehen Sie mich nicht falsch! Diskussionen sind notwendig. Diskussionen sind wichtig. Und dass wir alle unsere Meinung frei sagen dürfen, und sei sie noch so absurd, ist ein unschätzbar wertvoller Umstand, um den uns Menschen in manch anderen Ländern der Welt beneiden.

Aber man muss sich nicht immer und überall mit allem zu Wort melden. Das ist wie mit dem Bier und der Schokolade. Beides ist, im Übermaß, nicht frei von Nebenwirkungen. Deswegen ist gelegentliches Fasten ja so wertvoll. Und das gilt auch fürs Meinungsfasten.

Sie überlegen gerade, wann und wo Sie ähnliches schon mal gelesen haben? Ich sag's Ihnen: Im "Burggeflüster" unserer gestrigen Ausgabe. Mein geschätzter Kollege Dietmar Hofmann hat - nach einigen gedanklichen Felgaufschwüngen - gefordert, man solle "einfach mal die Waffel halten". Auch eine schöne Formulierung. Leider auch nicht von mir. Aber auch ihm stimme ich neidlos zu.