Viele kleine Einzelhändler haben keine Online-Shops, die Messlatte für die Hilfen liegt hoch - kaum einer kann das noch stemmen. Deswegen hängt im Schaufenster von Diana Katz und Andi Schulze, Inhaber der Boutique "Katz & Katz", das Schild der bundesweiten Aktion "Wir machen auf... merksam". "Wir sind keine Coronaleugner, das will ich betonen, aber was mich am meisten ärgert, ist die Ungleichbehandlung", erklärt Andi Schulze. Die Gastronomie etwa hätte zwei Wochen vor deren Lockdown davon erfahren, er selbst habe gerade einmal zwei Tage Vorlaufzeit gehabt und konnte keine Ware mehr abbestellen. Dass in Bayern jetzt "Click & Collect" möglich ist, begrüßen die beiden Modeexperten zwar, aber früher wäre besser gewesen. "Es ist eine Schildbürgernummer", findet Andi Schulze, "die Gastronomie durfte doch auch Essen ausgeben, das ist eine unfaire Behandlung." Auch die Verteilung der Corona-Hilfen erfolge ungleich. "Es wird knapp", sagt Schulze, und Diana Katz ergänzt: "Die Bürger müssen sich überlegen, was sie wollen - weiterhin bei Amazon & Co. kaufen, oder auch künftig in der Innenstadt einen Einkaufsbummel genießen."

Amazon endlich gerecht besteuern

Fakt ist, dass Diana Katz und Andi Schulze auch nach dem Lockdown weitermachen wollen, ja weitermachen müssen - auch wenn sie schon jetzt die neue Übergangsware, die vor einem halben Jahr geordert werden musste, rabattieren müssen. Ob Click & Collect bei ihnen greife, müsse sich noch zeigen. "Ich würde mir von der Politik weiterhin wünschen, Unternehmen wie Amazon endlich gerecht zu besteuern. Jeder Gewerbetreibende zahlt in der Stadt seine Steuern, wir schaffen Arbeitsplätze, es geht um Existenzen!"

Probleme mit der Einkaufsplanung sieht auch die Buchhändlerin Christine Friedlein von der Buchhandlung Friedrich. "Es ist ein innerer Kampf, wie viel kaufe ich jetzt ein? Ich gehe davon aus, dass wir einen noch längeren Atem brauchen", sagt die Buchhändlerin und erzählt von der Unsicherheit, aber auch von den guten Dingen, die sie im Lockdown erlebt hat.

"Die Unterstützung der Stadtwerke zum Beispiel war wunderbar, ich hätte selbst vor Weihnachten nicht mehr alles ausliefern können." Sie ist weiterhin eng verknüpft mit dem Börsenverein des deutschen Buchhandels, macht jedes Webinar mit, um auf dem neuesten Stand zu sein. "Bessere Infos seitens der Regierung wären gut, auch hätte ich mir die Click-and-Collect-Option von Anfang an gewünscht, das war erbärmlich." Glücklicherweise hat die Buchhandlung einen eigenen Online-Shop, bei dem die Kunden bestellen und die Bücher liefen lassen können oder jetzt neu auch an der Ladentür abholen. "Ich freue mich, endlich wieder ein wenig Kontakt zu meinen Kunden zu haben, wenn auch nur auf die Distanz und berührungslos", sagt Christine Friedlein. Schließlich lebe doch der Fachhandel gerade von diesem persönlichen Austausch, "die Menschlichkeit ist doch durch einen Klick nicht ersetzbar." Die Leute seien frustriert, hätten Ängste, wollten etwas loswerden. "Ich versuche das durchzustehen und bin positiv. Wenn man etwas Positives ausstrahlt, spiegelt sich das wider."

Ähnlich denkt Silvia Canola-Haußner von "Sissis Schmückburg". "Im Laden geht nichts, das Geschäft machen aktuell eher Läden mit einem etablierten Online-Shop", sagt sie, das lohne sich für sie als kleine Einzelunternehmerin nicht, auch fehle ihr das Know-how. "Ich erhoffe mir von der Stadt, dass sie nach dem ganzen Lockdown etwas Größeres aufziehen kann, um die Umsätze in der Innenstadt anzukurbeln." Corona-Hilfen habe sie beantragt, jedoch sei das im ersten Lockdown im vergangenen Frühjahr deutlich unbürokratischer gewesen. "Ich weiß, dass der Lockdown notwendig war", sagt sie, hat sie doch selbst bei ihrem Sohn erlebt, wie tückisch eine Corona-Erkrankung sein kann.

