Ein riesiges Bauwerk entsteht derzeit am Rande der neu gestalteten Flutmulde: Das Regenüberlaufbecken Ängerlein soll ab Herbst dafür sorgen, dass das bei Regen anfallende Oberflächenwasser gesammelt gespeichert und nach Ende des Regens kontrolliert zur Kläranlage weitergeleitet wird. Im Falle eines länger anhaltenden Regens wird das Oberflächenwasser kontrolliert in die Flutmulde abgegeben. Die Arbeiten liegen im Zeitplan, so Frank Pfaffenberger, für das Thema Entsorgung zuständiger stellvertretender Abteilungsleiter bei den Kulmbacher Stadtwerken.


Finanzierung über Gebühren

Das Becken ist Teil des Abwassersystems der Stadt und erfüllt zusätzlich eine Reinigungsfunktion. Es trägt dazu bei, die Flutmulde von Wasser und Schmutz zu entlasten. Das aufwendige Bauwerk hat seinen Preis: Rund 6,5 Millionen Euro kostet die Stadtwerke das Gesamtprojekt, das über die Abwassergebühren finanziert wird.
Der Bau des Regenüberlaufbeckens findet parallel zum Umbau der Flutmulde statt. Letzterer fällt jedoch in den Zuständigkeitsbereich des Wasserwirtschaftsamts Hof. Der Neubau des Regenüberlaufbeckens ist Bestandteil des Generalentwässerungsplans der Stadt Kulmbach, der bereits in den 1990er Jahren erarbeitet wurde.
Der Einzugsbereich für das Überlaufbecken erstreckt sich über 60 Hektar. Bei Regenfällen wird das Wasser aus der gesamten Blaich und aus einem großen Teil von Ziegelhütten in das Überlaufbecken geleitet. Auch Wasser aus Aichig, Ködnitz und Trebgast fließt dorthin.

Ausgeführt wird die Baumaßnahme ist die Firma Günther-Bau aus Stadtsteinach, für die Planung zuständig ist das Ingenieurbüro für Bauplanung (IBP) Kulmbach.

Bei trockenem Wetter gibt es normalerweise keine Probleme mit einem Zuviel an Wasser. Das Regenüberlaufbecken ist in diesem Fall nur eine Durchgangsstation. Das Wasser fließt hindurch und weiter in die Kläranlage. Regnet es jedoch stark, so wird nur eine begrenzte Wassermenge, abhängig von der Kapazität der Kläranlage, dorthin weitergeleitet.


Drosselbauwerk regelt Abfluss

Das neue Regenüberlaufbecken verfügt auf der Ablaufseite über ein Drosselbauwerk, das den Abfluss regelt und bei Bedarf reduziert. Pro Sekunde fließen 140 Liter Mischwasser (ein Mix aus häuslichem Abwasser, Regenwasser und Industriebabwasser) Richtung Kläranlage. Wenn der Anfall größer und das Becken voll ist, wird das überschüssige Wasser direkt über die Flutmulde in den Main abgeleitet.

Durch diese Vorgehensweise wird das Risiko eines Rückstaus im Kanalsystem minimiert, bei gleichzeitiger Vermeidung einer Überlastung der Kläranlage, so Frank Pfaffenberger. Dabei wird in Kauf genommen, dass ungeklärte Abwässer in das Gewässer gelangen - allerdings in stark verdünnter Form.

"Wir müssen das Kanalnetz wirtschaftlich betreiben und in solchen Fällen eine Entlastung schaffen." Um eine unbedenkliche Verdünnung für das eingeleitete Abwasser zu erreichen, wird vorab eine sogenannte Schmutzfrachtberechnung gemacht.

Der im Abwasser enthaltene Schmutz wird im Normalbetrieb dem weiterführenden Kanalnetz zugeführt. Dies geschieht zum einen durch einen Selbstreinigungseffekt des Beckens aufgrund der Fließgeschwindigkeiten und der Bauwerksgeometrie, zum anderen durch technische Einrichtungen, die die abgelagerten Feststoffe im Abwasser auflockern. Die geringen Restverschmutzungen werden im regelmäßigen Turnus im Zuge der Kanalspülungen entsorgt.

Einen Regenüberlauf gab es im Ängerlein schon früher. Bei dem alten sogenannten Entlastungsbauwerk gelangte jedoch mehr Schmutz in die Natur als dies in Zukunft der Fall sein wird. "Unsere Baumaßnahme dient deshalb auch dem Umweltschutz", so Pfaffenberger. "Wir verringern deutlich den Verschmutzungsgrad des Wassers, das in den Main fließt."


Stauraumkanal wird noch gebaut

An den vorhandenen Abwasserkanal angebunden wird das Regenüberlaufbecken durch einen Stauraumkanal mit einem Durchmesser von 2,20 Meter, der bis in den Kreuzungsbereich Ängerlein reicht. Die Arbeiten für diesen letzten Bauabschnitt haben gerade begonnen.

Zur Ausstattung des Bauwerks gehört ferner ein Hochwasserpumpwerk: "Wenn die Flutmulde Hochwasser führt und es zusätzlich zu Starkregen kommt, muss das Wasser trotzdem weg. Bis zu 4000 Liter pro Sekunde werden dann in einen speziellen Entlastungskanal gepumpt."

Voraussichtlich bis zum Herbst werden alle Arbeiten abgeschlossen sein, und das neue Bauwerk kann in Betrieb genommen werden.

Das Schwierigste an dem Bauvorhaben war die Tiefe der Baugrube, so Erich Hahn vom Kulmbacher Ingenieurbüro für Bauplanung. Das Becken reicht stolze sieben Meter tief in die Erde. So etwas kann man nur mit Großgeräten bauen, und wir haben nur sehr wenig Platz zur Verfügung." An manchen Stellen gibt es nur einen Meter Abstand zum Nachbargrundstück. "So nah an bebauten Grundstücken ist eine solche Maßnahme immer eine Herausforderung."

Ein Lob und ein Dankeschön fürs Verständnis zollen Pfaffenberger und Hahn den Anwohnern: "Die müssen schon leiden, sind umzingelt von Baustellen. Aber das Ende ist absehbar, und die Gleichzeitigkeit der Baustellen hat auch einen Vorteil: Es geht insgesamt schneller."