Sehr lang hat die Beziehung des Mannes und seiner Freundin nicht gedauert. Höchstens ein Jahr. Man lernte sich 2016 übers die Dating-App Lovoo im Internet kennen. Es muss eine Hassliebe gewesen sein.

Schläge und Streit waren offenbar an der Tagesordnung. Im April 2017 endete die Beziehung mit einem Gewaltwochenende in der Kulmbacher Wohnung der Frau. Dann ging sie zur Polizei, und ihr Ex-Freund steht jetzt wegen Vergewaltigung, Körperverletzung und Bedrohung vor Gericht. Ihm droht eine Haftstrafe zwischen zwei und 15 Jahren.

Am ersten Prozesstag vor dem Landgericht Bayreuth stand gestern nicht wie üblich der Angeklagte mit seiner Aussage im Mittelpunkt. Die Hauptrolle spielte der Vorsitzende der Strafkammer. Richter Bernhard Heim nahm sich den 28-Jährigen zur Brust, der zuvor körperliche Gewalt und Bedrohung zugegeben, aber die Vergewaltigung abgestritten hatte.

Eine abschließende Bewertung sei erst nach der Beweisaufnahme möglich, so der Richter. Aber seine persönliche und vorläufige Einschätzung laute: "Nach Aktenlage sieht es schlecht für Sie aus." Es gebe "viele Dinge, die knallhart gegen Sie sprechen".

Zum Beispiel auch die Untersuchung der Frau durch zwei Sachverständige. Im Genitalbereich wurde eine Rötung festgestellt. Dazu eine Blessur der Lippe, Hautdefekte an der Brust und Verfärbungen am Oberarm. Diese Verletzungen passen zu den Schilderungen der Nebenklägerin, dass ihr der Mund zugehalten und sie grob angefasst und gepackt wurde.

Fest der Hiebe

Laut Anklage kam es bereits 2016 zu Gewalttaten. Kurz vor Weihnachten soll der Anklagte seiner Freundin mit der Faust aufs Auge geschlagen haben. Silvester bereits der nächste Vorfall: Schläge ins Gesicht und auf den Oberkörper. Im Streit, so Staatsanwalt Jan Köhler, nahm der Mann nahm die Frau in den Schwitzkasten und drückte ihr die Luft ab. Weiter ging es am Neujahrstag: Weil sie ihn zu früh geweckt hatte, habe er sie gewürgt.

Vier Monate später eskalierte die Situation. Der Angeklagte besuchte seine Freundin in deren Wohnung. Weil sie sich gesundheitlich nicht wohlfühlte und keinen Sex wollte, äußerte er, dass er nicht umsonst gekommen sei, und machte weiter.

Laut Anklageschrift zog er seine Hose runter und hielt der Geschädigten, die sich wehrte, den Mund zu und drückte ihr die Beine auseinander. Beim Geschlechtsverkehr benutzte er kein Kondom. Als sie am nächsten Tag die Wohnung verlassen wollte, schubste er die Frau und sie knallte mit dem Hinterkopf gegen das Bett knallte.

Als der Mann von der Strafanzeige erfuhr, bedrohte er die Frau und schickte ihr Textnachrichten aufs Handy. "Jetzt schlage ich dir deine Fresse persönlich ein", schrieb er. Oder: "Prüf die Bremsen wenn du losfahren tust."

Bespuckt und beschimpft

Vom Gericht befragt, erklärte der Angeklagte, sich nicht mehr erinnern zu können, wie die Auseinandersetzungen losgingen. "Es gab Streit wegen der kleinsten Kleinigkeiten."

Sie habe ihm verboten, alte Freunde zu sehen. Sie habe gesagt, dass der nicht mehr wiederkommen brauche. Er habe "schlimme Dinge" gesagt. Man habe sich gegenseitig bespuckt, beschimpft und geschlagen.

Schließlich habe die Frau erwirkt, dass das Amtsgericht Kulmbach ein Kontaktverbot aussprach. Aber danach habe sie wieder Kontakt zu ihm aufgenommen.

"Es war eine unerklärliche Hassliebe", sagte der Mann. Er räumte pauschal die Körperverletzungen und Bedrohungen ein. "Aber die andere Sache mit dem sexuellen Übergriff habe ich nicht gemacht."

Der Vorsitzende verzichtete darauf, den Angeklagten weiter zu befragen. Er riet dem Mann, der schon Haftstrafen verbüßt hat und aktuell unter Bewährung steht, noch einmal über sein Prozessverhalten nachzudenken. Es sei angesichts der im Raum stehenden Freiheitsstrafe verständlich, die Vergewaltigung nicht zuzugeben. Aber falls es etwas zu gestehen gebe, sei es sinnvoller, mit offenen Karten zu spielen - und zwar vor der Vernehmung der Nebenklägerin, die dann nicht mehr detailliert befragt werden müsse.

"Kein Kuhhandel"

Ein erster Schritt wäre es, mit der Geschädigten einen Täter-Opfer-Ausgleich anzustreben. "Das ist kein Kuhhandel über die Strafe, sondern eine intensive Aufklärung darüber, was es im Gesetz für Möglichkeiten gibt", sagte der Richter. Damit könne der Angeklagte etwas für sich bewirken - und auch für den Seelenfrieden der Frau.

Denn sie wolle nach Einschätzung des Gerichts vor allem ihre Ruhe haben. "Wenn eine Klärung herbeigeführt wird, kann es beiden Seiten dienen." Die Ansprache des Richters verfehlte ihre Wirkung nicht. "Das ging ihm nahe", sagte Rechtsanwalt Bernd Ostheimer aus Hof nach einer Pause. "Er hat gezittert und geweint, er ist mit den Nerven völlig am Ende." Der Mandant sei zu einer Schmerzensgeldzahlung bereit, so der Verteidiger, und man werde noch ein ausführliches Gespräch in der Kanzlei führen.

Der Prozess wird in einer Woche fortgesetzt - möglicherweise dann ajuch mit einem umfassenden Geständnis des Angeklagten.