"Erfahre echte Geringschätzung"

Härter geht Robert Leithner von "Intersport Leithner" mit der Politik ins Gericht. "Ich erfahre als Facheinzelhändler eine echte Geringschätzung und Ungleichbehandlung seitens der Politik." Konkret erwarte er eine komplette Übernahme seiner Miet- und Betriebskosten sowie eine Aufstockung des Umsatzausgleichs auf 75 Prozent wie in der Gastronomie, abzüglich der Erlöse, die man hat. "Ich wäre ja schon zufrieden, wenn ich durch eine Teilöffnung auf 50 Prozent Umsatz käme." Mit einem entsprechenden Hygienekonzept sollte das kein Problem sein, meint Leithner. "Eine Öffnung nur nach telefonischer Anmeldung, kostenlose FFP2-Masken am Eingang, Face-to-Face-Bedienung, maximale Aufenthaltsdauer von zehn Minuten - wenn man kreativ ist, ist vieles möglich."

Aktuell vertreibt Leithner seine Ware hauptsächlich über verschiedene Internetportale, dazu kommen Kundenberatungen über Telefon, Videocalls oder E-Mail. In seinem Laden hat er für Click & Collect eine eigene Mobilkasse eingerichtet, für Reparaturen und Waren gibt es zwei unterschiedliche Abholstationen. "Ich habe aktuell einen 12-Stunden-Tag, und dennoch große Umsatzeinbußen", erklärt der Sportartikelfachhändler. Im November seien es 30 Prozent gewesen, im Dezember 40 Prozent, im Januar rechnet er mit 60 bis 70 Prozent. "Die Wintersport-Textilware mussten wir schon im Januar letzten Jahres ordern und für den Einkauf der Sommerkollektion müssen in den nächsten Wochen 300 000 Euro bereitgestellt werden - die Rücklagen sind aufgebraucht." Pro Lockdown habe er einen Verlust von etwa 250 000 Euro Umsatz." Für den Winter muss er mit einem Einkaufswert von 600 000 Euro in Vorleistung gehen, woher das Geld dafür kommt, weiß er noch nicht. Das sei ein vorprogrammierter Tod auf Raten.

Wie ein Kind, das nicht artig war

"Mir fehlt die Differenzierung im Umgang mit den Coronazahlen", sagt Robert Leithner. Der Einzelhandel hätte gegliedert werden müssen, das heißt in Facheinzelhandel, allgemeiner Einzelhandel und Discounter. "Man hätte ein maßgeschneidertes Schutzkonzept erstellen müssen, dann wäre es vielleicht nicht so weit gekommen." Die Politik sei planlos und der Facheinzelhandel inzwischen perspektivlos. "Es ist bedauerlich, dass die Politik keine Fehler zugeben mag. Ich komme mir vor wie ein kleines Kind, das nicht artig war", sagt Robert Leithner.

Nachgefragt - Mischbetrieb: Ja oder nein?

Im aktuellen Lockdown dürfen nur noch Geschäfte geöffnet haben, die zu mehr als 50 Prozent Dinge des persönlichen Bedarfs und Lebensmittel verkaufen. Viele Kunden fragen sich jedoch, weshalb in manchen Supermärkten und Drogerien das vollständige Warenangebot erhältlich ist, während in anderen gewisse Warenbereiche gesperrt sind. Hierzu gibt Oliver Hempfling, Abteilungsleiter Öffentliche Sicherheit am Kulmbacher Landratsamt, Auskunft:

Bei Großbetriebsformen des Handels wie insbesondere SB-Warenhäusern, Verbrauchermärkten und großflächigen Drogeriemärkten gilt die Mischbetriebsregelung nicht, wenn nicht erlaubte Sortimente in eigenen, gut abgrenzbaren Abteilungen (etwa eigenes Stockwerk; zusammenhängende, gut abgrenzbare größere Fläche) des Betriebs angeboten werden. Diese Abteilungen sind zu schließen. Das gilt etwa für den Müller-Markt oder den Real-Markt bezüglich der nicht erlaubten Sortimente.

  Aldi oder Lidl fallen unter die Mischbetriebsregelung. Sie werden nach dem Schwerpunktprinzip beurteilt. Sie können insgesamt öffnen, wenn mehr als 50 Prozent ihrer Tätigkeit im erlaubten Bereich (zum Beispiel Verkauf von Lebensmitteln) liegt. Sie können dann auch die übrigen Sortimente verkaufen, um die betrieblichen Abläufe nicht zu belasten.