Mietwohnraum schaffen, Grundstücke für Familien ausweisen, die sich den Traum vom Eigenheim erfüllen wollen - hört sich gut an, zumal dann, wenn dafür keine neuen Baugebiete auf der grünen Wiese ausgewiesen werden müssen. Zwei solcher Projekte will die Stadt mithilfe von Planungsbüros und Investoren realisieren. Doch zwei Mal spürt sie heftigen Gegenwind: von Anwohnern, die beide Vorhaben für eine Kleinstadt wie Kulmbach als völlig überdimensioniert erachten.

Etwa 75 Wohneinheiten sollen auf einem bis dato unbebauten, 1,5 Hektar großen Areal am Metzdorfer Hang geschaffen werden: Mehrfamilienhäuser, Doppelhäuser, optional auch Einfamilienhäuser sind geplant. Zwar sind die Metzdorfer nicht grundsätzlich gegen eine Bebauung. Das Grundstück ist ihrer Einschätzung nach aber nur groß genug für 20, dem Stadtteil angemessene Wohneinheiten, wie Moritz Dippel und Markus Taschner erklärt haben, die als Sprecher von mehr als 100 Anwohnern auftreten, die das Projekt in der geplanten Dimension ablehnen. Dabei ist ihnen nicht allein die Größe ein Dorn im Auge. Die Anlieger fürchten den Verkehrslärm, befürchten eine Parkplatznot und sorgen sich vor allem um die Sicherheit ihrer Kinder. Der geplanten Erschließung stehen die Bürger sehr skeptisch gegenüber.

Ursprünglich 63 Wohneinheiten

In Metzdorf kocht die Volksseele, in der Pörbitsch, gerade mal zwei Kilometer entfernt, ist die Angelegenheit für die Stadt genauso verzwickt. Auch hier ist der Widerstand gegen ein Bauprojekt gewaltig. Anwohner wehren sich gegen die Pläne der Firma GBI aus Erlangen, die bei einer Infoveranstaltung in der Stadthalle präsentiert worden sind. Auf einem 4500 Quadratmeter großen Areal am Pörbitscher Platz 6, auf dem sich einst der "Bayerische Hof" und der Minigolfplatz befunden haben, wollte die Erlanger Baugesellschaft ursprünglich einen großen Komplex mit 63 Wohneinheiten errichten. In der Bauvoranfrage an die Stadt war ein drei- bis vierstöckiges Gebäude in Z-Form vorgesehen.

Ein gewaltiger Klotz, der Anwohnern wie Rainer Röhlich, in deren Umfeld bis dato vor allem Ein- und Zweifamilienhäuser stehen, ein Dorn im Auge ist. Ihre Forderung lautete: Das Vorhaben soll deutlich kleiner werden, wenn es ihre Zustimmung finden soll. Ein klares Verkehrskonzept sei erforderlich, weil die Situation dort schon jetzt chaotisch sei, auch die Schaffung ausreichender Parkplätze wird als zwingend erachtet, wie Röhlich betont. Ihm und vielen Anwohnern hatte Marion Resch-Heckel, die lange Zeit die Bauabteilung bei der Regierung geleitet hat, bei der Infoveranstaltung aus der Seele gesprochen. Resch-Heckel ist für eine gelockerte Bebauung. Sie hat die massive Bauweise kritisiert, die doch eher großstädtisch wirke.

Bedenken der Bürger ernst genommen

Seitdem sind ein paar Wochen ins Land gegangen. Man werde das Gespräch mit dem Investor suchen, hieß es aus dem Rathaus. Ob es inzwischen zu einem Ergebnis gekommen ist? Wir haben beim Investor nachgefragt. Man habe die Bedenken der Bürger ernst genommen, sagte eine Firmensprecherin, nach einer Lösung gesucht und eine gefunden, "die hoffentlich allen gerecht wird".

Das ganz große Gebäude sei vom Tisch, man habe sich für eine abgespeckte Variante entschieden, die für den Investor immer noch wirtschaftlich interessant sei, mit der man den Anwohnern aber entgegenkomme. Details konnte die Unternehmenssprecherin nicht nennen, weil es noch ein laufender Prozess sei.

Zwei Gebäude

Die Stadt, die sich bis dato bedeckt gehalten hat, hat auf Nachfrage unserer Zeitung nun bestätigt, dass die Firma GBI die Bebauung in kleinerem Maße durchführen will. "Die Anzahl der Wohneinheiten soll reduziert werden, zudem steht im Raum, den Gebäudekomplex in der Mitte zu trennen und zwei Gebäude zu errichten", heißt es aus dem Rathaus. Und weiter: "Pläne der Architekten liegen uns allerdings noch nicht vor, weshalb wir derzeit noch nicht mehr Informationen bekanntgeben können."

Für Rainer Röhlich und weitere Anwohner, die sich in einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen haben, ist es eine positive Nachricht. Grund zum Jubeln sieht er aber nicht. Man müsse erst einmal abwarten, welcher neue Plan präsentiert werde. "Wenn aus vier nun drei Stockwerke werden und aus 63 dann 53 Wohneinheiten, dann ist das Projekt aus unserer Sicht immer noch zu groß dimensioniert", erklärt Röhlich, nach dessen Worten sich die Interessengemeinschaft nach wie vor eine Klage vorbehält. "Wir warten mal ab, ob wir uns anwaltschaftlich beraten lassen werden."

Wie geht es in Metzdorf weiter?

Am Pörbitscher Platz könnte es eine Lösung geben, was am Metzdorfer Hang passiert, ist noch völlig offen. Nach der Infoveranstaltung am 30. Juni beginne nun der eigentliche Teil der Beteiligung, heißt es aus dem Rathaus. "Durch den jetzigen Auslegungsbeschluss ist noch nichts in Stein gemeißelt", so Pressesprecher Jonas Gleich. Nach der Bekanntmachung des Auslegungsbeschlusses könnten die Bürger sowie Behörden und Träger öffentlicher Belange vom 24. Juli bis zum 6. September Stellung beziehen und ihre Einwände schriftlich einreichen.

Dass die Hinweise aus dem Ortstermin ernst genommen werden, wie die Stadt versichert, fordern die Anwohner. Sie wünschen sich, dass die Stadt und der Investor wie am Pörbitscher Platz auch am Metzdorfer Hang einlenken. Was sie wollen, werden sie am Donnerstag noch mal erläutern. Da laden sie den OB und die Stadträte um 19 Uhr zu einem Treffen ins VfB-Sportheim ein.