Ohne ehrenamtliche Kräfte ließe sich in unserem Land vieles nicht bewerkstelligen. Sie sind dringend notwendig, ob in der Feuerwehr, dem Roten Kreuz, der Wasserwacht, dem THW oder in den vielen Vereinen und Verbänden. Die Erfahrung zeigt aber, dass die Zahl der Ehrenamtlichen in vielen Bereichen sinkt.

Zum Glück gibt es aber immer wieder Ausnahmen, wie beispielsweise beim Förderverein der Freunde des Deutschen Dampflokomotiv-Museums in Neuenmarkt. Mit zwei dieser "Ehrenamtler" hat sich unser Mitarbeiter unterhalten und nach ihren Beweggründen gefragt, für das DDM ehrenamtlich tätig zu sein.

Mit dem Opa auf der Drehscheibe

Der frühere Hauptschullehrer Reinhard Schulz, der aus dem Kulmbacher Stadtteil Melkendorf stammt und zuletzt an der Hauptschule in Marktleugast unterrichtete, hat von Kind auf eine besondere Affinität zur Eisenbahn, die nicht von ungefähr kam: Sein Großvater arbeitete am Bahnhof Neuenmarkt-Wirberg, und wenn der "kleine Reinhard" bei den Großeltern zu Besuch war - sie wohnten in unmittelbarer Nähe des Lokschuppens, dem heutigen Dampflokmotiv-Museum - , zog es ihn unwillkürlich zu den großen Dampflokomotiven.

"Ich durfte mit meinem Opa immer auf der Drehscheibe mitfahren und die Eisenbahn hat bei mir eine lange Geschichte, dabei mit Höhen und Tiefen. Ich konnte als Kind im Alter von acht Jahren mit Hilfe meines Großvaters Lokomotiven malen und zeichnen. Dabei soll ich bereits großes Fachwissen gezeigt haben, was die Bauteile wie die verschiedenen Dome, Schwingen- und Treibstangenteile angeht."

Später sei die Leidenschaft für die Eisenbahn mehr oder weniger eingeschlafen, erinnert sich Schulz. "Erst als ich dann an Weihnachten meine erste Modelleisenbahn bekam, die am Fußboden im Kreis um den Weihnachtsbaum und ein Lebkuchenhäuschen fuhr, wuchs mein Interesse wieder."

Reinhard Schulz durfte zusammen mit seinem Großvater eine riesige Modellbahnanlage im Keller eines Neuenmarkter Eisenbahners besichtigen, und von da an galt der Modelleisenbahn seine besondere Vorliebe: "Ich war hin und weg und die Faszination für die Eisenbahn hat mich seither nie wieder verlassen."

Heute kombiniert Schulz die mit einer Leidenschaft für den Modellbau: "Ich baue am liebsten Industriemodelle um." Dabei verweist er auf zahlreiche Bierwägen, die die Wand der ehemaligen Fahrdienstleitung im früheren Bahnhof von Ludwigschorgast zieren.

Dort nämlich wohnt Reinhard Schulz. Seine Affinität zur Eisenbahn spielte auch hier eine entscheidende Rolle. Als 2016 bekannt geworden sei, dass der Bahnhof vekauft werden sollte, bemühte er sich zunächst selbst darum.

Als er aus der Zeitung erfuhr, dass der neue Eigentümer bereits kräftig an der Sanierung des alten Bahnhofes arbeitet, fuhr er sofort nach Schulschluss nach Ludwigschorgast. Er war der erste Bewerber um die Wohnung. "Nachdem ich dem Eigentümer von meinem Eisenbahn-Tick erzählt habe,habe ich den Zuschlag für die Wohnung bekommen."

Wohnen im Bahnhof

Seitdem wohnt Reinhard Schulz glücklich und zufrieden in seinem "eigenen Bahnhof". Seine Wohnung ist inzwischen mit vielen eisenbahnspezifischen Gegenständen zu einem wahren Refugium für den Eisenbahn-Freak geworden.

Seit nunmehr zwölf Jahren gehört Reinhard Schulz dem Förderverein der Freunde des DDM an. Als früherer Pädagoge wird er häufig für Museumsführungen angefordert. Liebend gern stülpt sich Reinhard Schulz dann seine alte Eisenbahner-Uniform über, gibt bei den Dampflok-Sonderfahrten gerne Auskunft, zwickt als Schaffner die Fahrkarten , macht Durchsagen im Sonderzug oder führt die "Majestäten" wie die Kohlenhofprinzessin oder die Porzellankönigin durch das Museumsgelände: "Man hat im Museum gesagt, der Schulz kann reden und der macht das auch. Ich mache halt das, was ich kann."

Ausbildung auf der Kleinlok

Moritz Pöhlmann (20) kam unter anderem über seinen Vater zum DDM, der hier verantwortlicher Mitarbeiter ist. Der passionierte Musiker, der beim Musikverein Ludwigschorgast die Tuba bläst, befindet sich nach seinem Abitur derzeit im zweiten Lehrjahr als Fachkraft für Lebensmitteltechnik bei der Firma Raps, Kulmbach, hat im DDM sein weiteres Hobby zur Leidenschaft gemacht.

"Die Eisenbahn übte auch auf mich von klein auf eine Faszination aus. Manche spielen Fußball, für mich war die Eisenbahn das Hobby. Ich bin als Junge oft mit meinem Vater ins DDM gegangen, und bei größeren Veranstaltungen bin ich immer auf dem Gelände herumgegeistert."

Irgendwann durfte Pöhlmann in der Werkstatt einen besonderen Gegenstand für die Ölversorgung einer Lok bauen. "Unser Vorsitzender vom Förderverein, Joachim Gall, nahm mich dann an die Hand und bildete mich an der Kleinlok aus."

Drei Jahre lang hat Pöhlmann eine Ausbildung gemacht; mittlerweile verfügt er über ein TÜV-Zertifikat, das ihm bescheinigt, dass er auf dem Museumsgelände eine Dampflok fahren kann."

Zusätzlich legte Moritz Pöhlmann auch einen Lehrgang für Bahnübergangsposten und Rangierbetrieb ab. Seit dem Pfingstwochenende darf er mit der Dampflok auf der Kleinbahn wieder die Runden drehen.