Seine linke Hand ist verkrüppelt. Ein Handicap, mit dem Thomas Münch seit gut sieben Jahrzehnten lebt. Als junger Mann - Münch war im Zweiten Weltkrieg Kommandant einer Panzerkpbataillons im Russland-Feldzug - ist er schwer verletzt worden. "Drei meiner Kollegen sind in unserem Panzer gestorben. Ich hatte großes Glück und habe überlebt", sagt der Alladorfer, den alle im Thurnauer Land nur Thoma nennen.

Das Frühstück macht er selber

Heute ist der Thoma 99. Er schenkt sich seinen Frühstückstee selbst ein, schmiert sich sein Brötchen. "Meine verletzte Hand bereitet mir da keine großen Probleme", sagt der Mann, der im Haus seines Sohnes Hans-Rainer im Obergeschoss noch in den eigenen vier Wänden lebt und den Alltag weitestgehend aus eigener Kraft meistert.
"Ich kann mich selber anziehen, muss mir aber beim Knöpfe zumachen helfen lassen", betont der 99-Jährige, der körperlich und geistig noch relativ fit ist, "auch wenn mir das Laufen manchmal schwer fällt und ich das Eine oder Andere schon vergesse".

Für die Familie ist er keine Belastung. "Er kommt allein zurecht. Wir müssen für ihn nur putzen und waschen. Dass wir zusammen Mittagessen, versteht sich von selbst", sagt Schwiegertochter Marion Münch, die weiß, dass ihr Schwiegervater an der großen wie kleinen Politik noch sehr interessiert ist. Vor allem die Dorferneuerung in Alladorf liegt ihm am Herzen. "Er ist gespannt, was daraus wird."

Der Terminkalender ist voll

Der Terminkalender von Thomas Münch ist voll. Der 99-Jährige, der die Raiffeisenbank in seinem Heimatort aufgebaut hat, sucht die Gesellschaft. Nicht nur in der Familie, mit der er beispielsweise die Spiele seiner Bayern oder der Nationalmannschaft im Fernsehen anschaut. Auch am Gemeindeleben nimmt er noch rege teil. "Ich trinke im Wirtshaus mein Bier, auch wenn es die Stammtischler nicht mehr gibt. Und ich besuche viele Veranstaltungen der Vereine, in denen ich Mitglied bin." Die Alladorfer sehen ihren früheren Bürgermeister auch tagsüber oft. Münch macht, wenn es das Wetter zulässt, täglich einen Spaziergang. "Ich bin gern an der frischen Luft." Der 99-Jährige winkt den Alladorfern auch aus dem Auto zu. "Kurze Strecken lege ich manchmal selbst mit meinem Opel zurück. Meist bitte ich aber Bekannte, mich zum Arzt oder Einkaufen zu fahren." Stolz ist er darauf, in all den Jahren keinen Unfall gebaut zu haben.

Kein Rezept für

Unzählige Freunde und Weggefährten hat er mit den Jahren verloren. Auch seine Frau Babette, mit der 2007 noch Diamantene Hochzeit feiern durfte. Verluste, die schmerzen, von denen er sich aber nicht unterkriegen lässt. Münch musste auch selbst einige gesundheitliche Rückschläge hinnehmen. Nach dem Panzerangriff 1943 lag er lange Zeit im Lazarett, später musste er sich in Erlangen einer schweren Nieren-Op unterziehen. "Ich habe keine Angst vor dem Tod", sagt der 99-Jährige, der nicht ans Sterben denkt. "Das mache ich nicht. Ich habe ja noch Freude am Leben. Der Alladorfer hofft, dass er den 100. im September 2015 erleben darf. Sein größter Wunsch? "Dass die Kinder und Enkelkinder gesund bleiben", sagt Münch, der kein Rezept fürs Altwerden hat. Auf eine besonders gesunde Ernährung habe er nie geachtet. Zu Kriegszeiten sei das sowieso nicht möglich gewesen. "Und später habe immer das gegessen und getrunken, was mir geschmeckt hat."

Zur Kur nach Bad Reichenhall

Pläne für die Geburtstagsfeier hat er nicht. Dafür hat er den nächsten Urlaub schon im Sinn. So nennt er die Kuraufenthalte, die ihn nach Bad Reichenhall führen. "Die Bäder und ärztlichen Behandlungen tun mir gut", betont Münch, dessen Beispiel zeigt: Auch mit 99 ist noch lange nicht Schluss.