Während die Grünen beklagen, dass die Zukunft des Schlachthofs seit Jahren Thema im Stadtrat hätte sein müssen, es aber nicht gewesen sei, zeigen sich Stadträte anderer Fraktionen über diese Aussage überrascht. Die Pläne für den Bau eines Modellschlachthofs, in dem möglichst eine schonendere Betäubung mit dem Edelgas Helium vorgenommen werden sollte, seien unter Ex-OB Henry Schramm (CSU) längst vorangetrieben worden, betonen Michael Pfitzner (CSU) und Ralf Hartnack (WGK).

OB tritt vor die Presse

Welche Konsequenzen die Stadt zieht, nachdem der Schlachthof in die Negativ-Schlagzeilen geraten ist, das wird OB Ingo Lehmann (SPD) heute in einem Pressegespräch erläutern. Und dabei aufzeigen, mit welchen Folgen der Mitarbeiter rechnen muss, der Schweine mit dem Elektroschocker in den Vergasungsapparat geprügelt und Tieren ins ins Gesicht getreten hat, wie auf den Fernsehbildern zu sehen war. Dass der Beschäftigte, sollte er sich nicht an die Vorgaben gehalten haben, mit Konsequenzen rechnen müsse, stellt Michael Pfitzner fest. Der CSU-Sprecher verweist darauf, dass man sich im Stadtrat seit Jahren Gedanken um die Ausrichtung des Betriebs und einen Neubau gemacht habe. Henry Schramm habe die Idee für einen europäischen Musterschlachthof gehabt, auch das Pilotprojekt unterstützt, bei dem die Tiere nicht mit mehr mit CO2, sondern auf schonenderer Weise mit dem Edelgas Helium betäubt werden. Es sei ein Bestreben gewesen, das Projekt mit Stiftungsgeldern auf den Weg zu bringen. "Wir hoffen nun, dass es weiter vorangetrieben wird, damit der Schlachthof dem Ruf Kulmbachs als Lebensmittelstandort gerecht wird."

"Die Bilder schockieren"

"Der Schlachthof hat sich selbst und wurde immer als Vorzeigeschlachthof dargestellt", heißt es in der Stellungnahme der Grünen. "Aus diesem Grund schockieren die Bilder." Seit Jahren seien die Probleme der CO2-Betäubung bekannt. "Im Februar wurde darüber auf Initiative von OB Ingo Lehmann im Stadtrat gesprochen. Daraufhin wurde beschlossen, das Heliumprojekt zu starten," so Fraktionsvorsitzende Dagmar Keis-Lechner. "Durch regionale Schlachtung können wir dazu beitragen, nicht noch mehr Tiere in Großbetrieben leiden und töten zu lassen und vermeiden auch unnötige Transportwege," sagt Keis-Lechner. Den jetzigen OB und Stadtrat pauschal in die Verantwortung zu nehmen, sei "deplatziert und polemisch". "Da geht es wohl eher schon um Wahlkampf." Der Schlachthof hätte seit Jahren Thema im Stadtrat sein müssen, "aber sowohl die Prioritäten als auch die Finanzen der Stadt haben dies anscheinend nicht erlaubt".

WGK widerspricht Grünen

Dem widerspricht WGK-Fraktionsvorsitzender Ralf Hartnack. Die Betäubung mit CO2 sei EU-zertifiziert, nichtsdestotrotz habe man sich Gedanken darüber gemacht, ein alternatives, für die Tiere schonenderes Verfahren auf den Weg zu bringen. Auch den Neubau des Schlachthofs, der kostspielig wäre, habe man ins Visier genommen. Hartnack hofft auf einen EU-weiten Musterbetrieb, der mit einer hohen Förderung für die Stadt dann auch finanzierbar wäre.

Welche Folgen die jüngste Entwicklung haben wird, das werde OB Lehmann heute vor der Presse erläutern, teilt SPD-Sprecher Matthias Meußgeyer mit. "Ich möchte seinen Ausführungen nicht vorgreifen." Das mögliche Fehlverhalten der Mitarbeiter müsse aber auf jeden Fall aufgeklärt werden. Eine für die Tiere stressfreie Schlachtvariante gibt es laut Meußgeyer nicht. Ziel müsse es sein, eine stressärmere Methode zu etablieren.

Nagel: "Da muss dringend was passieren"

Seine Enttäuschung nicht verhehlen kann Thomas Nagel (FDP). Er habe im Juli 2020 einen fraktionsübergreifenden Besuch im Schlachthof beantragt, bis dato aus dem Rathaus aber keine Antwort erhalten. Er selbst habe den Schlachthof mehrere Mal besucht, sei von dessen Leiter auf einen denkbar schlechten Zustand aufmerksam gemacht worden. Allein mit einer neuen Betäubungsmethode sei es nicht getan. "Auch die Kühlung und die Leitungen sind marode. Da muss dringend was passieren. AfD-Sprecher Georg Hock haben wir für eine Stellungnahme nicht erreicht.