Es ist der 6. Oktober 1720, als der Bamberger Weihbischof Werner Schnatz das heutige Kirchengebäude in Marienweiher weiht. 300 Jahre später wird die Basilika umfangreich renoviert und erstrahlt in neuem Glanz. Das 300-jährige Kirchenbestehen soll in diesem Jahr gebührend gefeiert werden. Darin sind sich alle Akteure einig. in einer dreiteiligen Artikelserie blickt die Bayerische Rundschau auf die Geschichte und die Angebote der Basilika, heute auf den vor elf Jahren gegründeten Klosterladen.

Andenken für Wallfahrer

Ein Wallfahrtsort ist ein Ort der Begegnung. "Und zu einem solchen Ort der Begegnung wollten wir unseren Beitrag leisten", erklären Anita Städtler und Marianne Döring. Vor elf Jahren gründeten sie zusammen mit weiteren Frauen einen kleinen Klosterladen in den Räumen des Franziskanerklosters. "Wir sind zuvor viel nach Münsterschwarzach gefahren, haben dort Kurse besucht und immer aus dem dortigen Klosterladen eine Erinnerung mitgenommen. So etwas wollten wir auch für unsere Wallfahrer haben", sagt Anita Städtler. Sie hätten Bewegung und Begegnung in Marienweiher vermisst. "Bei uns muss doch auch etwas passieren."

Ein weiterer Wunsch war es, das erwirtschaftete Geld direkt in die Wallfahrtsstätte einfließen zu lassen. So wurde beispielsweise aus einer unansehnlich gewordenen Kapelle ein atmosphärischer "Raum der Hoffnung", ein Sakralraum, der Tradition und Moderne verbindet und für Meditation und Gebet zur Verfügung steht.

Einnahmen werden invewstiert

Immer wenn etwas erwirtschaftet wird, investieren es die rund 15 ehrenamtlich tätigen Frauen nach Absprache in notwendige Anschaffungen. "Wir haben für das Wallfahrerhaus eine Duschabtrennung angeschafft und eine Reinigungsmaschine für die Basilika gekauft", erklärt Anita Städtler.

Früher sei ehrenamtlich und straßenweise in der Kirche geputzt worden. Die Frauen wollen, dass der Ort als gepflegt wahrgenommen wird. "Wenn ich die Wallfahrer sehe, die vor der Mutter Gottes stehen, singen und beten, das berührt mich."

Auch Marianne Döring fühlt sich in Marienweiher zu Hause. "Wir können hier beten, es ist ein gesegneter Platz. Ich sitze auch gerne ohne Gottesdienst in der Kirche. Sie ist ein Ort der Ruhe." Beide bestätigen, dass sie etwa nach einem Rosenkranzgebet oder einem Gottesdienst in der Kirche geborgener und zufriedener nach Hause gingen. "Als ich jünger war, war das nicht so wie heute", sagt Anita Städtler.

Und wenn an Pfingsten Hunderte kämen, um zu beten, dann gehe eine solche Energie von dem Wallfahrtsort aus. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, mit einer Wallfahrt einzuziehen." Das klinge nach, man gehe ganz anders auf die Arbeit. "Da sind Lieder, die berühren, Kummer wird weggebetet und weggelaufen", daher sprächen auch viele vom Pilgern als dem "Beten mit den Füßen".

An Pfingsten werden auch Wallfahrer geehrt, manche gehen den Weg schon seit 50 Jahren. Mit dem Beginn der Corona-Pandemie habe auch das leider gefehlt.

Als die Frauen den Klosterladen vor über einem Jahrzehnt aufbauten, hatten sie nur wenige Mittel zur Verfügung. "Wir hatten eine Spende, die wir für Material ausgeben wollten", erzählt Marianne Döring. Also wurden im Bekanntenkreis Möbel zusammengetragen. Die Regale standen zum Glück schon in dem Raum, ergänzt wurde die Ausstattung um einen Wirtshaustisch, einen Apothekerschrank, einen hübschen Präsentationstisch und ein paar Sitzgelegenheiten.

"Dann kam ein Vertreter, der mit spirituellen Artikeln handelte, und bot uns wirklich gute Konditionen", sagt Anita Städtler. "Alles fügte sich auf einmal, es sollte so sein."

Das Sortiment wächst

Die Ehrenamtlichen schauten sich andere Klosterläden an, nahmen immer wieder neue Produkte ins Sortiment auf. "Unser Laden bietet Artikel für alle, für die Wallfahrer ebenso wie für die Einheimischen", sagt Marianne Döring.

Dekoratives, Kreuze, Heiligenfiguren, fair gehandelte Produkte und Rosenkränze - jahreszeitbezogen auch Weihrauch, Oster- und Taufkerzen, Kommunion- und Konfirmationspakete und auch Schulbücher: Das Angebot im Klosterladen ist umfangreich. "Junge Leute tragen Rosenkränze heute sogar als Ketten", weiß Anita Städtler.

Ein paar Wünsche sind noch offen

Gerne hätten die Frauen noch ein Sofa, ein kleines Café, in dem sie auch Kuchen anbieten können, aber bislang begnügen sie sich mit besonderen Veranstaltungen auf dem Klostergelände. "In der Weihnachtszeit veranstalten wir vor den Konzerten ein Kaffeetrinken im Kloster", auch habe es schon ein Kaffee im Klostergarten oder ein Weinfest gegeben. "Aber auch ohne Café kommen wir mit Menschen ins Gespräch, und das macht unseren Laden aus."

Ruhe, keine Hetze - da kämen manchmal auch einsame Menschen und suchten das Gespräch. Und genau das wollten Anita Städtler und Marianne Döring: einen echten Ort der Begegnung.

Im zweiten Teil der Serie stellen wir demnächst das Pilgerbüro vor.