Ralf Pettella legt die Hand auf seinen Bauch, in Höhe des Nabels. "Ab hier", sagt er und tastet ab, "ab hier habe ich kein Gefühl mehr." Unvorstellbar für einen Mann wie ihn, der als Maschinenbautechniker die halbe Welt gesehen hat. Eigentlich sollte er zu diesem Zeitpunkt auf einer Großbaustelle in Italien arbeiten. Seine Frau und seine achtjährige Tochter hätten ihn auch dorthin begleitet, wie zu allen anderen beruflichen Stationen des 58-Jährigen rund um den Globus. Doch Pustekuchen. Eine schwere Krebsdiagnose hat nicht nur verhindert, dass der Stadtsteinacher diese Aufgabe annehmen konnte - mittlerweile binden ihn die Folgen des Tumors sogar ans Bett.

Aus der absoluten Freiheit ist eine absolute Begrenzung geworden. Aus vielversprechenden Zukunftsplänen mit einem sicheren Auskommen im Alter ein maximal eingeschränktes und unsicheres Leben in einer Mietwohnung, die nicht behindertengerecht gestaltet ist. Für Tochter Jackleen-Angelina ist es besonders schlimm, dass ihr Papa von einem Tag zum anderen vom quirligen Mann zum Pflegefall wurde.

Apropos Pflege: Diese Aufgabe muss vor allem Ralf Pettellas jordanische Ehefrau Amneh AlMutlaq übernehmen, denn die Krankenversicherung hat bislang eine Einstufung eines Pflegegrades abgelehnt. Begründung: Ralf Pettella fehlten 250 Tage an Einzahlungen in die Pflegeversicherung; diese Fehlzeiten rührten aus den Jahren 2012 bis 2019, die der Stadtsteinacher mit seiner Familie in Jordanien verbracht hat. Dass er vorher 30 Jahre brav in die Sicherungssysteme einzahlte? "Zählt alles nicht mehr offenbar."

"Ich kann nichts machen"

Seine 38-jährige Ehefrau kämpft mit den Tränen, wenn sie ihren Alltag schildert. "Es ist furchtbar, ihn so zu sehen. Und ich selber bin wegen der Situation geblockt." Dabei würde die gelernte Chemikerin gerne arbeiten; der Pflegeberuf würde sie interessieren. Aber ihr Mann braucht sie daheim. Dazu kommen immer wieder Nackenschläge während der Behandlung. In den vergangenen drei Jahren ist Ralf Pettella vielfach operiert worden, oft mit langwierigen Folgen wie schlecht heilenden Wunden. Den 58-Jährigen nimmt das Schicksal seiner Frau mit. "Sie muss mal raus, an ihr hängt praktisch die ganze Arbeit. Weil sie daheim sein muss, kann sie keinen anderen Job annehmen - doch für die Pflege bekommt sie ja nichts, weil die Versicherung meinen Fall nicht anerkennt. Das ist ein Teufelskreis."

Teil einer Krebsstudie

Für sie und seine Tochter unternimmt Ralf Pettella alles, um wieder gesund zu werden. Dazu gehört der regelmäßige Besuch der Krebsklinik in Heidelberg, wo an einer Studie über seine Erkrankung teilnimmt und regelmäßig ambulant betreut wird. "Wenn ich dort medikamentös eingestellt werde, merke ich eine Besserung, und ich hoffe, das Gefühl in den Beinen kommt wieder."

Das aber bedeutet Strapazen: Früh am Morgen geht es mit dem Rettungswagen auf die 350 Kilometer lange Strecke, dann folgen die Untersuchungen, danach steht die Heimreise an. "Das schlaucht, aber ich probiere alles!" Die Caritas übernimmt derweil unterstützend die Wundversorgung zu Hause. "Dankenswerterweise helfen meine Schwester Erika und ihre Tochter Carolin, wo es nur geht. Die Familie steht zusammen - und das gegen alle Widerstände", sagt Ralf Pettella und wischt sich die Tränen aus den Augen.

Zu den Therapien, den Schmerzen und der unsicheren Zukunft kommen pragmatische Probleme. Amneh AlMutlaq hat zwar einen jordanischen Führerschein, doch der werde in Deutschland nicht anerkennt. Sie muss, obwohl sie seit 20 Jahren Auto fährt, die Prüfung nochmals komplett ablegen, wie es den Anschein hat. Ihren Mann macht das fassungslos. "Als ich in Jordanien gearbeitet habe, bin ich dort aufs Amt und habe meinen deutschen Führerschein für umgerechnet 180 Euro umschreiben lassen. Fertig." Eine Neuprüfung würde die Familie erneut Hunderte Euro kosten. Geld, das sie kaum erübrigen kann, denn die Reserven sind so gut wie aufgebraucht. Und so steht der bereits betagte Kleinwagen nutzlos vor der Tür: Ralf Pettella kann nicht damit fahren, seine Frau darf nicht. "Das will mir nicht in den Kopf, dass ich mir in meiner Situation auch noch solche Gedanken machen muss."

Ein noch größeres Problem ist die Unterbringung der drei. "Es ist sicher gut, dass wir in der jetzigen Situation ein Dach über dem Kopf haben, aber für eine derart eingeschränkte Person wie mich ist die Wohnung nicht geeignet." Der Raum, auf dem sich Ralf Pettella - wenn überhaupt nur im Rollstuhl - bewegen kann, umfasst etwa 20 Quadratmeter: von seinem Bett zur Küche und ins Bad, mehr geht nicht. Den Weg nach draußen versperren die Stufen zum Haus; im Inneren ist es die Treppe in den ersten Stock, die ein unüberwindliches Hindernis darstellt.

Was ihn zusätzlich belastet: seine Untätigkeit. "Ich kann zwar momentan nur vom Bett in den Rollstuhl und zurück wechseln, aber trotz allem würde ich gerne etwas tun." Er sucht eine Möglichkeit, seine Kenntnisse als Techniker im Home-Office anzubieten. "Ich kann Pläne prüfen oder Aufstellungen machen, das habe ich alles gelernt und über viele Jahre ausgeführt. Vielleicht bekomme ich ja ein Angebot."

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