"Den großen Parteien gelingt es nicht mehr so, Wähler zu binden. Viele wählen heute schneller mal scheinbare Alternativen", sagt CSU-Kreisvorsitzender Henry Schramm. Was die Alternative für Deutschland (AfD) betrifft, so ist er davon überzeugt, diese werde "bald wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt". Die AfD werde große Probleme bekommen, wenn es in der parlamentarischen Arbeit um Sachpolitik geht. "Da kann sie nicht nur fordern." Nach dem doch eher mäßigen Abschneiden der CDU hatte Generalsekretär Tauber Geschlossenheit der Union angemahnt und damit indirekt Kritik an Bayerns Ministerpräsident Seehofer geübt, der in der Flüchtlingsfrage auf Konfrontation zu Kanzlerin Merkel gegangen war. Schramm sieht das gelassen. Seehofer habe in der Flüchtlingspolitik eine klare Linie verfolgt, die man respektieren müsse. "Politik lebt von der Vielfalt der Meinungen."
SPD-Kreisvorsitzende Inge Aures hat sich sehr über Malu Dreyers Sieg in Rheinland-Pfalz gefreut. "Aber zugleich bin ich erschüttert über unser Abschneiden in Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg. Dort hat man gesehen, dass man als Juniorpartner in einer Regierung nur schwer zur Geltung kommt. Und man muss auch sagen: Die SPD-Kandidaten waren nicht überall die große Zugpferde." Auch der Zulauf der AfD schockiert Aures. Sie gibt zu bedenken: "Den Etablierten einen Denkzettel zu verpassen ist das eine - aber jetzt sitzen die Rechtspopulisten erst einmal für eine Legislaturperiode in den Parlamenten."
Georg Hock aus Wonsees, Vorsitzender des AfD-Kreisverbands Kulmbach-Lichtenfels, feierte die drei zweistelligen Ergebnisse seiner Partei bei einer Wahlparty in Nürnberg. "Ich hatte die AfD zwischen 10 und 20 Prozent getippt - damit lag ich ziemlich richtig. Es wirkt sich endlich aus, dass wir nicht mehr die Akademiker- und Professorenpartei der Lucke-Zeit sind. Wir wollen die Partei der kleinen Leute werden." Also das, was die SPD für sich beansprucht? "Die SPD ist eine halbwegs zerstörte Partei der Umverteiler und ohne Relevanz", wertet Hock den Wahlausgang. Sein Ziel: bei der Bundestagswahl 2017 in Bayern die Sozialdemokraten hinter sich lassen und zweitstärkste Kraft werden. "Das klingt vermesssen. Aber die Bürger schätzen es, dass wieder eine wertkonservative Partei zur Wahl steht."
FDP-Kreisvorsitzender Thomas Nagel bewertet das Abschneiden der wiedererstarkten Liberalen positiv. "Vor allem die 8,3 Prozent in Baden-Württemberg sind hervorragend. Leider hat es in Sachsen-Anhalt ganz knapp nicht gereicht." Nagel freut sich, dass die FDP offenbar verlorenes Vertrauen zurückgewonnen hat. Über mögliche Regierungsbeteiligungen sollten die Landesvertretungen "gut nachdenken". Die Partei solle sich zunächst auf die Oppositionsrolle konzentrieren - aber nicht um jeden Preis. "Es ist richtig, Gespräche abzuwarten und zu sehen, wo thematische Schnittmengen mit anderen demokratischen Parteien sind."
"Total gefreut über das Ergebnis in Baden-Württemberg" hat sich Dagmar Keis-Lechner. Die Sprecherin des Grünen-Kreisverbands ist jedoch zugleich entsetzt über die Gewinne der AfD. "Das macht mir Angst. Ich sehe da keine umsetzbare Politik, keine Antworten zu so wichtigen Dingen wie Energiewende oder Bildung. Da geht es nur darum, Deutschtum nach vorne zu bringen." Das eher mäßige Abschneiden der Grünen in Rheinland-Pfalz schreibt sie der Fokussierung auf das Ministerpräsidentinnen-Duell zu. "Im Ländle ging es ja der SPD so: Wer Kretschmann behalten wollte, hat gleich Grün gewählt. Wir haben diesen Effekt in Rheinland-Pfalz erlebt", so Keis-Lechner.