Carla Lettow liebt Musik. Wenn die Bewohnerin des Mainparks in ihrem Zimmer sitzt, hört sie viel Radio - "am liebsten Klassik". Manchmal bedauert sie, dass sie nie selbst gelernt hat, ein Instrument zu spielen, "aber das hat sich leider nie ergeben". Dass sie musikalisch ist, zeigt sie aber gern, und so ist sie eine der eifrigsten Teilnehmerinnen eines neuen Musikkonzepts im Mainpark, das Lisa Stenglein im Rahmen ihres Studiums entwickelt und erprobt.

Die 24-Jährige aus Trebgast studiert an der Würzburger Hochschule für Musik im neunten Semester das Fach elementare Musikpädagogik. Ab dem nächsten Schuljahr wird sie als Honorarlehrkraft an der städtischen Musikschule Kulmbach arbeiten und dort die elementare Musikpraxis einführen.
"Im Studium habe ich an einem generationsübergreifenden Musikprojekt mit Senioren und Kindern mitgewirkt und erlebt, wie positiv Musik auf beide Generationen wirkt", erzählt die künftige Musiklehrerin.

Für ihre Diplomarbeit hat sie sich die ältere Generation ausgesucht und ein Mitmachkonzept erarbeitet, das sie im Mainpark testen durfte. Möglich wurde das durch eine Kooperation der städtischen Musikschule mit dem Senioren- und Pflegeheim sowie die finanzielle Unterstützung der ersten zehn Einheiten durch die Sparkasse Kulmbach-Kronach und den Lions-Club Bayreuth-Kulmbach.


Tischharfe und Glöckchen

Die Erfahrungen sind durchwegs positiv - bei allen Beteiligten: "Es macht unglaublich viel Spaß, wenn man spürt, dass das Programm den Leuten Freude macht", sagt Lisa Stenglein. Besonders enthusiastisch zeigen sich Carla Lettow und Ludwig Kaßel, die nebeneinander sitzen und voller Begeisterung alles ausprobieren, was ihnen angeboten wird - ob es nun die Tischharfe ist, der sie durch sanfte Streich- und Zupfbewegungen zarte Klänge entlocken, oder die Schellen, Zimbeln und Glöckchen, die eine musikalische Schlittenfahrt begleiten.
Die Musikstunde ist abwechslungsreich und bietet für jeden etwas. Darauf achtet Lisa Stenglein, die gerne mit der gemischten Gruppe von 20 Senioren arbeitet. Manche sind noch recht rüstig und mobil, andere können nicht mehr gehen, manche sind dement. "Die Musik überwindet diese Grenzen, weil sie unsere Emotionen anspricht und jeder mitmachen kann", sagt Lisa Stenglein.

Mit ihrer schönen Singstimme begeistert sie ihre Gruppe ebenso wie mit ihrem Temperament. Da lassen sich auch die Skeptiker nicht lange bitten und stellen nach einigen Takten Singen mit Bewegungsspielen fest, dass es ihnen tatsächlich gefällt.

Alfons Joppek hat früher Geige gespielt und deshalb einen starken Bezug zur Musik, Ludwig Kaßel wollte in seiner Jugend immer gerne Akkordeon lernen, konnte sich den Unterricht aber nicht leisten. Lucie Welc singt gerne. Sie alle genießen es, gemeinsam etwas Sinnvolles und Schönes zu tun.

Und auch denen, die nicht mehr aktiv sein können, tun die Stunden gut, beobachtet Lisa Stenglein: "Musik spricht die Gefühlsebene an, und wer nicht mitsingen oder ein Instrument spielen kann, der kann doch zuhören oder einfach die Atmosphäre spüren."


Projekt schließt eine Lücke

Diese Atmosphäre ist sehr fröhlich und macht auch Heimleiter Elmar Gehringer und den Sponsoren Freude. Die Chance, dass die Aktion fortgesetzt werden kann, ist groß - der Bedarf auf jeden Fall vorhanden. "Dieses Projekt schließt eine Lücke, denn es gibt bislang wenig Materialien und Initiativen, um ältere Erwachsene an die Musik heranzuführen", sagt Musikschulleiter Harald Streit.