Sonntag, kurz nach 18 Uhr: Es ist die beste Sendezeit im ukrainischen Fernsehen. Auf den sieben größten Kanälen, die im Krieg synchron das gleiche Programm zeigen, sind das Kulmbacher Rathaus, die Demo für den Frieden am Marktplatz und ehrenamtliche Helfer zu sehen, die Flüchtlinge unterbringen. Was sich völlig unrealistisch anhört, das ist am vergangenen Wochenende passiert: Millionen Ukrainer haben einen dreieinhalbminütigen Beitrag gesehen, der in den Landkreisen Kulmbach und Lichtenfels gedreht worden ist. "Mich haben einige Anrufe von Freuden aus der Ukraine erreicht, die mich in dem Film gesehen haben", sagt der Kulmbacher Alexander Schmidt, der selbst in Russland geboren wurde und sich seit Kriegsbeginn in der Flüchtlingshilfe engagiert.

Gedreht, geschnitten und vertont

Gedreht, geschnitten und vertont hat den Sendebeitrag Nataliia Baraulja-Vernygora. Die 36-Jährige ist mit Alexander Baraulja verheiratet, der in Kulmbach eine Raumausstattungsfirma betreibt. Wie sie auf die Idee gekommen ist, den Kurzfilm zu drehen? "Ich wollte mich bei allen Kulmbachern bedanken, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren. Ich wollte den Ukrainern zeigen, wie groß die Hilfsbereitschaft ist", sagt die 36-Jährige, die mit ihrem Mann selbst Spenden für die Ukraine gesammelt und in ihr Heimatland geschickt hat. Schlafsäcke, Isomatten und Kleidung, aber auch Medikamente, die in den Krankenhäusern dringend benötigt würden.

Familie ist noch in Kiew

Ihre guten Kontakte zu den ukrainischen Sendern haben ihr geholfen. Nataliia Baraulja-Vernygora hat schon für viele große Fernsehanstalten wie 1+1 und IC-TV recherchiert. "Ich bin Journalistin, habe über zehn Jahre auch für Wissenschafts-Sendungen und Reality-TV gearbeitet", sagt die 36-Jährige, die aus Kiew stammt und das Kriegsleid in der eigenen Familie erfahren hat. Während sie sich in Sicherheit wiegen kann, leben ihr Bruder und die Eltern in Vororten der Hauptstadt, die ihren Worten zufolge trotz der Befreiung des Oblast Kiew noch täglich Raketenbeschüsse erlebten.

Unterkunft für 140 Flüchtlinge

Nataliia Baraulja-Vernygora wünscht sich einen Stopp der Einfuhr russischer Energie und mehr Waffenlieferungen aus Deutschland, sie weiß die humanitäre Hilfe aber sehr zu schätzen. Und das wollte sie ihren Landsleuten vor Augen führen. Der Film zeigt zu Beginn eine Familie, die von ihrer Flucht über Polen berichtet und in Mistelfeld im Landkreis Lichtenfels vor dem Haus einer Familie ankommt, die ihr eine Unterkunft bietet. Zu sehen ist dabei auch Alexander Schmidt, der als Fahrer fungiert. Der 43-Jährige hat seit Kriegsbeginn für rund 140 ukrainische Flüchtlinge eine Unterkunft besorgt, allen voran mit Unterstützung der Bundestagsabgeordneten Emmi Zeulner . "Was sie geleistet hat, ist unbeschreiblich", sagt der 43-Jährige, der der CSU-Politikerin ein dickes Lob zollt.

Das sagt Emmi Zeulner

Auch Emmi Zeulner bekommt vor laufender Kamera die Gelegenheit, ihre Eindrücke zu schildern. Wenn sie die schrecklichen Bilder aus der Ukraine sehe, dann sei es für sie und viele Menschen eine Selbstverständlichkeit, den Geflüchteten zu helfen, sagt die Abgeordnete, deren Worte nicht in deutscher, sondern in ukrainischer Sprache zu hören sind. Der ganze Beitrag ist in Ukrainisch.

Dolmetscherin war Switlana Wöß. Die ist in dem TV-Beitrag nicht zu sehen, dafür aber einige Kulmbacher, die im Rathaus mit dem ukrainischen Eintopf Borschtsch verköstigt werden und in ihren Beiträgen deutlich machen, warum sie an der Demo am Marktplatz teilnehmen. "Sie sagen, dass sie ein Zeichen setzen wollen für den Frieden, für die Ukraine und gegen Putin", sagt Nataliia Baraulja-Vernygora, die den Kulmbachern dankbar ist. "Und diese Dankbarkeit wollte ich meinen Landsleuten mit dem Fernsehbeitrag vermitteln."

Hier ist das Video

Das ist der Link zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=hGTGhgS-QH0