Heute (Mittwoch) stand die Novellierung des Infektionsschutzgesetzes an: Warum haben Sie ihm zugestimmt?

Als gelernte Krankenschwester hat der Gesundheitsschutz für mich oberste Priorität. Ich nehme die klaren Forderungen vonseiten der Intensivmediziner und der Pflegekräfte, die für ein Durchhalten der Gesellschaft und starke Maßnahmen in der Pandemie werben, sehr ernst. Zugleich müssen nach einer so langen Zeit auch die Lebenswirklichkeiten der Menschen in unserem Land eine stärkere Berücksichtigung finden. Ich kann nachvollziehen, dass viele Menschen "pandemiemüde" sind - und dennoch können wir darauf hoffen, in wenigen Wochen durch die Impfkampagne einen wesentlichen Schritt weiter zu sein. Mit diesem Gesetz schaffen wir mehr Akzeptanz durch bundeseinheitliche Regelungen bei einer Sieben-Tage-Inzidenz ab 100, lassen gleichzeitig bei der Pandemiebekämpfung nicht nach und schaffen dennoch Erleichterungen, beispielsweise beim Thema der Ausgangsbeschränkungen oder beim Sport für Kinder im Freien. Als Parlamentariern fallen mir solche Entscheidungen nicht leicht, dennoch sind sie zu treffen, denn sich hier aus der Verantwortung zu stehlen, entspricht nicht meinem Verständnis von Politik.

Rainer Ludwig, Landtagsabgeordneter der Freien Wähler im Stimmkreis Wunsiedel/Kulmbach, hat in der vergangenen Woche an Sie appelliert, nicht zuzustimmen - was sagen Sie zu diesem Vorstoß?

Unser Föderalismus ist etwas Großartiges. Aber für eine Pandemie, die keine Landesgrenzen kennt, braucht es nach einer solch langen Zeit eine nationale Antwort. Und diese Antwort muss nun das deutsche Parlament geben. Und so sehr ich subsidiäre Ansätze befürworte, mussten wir feststellen, dass die Ebene, die in Verantwortung stand, mit ihren Möglichkeiten am Ende angekommen war. Das galt insbesondere für das Format der Ministerpräsidentenkonferenz zusammen mit der Bundeskanzlerin. Denn man konnte die Uhr danach stellen, wann die erste Landesregierung von den in den Konferenzen getroffenen Beschlüssen wieder abweichen würde.

Die Kür des Kanzlerkandidaten der Union hat sich ja quälend lange hingezogen. Warum haben die Grünen das besser und geräuschloser hingekriegt?

Selbstkritisch müssen wir anerkennen, dass die Statuten bezüglich der Kanzlerkür innerhalb der Union veraltet sind und wir deshalb dringend eine parteieninterne Strukturreform benötigen. Wichtigster Punkt hierbei ist, dass die Mitglieder, also das Rückgrat unserer Parteien, grundlegend bei solchen Entscheidungen mit eingebunden werden. Es darf zukünftig nicht mehr so sein, dass Einzelinteressen über dem Gemeinwohl der Union und unseres Landes stehen. Die Pandemie hat zusätzlich dazu geführt, dass die parteiinterne Demokratie an ihre Grenzen gestoßen ist und es ja kein Geheimnis ist, dass sich die CDU nach der Amtszeit von Kanzlerin Angela Merkel dringend erneuern muss.

Wenn da zwei Frauen um die Position der Kanzlerkandidatin der Union gewetteifert hätten - hätte das ein wenig smarter funktioniert?

Nachdem ich ja auch eine Frau bin, bin ich fest davon überzeugt, dass wir Frauen es natürlich smarter hinbekommen hätten. Denn es ist ja nachweislich so, dass es beispielsweise bei einer paritätischen Besetzung von Positionen weniger Konflikte gibt. Das sage ich, ohne die Männer mit dieser Erkenntnis jetzt kränken zu wollen.

Wie schätzen Sie das "Duell" der Kandidierenden ein: Eine 40-jährige Frau im Wettstreit mit zwei älteren Männern von Union und SPD?

Es spielt keine Rolle, welches Alter oder welches Geschlecht jemand hat. Bei einem Kanzler oder einer Kanzlerin für unser wunderbares Land kommt es auf politische Inhalte und Erfahrung an.