Das wichtigste Vorhaben in der ersten Sitzung nach der Sommerpause suchte man auf der offiziellen Tagesordnung des Marktgemeinderats Thurnau vergebens. Die Leitung der Fachklinik Hutschdorf hatte nämlich in allerletzter Minute gleich zwei Großprojekte angemeldet. So soll das Haus Bethanien in Hutschdorf abgerissen werden. An dessen Stelle soll ein modernes Mutter-Kind-Haus entstehen, das speziell für Frauen mit Suchtproblemen und deren Kinder konzipiert ist.

Außerdem möchte der Träger des Hauses Immanuel - der Deutsche Gemeinschafts-Diakonieverbund in Marburg - auf dem Klinikgelände eine eigene Kindertagesstätte bauen, in der Jungen und Mädchen betreut werden sollen, deren Mütter über Monate hinweg in Hutschdorf stationär therapiert werden.

Kein Zuschuss für Kita

Wie Bürgermeister Martin Bernreuther (CSU) bei der Sitzung des Gemeinderats in der Schulturnhalle erläuterte, habe die geplante Kindertagesstätte nichts mit dem gemeindlichen Bedarf an Betreuungsplätzen zu tun, der werde über die drei bestehenden Einrichtungen in Thurnau, Limmersdorf und Hutschdorf. Das Projekt - und darauf lege man Wert - löse auch keinen Investitionskostenzuschuss aus. Die Mitglieder des Thurnauer Marktgemeinderates befürworteten die Vorhaben ohne große Diskussion.

Auch bei den übrigen Bauvorhaben herrschte Einigkeit. So genehmigte das Gremium den Antrag von Andreas Hoffmann, ein bestehendes Gebäude in Menchau abbrechen und ein Wohnhaus bauen zu dürfen.

Positiv beschieden wurden zudem die Anträge der Eheleute Saskia und Oliver Reif, die in Berndorf einen Anbau planen, und von Nikolaos Papadopoulos, der an seinem Haus im Baugebiet Eichenbühl einen Vorstellbalkon auf vier Stützen errichten möchte.

Schlegel-Anwesen wird saniert

Auch gegen die geplante Sanierung der denkmalgeschützten Mühle von Anja Schalkhäuser-Riesch in der Jägerstraße, der früheren Geburtsklinik Schlegel, hatten die Mitglieder des Marktgemeinderates keine Einwände. Im Nebengebäude sollen Wohnungen entstehen.

Das Vorhaben sei mit dem Denkmalamt abgestimmt, betonte Bürgermeister Martin Bernreuther.

Keine Einwände hatte der Markt Thurnau gegen die Einbeziehung eines Grundstücks in Wonsees in den Ortsbereich und gegen die Aufhebung des Bebauungsplans Kasendorf-Ost.

Gemeinderat in Kürze

Feuerwehr Die Limmersdorfer Ortsfeuerwehr bekommt ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug TSF-W. Unter der Voraussetzung, dass ein geeigneter Stellplatz gefunden wird, erhielt die Firma Brandschutztechnik Görlitz den Zuschlag für das Fahrgestell und den Aufbau. Kosten: 94 873,94 Euro brutto. Die Beladung liefert die Firma Ludwig Feuerschutz zu einem Bruttopreis von 12 123,13 Euro. Im Zuge der Umgestaltung der Limmersdorfer Dorfmitte solle auch eine geeignete Unterstellmöglichkeit geschaffen werden, erläuterte Bürgermeister Martin Bernreuther. Man rechne mit einem Zuschuss von fast 39 000 Euro. Außerdem beschlossen die Räte, dass für bis zu 10 000 Euro Systemtrenner für die örtlichen Feuerwehren gekauft werden. Diese sollen verhindern, dass Löschwasser über die Hydranten zurück in die Trinkwasserleitung fließt. Wegen des "ausgereizten" Haushalts 2020 soll die Anschaffung über mehrere Jahre gestreckt werden, bis irgendwann alle Feuerwehrfahrzeuge ausgestattet sind.

Trinkwasser Die Firma Osel Bohr aus Bamberg wird den Tiefbrunnen II in Thurnau baulich untersuchen. Für eine Angebotssumme von 15 982 Euro erhielt das Unternehmen den Zuschlag. Mit der geophysikalischen Untersuchungen wurde das Büro Dr. Lux aus Friedrichroda für 7248 Euro netto beauftragt.

Fußweg Der Markt Thurnau möchte ein Verfahren einleiten, dass das "Bayer-Gässchen" am Rathausplatz, das bislang als beschränkt öffentlicher Weg ausgewiesen ist, aufgelassen wird. Das Gässchen ist 1,05 Meter breit, doch nur die Hälfte ist öffentlich gewidmet. Jetzt hat eine Anwohnerin den Antrag gestellt, dass das Gässchen, das oft als Toilette genutzt wird, nicht mehr als öffentlicher Durchgang genutzt werden soll. Nach ausführlicher Diskussion befürworteten die Räte gegen zwei Stimmen die Einleitung eines formellen Verfahrens .

Förderprogramm Der Markt Thurnau möchte ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (Isek) in Angriff nehmen, um am Förderprogramm "Innen statt Außen" teilnehmen zu können. Dieses sei für ganz Bayern relevant, erläuterte Sandra Peters von der Verwaltung. Für die Modernisierung innerörtlicher Bauten, den Ankauf von Grundstücken oder eine Leerstandsbeseitigung könne man mit Förderquoten zwischen 80 und 90 Prozent rechnen. Dietmar Hofmann (SPD) betonte, dass er das Isek-Verfahren für zu aufwendig hält. "Ich stimme dagegen, weil ich mich gegen die Kopplung des Förderprogramms an die Durchführung an ein Isek-Verfahren wehre", so Hofmann. "Es kann sein, dass das Isek ein Papiermonster ist. Aber es ist nun mal die Voraussetzung für die Förderrung", entgegnete Veit Pöhlmann (FDP). Martin Bernreuther machte klar, dass künftig alle Förderkulissen an ein Isek-Verfahren gekoppelt werden. "Wir müssen die Bürger einbinden", so der Bürgermeister. Mit der Gegenstimme von Hofmann waren alle Räte dafür, dem Förderprogramm "Innen statt Außen" näher zu treten.