Erik Heins sitzt unruhig auf seinem Bett. In diesen Minuten flaniert Frederike Karsch in seinem Kleid über den roten Teppich in Berlin. Das macht den 17-Jährigen ein bisschen nervös, aber auch stolz. Er deutet auf eine Skizze, die gegenüber auf dem Schreibtisch liegt. "Das ist das Kleid", erklärt der Kulmbacher Gymnasiast.
Er hat die Vorder- und Rückseite gezeichnet. Taubenblau, schlicht, elegant. "Das wollte die Kundin so." Seine Kundin. Erik Heins ist Jungdesigner. Es ist sein erster richtig großer Auftrag. Die Kundin ist die Regieassistentin des Kinofilms "Wolkenatlas", der am Montag Premiere in Berlin feierte.

Frederike Karsch kümmerte sich beim Filmdreh um die Schauspieler und organisierte, dass sie jeweils am richtigen Ort zur richtigen Zeit waren. "Ich hatte in den letzten Wochen so viel Stress, dass ich einfach vergessen habe, mich um ein Kleid zu kümmern", erklärt 21-Jährige. Die Kulmbacherin wohnt seit einigen Jahren in Berlin. Durch Praktika und kleinere Jobs als Assistentin wurde sie von Produktionsfirmen weiterempfohlen. Zuletzt arbeitete sie auch für die Firma "Studio Babelsberg" und übernahm die Produktionsassistenz für den Film "Hänsel und Gretel", der 2013 anläuft.


Von der Schau zum Kleid

Frederikes Mutter ist bei einer Modenschau auf Erik Heins aufmerksam geworden. Am 18. Oktober präsentierte er elf Kleider, die er entworfen hat.
"Meine Mutter erzählte mir, dass man Erik angesehen hat, dass er viel Spaß daran hat. Das möchte ich unterstützen", schildert die Regieassistentin. Erik war begeistert. Die Arbeit begann. Gerade einmal zwei Wochen hatte er Zeit, das Kleid für die Premiere fertigzustellen. Er traf sich mit Frederike. Sie brachte den Stoff mit. "Sie hatte eine genaue Vorstellung, wie es aussehen soll." Erik hätte rot genommen, Frederike wollte taubenblau. "Die Farbe passt besser zum Film. Die Kleider bei der Premiere sind schwarz, silber und blau", begründete Frederike. Vorne ist das Kleid simpel, das Rückenteil ist ausgeschnitten und fällt "wie ein Wasserfall".

Nach der Besprechung mit Frederike nahm Erik Maße und begann eine Skizze der Proportionen zu zeichnen. Anschließend skizzierte er das Kleid. "Man muss sich genau überlegen, wie es fallen und ob es eng anliegen soll." Den Entwurf übertrug er auf ein einfaches Stoffstück. In seinem Zimmer hat er eine eigene Nähmaschine. Daran übte er und veränderte immer wieder Details.


Ein teures Hobby

"Es hat ein bisschen gedauert, bis ich darauf kam, den Faden schräg zu nehmen", schilderte der 17-Jährige. Insgesamt arbeitete er mehr als zehn Stunden an den drei Rohschnitten. Erst dann ging es an den teuren Stoff. Da Erik durch die Schule sehr viel zu tun hatte, fragte er eine Bekannte, ob sie das Kleid nähen könnte. Am liebsten hätte er es selbst gemacht, aber ihm fehlte die Zeit. "Ich kann mir gut vorstellen, dass die Näherin und ich mal wieder zusammenarbeiten", sagt der Jungdesigner.

Ideen habe er sowieso immer. Das Hobby ist jedoch sehr teuer. Das Material kostet viel. "Ich brauche ein Gefühl für den Stoff", erklärt Erik. Daher bestellt er das Material nicht über das Internet. Wenn Erik mit der Schule fertig ist, möchte er mit seinem Handwerk Geld verdienen. Derzeit hofft er aus eine Zusage aus Paris. Er hat sich für ein Praktikum beim berühmten Modekonzern Chanel beworben. Nach dem Abitur möchte Erik die Fachschule für bekleidungstechnische Assistenten in Naila besuchen. Ein eigenes Label hat er schon. Er hofft, dass das Kleid für die Filmpremiere seine Bekanntheit steigert.


Keine Zeit für die Anprobe

Erik bedauert, dass er das Kleid nicht mehr direkt an Frederike anpassen konnte. Frederikes Tante nahm es mit nach Berlin. Die Anprobe fiel aus. "Deshalb war ich auch nicht 100-prozentig zufrieden."
Mehr als zufrieden ist dagegen seine erste Kundin. "Erik ist sehr talentiert." Bei der Premiere am Montagabend wurde sie von ihrer Crew und vielen Reportern auf ihr Kleid angesprochen: "Sie wollten alle wissen, woher ich es hatte. Als ich erklärte, dass es ein 17-jähriger Schüler entworfen hat, waren sie beeindruckt."