Endlich wieder ein Grund zur Freude: Vier Ortspaare tanzten nach dem Festgottesdienst um die Linde und verbreiteten positive Stimmung. In Mangersreuth feierten die evangelischen Christen die Wiedereinweihung ihres Gotteshauses vor genau 300 Jahren. Nach dem Brand der Kirche hat die Mangersreuther Kirche ihr heutiges Aussehen bekommen.

Eigentlich hätte das Jubiläum mit einem großen Fest gefeiert werden sollen, doch aufgrund der Corona-Pandemie verzichteten die Verantwortlichen auf ein Festprogramm und auf eine echte Kerwa. "Wir hätten gerne noch umfassender gefeiert, sind aber froh, dass wir so feiern können, wie wir es jetzt tun", sagte Pfarrerin Bettina Wagner.

Fokus auf die Hoffnung

Die Mangersreuther machten das Beste aus den Pandemiebeschränkungen und verzichteten auf ein Straßenfest. Der Musikverein Weiher-Mangersreuth und Richard Groß (Orgel) umrahmten den Festgottesdienst musikalisch. Regionalbischöfin Dorothea Greiner hielt die Festpredigt. Die Regionalbischöfin zog eine Parallele zum Totentanz, wie er an den Wänden in einer slowenischen Kirche dargestellt war. Die Pandemie hat den Menschen den Totentanz vor Augen geführt. Doch jetzt gelte es, den Fokus auf die Hoffnung zu legen. Denn der Auferstandene führt die Menschen ins Licht.

In der Mangersreuther Kirche steht der Auferstandene mit segnender Hand und Siegesfahre über der Kanzel: "Die Dorfjugend hat allen Grund zu tanzen. Das ist eine gute Botschaft", sagte die Regionalbischöfin. Als Überraschung hatte Dorothea Greiner das Inventarbuch der Mangersreuther Kirche als Druckausgabe dabei. Die Kirche weist einige Besonderheiten auf: Eigentlich tanzen immer zwölf Engel um die Gottesdarstellung, in der Mangersreuther Kirche sind es jedoch 13. Die Kirche wurde 1491 erweitert. Doch eine beidseitige Erweiterung hätte sich als schwierig erwiesen, so wurde die Kirche nur auf einer Seite vergrößert.

"Ganz und gar unsymmetrisch"

"Die Kirche ist ganz und gar unsymmetrisch", sagte die Regionalbischöfin. Und außerdem gibt es auf der Empore noch einen "unperfekten" Gekreuzigten, der nur halb dargestellt ist. Dieses Fragment stammt wohl aus dem Mittelalter. "Es ist diese Unvollkommenheit, die die Kirche lebendig macht", sagte Greiner. Noch etwas war übrigens nicht ganz perfekt: der Bau der Kirche. Denn Magister Goldner baute die Kirche ohne Genehmigung wieder auf, bekam nach der Einweihung Berufsverbot. Und trotzdem hatte der Bau etwas Gutes, denn ohne den "kantigen" Magister Goldner würde die Kirche nicht in der heutigen Form existieren. Auch der Glaube müsse nicht immer perfekt sein, war die Botschaft, die die Regionalbischöfin aussenden wollte. Gerade das Nicht-Perfekte sei es, das die Kirche so besonders mache.

"Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses", sagte die stellvertretende Landrätin Christina Flauder. Flauder ist seit fast vierzig Jahren im Kirchenvorstand in Mangersreuth aktiv. Sie wurde selbst in der Kirche getauft und konfirmiert und hat viele Familienfeste, Andachten, Gottesdienste und Konzerte im Mangersreuther Gotteshaus erlebt. "Hier bin ich mit allem, was ich auf dem Herzen habe, nicht allein", sagte Flauder und freute sich über das wunderschöne Fest.

Tanz um die Linde

Auch Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) sprach von einem wirklich wichtigen Jubiläum. "Entscheidend ist doch, wie die Menschen miteinander umgehen - und hier geht man gut miteinander um. Die Kirche lebt von den Menschen", sagte der Kulmbacher Oberbürgermeister.

Nach dem Festgottesdienst tanzten die Ortspaare um die Linde. Die Gläubigen konnten Küchla in einer Tüte mit nach Hause nehmen oder sich an der Fensterausgabe im Gemeindehaus Leberkäsbrötchen oder Käsestangen holen. Der Musikverein Weiher-Mangersreuth spielte vor der Kirche dazu. So wurde das Wiedereinweihungsfest zu einem Fest der Hoffnung.