Es ist ein Tabakwaren-Laden, wie er uriger nicht sein könnte. Gerade mal kinderzimmergroß, beeindruckt das Geschäft auch die, die mit Zigaretten und Zigarren nichts am Hut haben. "Es kommen oft Touristen, die die uralte Einrichtung, die noch aus dem frühen 20. Jahrhundert stammt, fotografieren", sagt Inhaberin Simone Jeuthe, die auf wenigen Quadratmetern Tabakwaren und vielerlei Zubehör anbietet.

"Reparieren was wir können"

Neben dem Verkaufstresen sitzt ihr Vater Werner Siegmund, der sich mit einem Schraubenzieher an einer alter Tabak-Stopfmaschine zu schaffen macht. "Was wir reparieren können, reparieren wird. Stundenlohn berechnen wir nicht. Wir lassen uns nur die Unkosten ersetzen", betont Simone Jeuthe, die auf Kundennähe setzt.

Die Online-Konkurrenz

In Zeiten, in denen man dem Kulmbacher Einzelhandel das Ende prophezeit, auch weil der Online-Handel zum übermächtigen Konkurrenten wird, sind innovative Ideen gefragt. Oft sind aber auch die persönliche Beratung und der besondere Service die Pfunde, mit denen Händler wuchern können.

Kundenwünsche

Auf den besonderen Service setzt auch Claudia Eichhorn, die in ihrem "Ideenreich" in der Webergasse 3 individuelle Kinderbekleidung, Spielsachen sowie Geschenk- und Bastelartikel anpreist. "Wir wollen uns von der großen Masse absetzen. Im Kinderbereich achten wir beispielsweise darauf, dass Kleidungsstücke aus einer nachhaltigen Produktion stammen", sagt Eichhorn, die in ihrem Laden den Kunden auch ein großes Stoffangebot unterbreitet. Auf Wunsch werden Kissen oder auch Tischdecken mit persönlichen Schriftzügen versehen. "Viele meiner Bekannten haben eine Decke mit dem bestickten Namen ihres Kindes gekauft", sagt Kathrin Kolb. Eine Kunden, die das ganz individuelle "Ideenreich"-Angebot schätzt.

Alexandra Hofmann von der Parfümerie Benker spricht von speziellen und individuellen Geschäften, "die die Innenstadt bereichern". Von einer "schweigenden" Fraktion von Laden-Inhabern, die eine besondere Art des Einkaufens anbiete und sich gegen den Ausverkauf wehre.

"Kleine werden zerrieben"

"Ohne diese Lädla wäre Kulmbach noch ein Stück ärmer." Touristen wie Auswärtige seien begeistert vom "Einkaufserlebnis abseits von Regalmetern", sagt Hofmann, die mit der Parfümerie am Kressenstein 3 ein Schirmfachgeschäft betreibt, das es seit 1860 gibt. Angeboten werden Schirme, auch handgemachte, ausgewählte Accessoires sowie Parfüm- und Kosmetikartikel. Ein gutes Sortiment und eine individuelle Beratung seien vonnöten in einer Zeit, "in der die Großen von den Kleinen zerrieben werden", stellt die Geschäftsfrau fest.

Aus Brasilien in die Parfümerie

Dagmar Porst weiß die Kundennähe zu schätzen. "Das macht das Besondere aus", erklärt die Ex-Kulmbacherin, die jetzt in Brasilien lebt und ihren Heimaturlaub stets mit einem Besuch in der Parfümerie verbindet.
Ein besonderes Angebot unterbreiten viele weitere Geschäftsleute. So das Möbelgeschäft "Reiner WohnSinn" in der Pestalozzistraße", Schuhmacher Michael Täuber in der Spitalgasse, Frucht Huberth am Holzmarkt auch oder Cornelia Niebisch-Hanß, die im "Blauen Laden" in der Spitalgasse neben Accessoires über 100 Sorten Tee anbietet - darunter hauseigene Mischungen, "die ich nach eigenen Rezepturen entwickelt habe"

Der Wandel

."Ich habe viele Stammkunden, die auch von auswärts kommen und das außergewöhnliche Sortiment schätzen", betont die Kulmbacherin. Dabei sei das Teegeschäft alles andere als ein Selbstläufer. Sie müsse wie viele ihrer Kollegen kämpfen, sagt Cornelia Niebisch-Hanß - in einem Geschäftsumfeld, das sich in den vergangenen fünf Jahren wohl nicht zuletzt aufgrund des boomenden Online-Handels dramatisch verändert habe.


Hierzu ein Kommentar von Alexander Hartmann: Online das Leben retten?

Wer seine Ware im Internet bestelle, trage seinen Teil dazu bei, das Klima zu retten. Das hat ein Sprecher des bifa-Umweltinstituts in der ARD-Reihe "Marktqueck" erklärt und so für den Online-Handel geworben.

Es mag sein, dass die Co 2 -Umweltbilanz besser wird, wenn 30 potenzielle Kunden ihr Auto stehen lassen und sich die Produkte vom Paketservice vor die Haustür liefern lassen. Doch der Umweltschutz in aller Ehren: Wollen wir wirklich computergesteuerte Wesen, die keinen Schritt mehr vor die Tür setzen, sich Lebensmittel und Kleidung nur noch per Mausklick bestellen, die sprachlos werden, weil sie nur noch per Mail agieren? Der Online-Handel macht Innenstädte platt und zerstört eine Einkaufs- und Kommunikationskultur, die kein soziales Netzwerk ersetzen kann. Wer im Urlaub durch alte Gässchen schlendert, urige Läden besucht, genießt den Einkaufsbummel, der zuhause leider immer weniger Wertschätzung erfährt.