In einem Schlussstein des Hauses Fischergasse 21 steht ein Hinweis auf den Besitzer: "Joh. Nic. Meußdoerffer 1829". Die Familie Meußdoerffer gehört zu den ältesten in unserer Stadt. Ihr Stammbaum lässt sich lückenlos über fünf Jahrhunderte zurückverfolgen. Schon eine Urkunde aus dem Jahr 1356 besagt, dass zu jener Zeit ein Meußdoerffer mit einem Anwesen in Burghaig belehnt worden ist, doch lässt sich die Geschlechterfolge im Einzelnen erst seit Ende des 15. Jahrhunderts genau nachweisen.

1727 erwarb Johann Michael Meußdoerffer (1759 - 1820) das Haus in der Fischergasse. Die Mitglieder dieser Familie waren ausnahmslos Hutmacher. Sein Urenkel Johann Nikolaus Meußdoerffer (1799 - 1868) wird als Hutmacher und brauender Bürger aufgeführt. Er heiratete Anna Katharina Hammon. 1829 erwarb er von seiner Mutter das Anwesen Fischergasse 21, frühere Hausnummer 319. Nach dem Tod der Mutter 1840 erhielt er zusätzlich die Fischergasse 22. Mit seinem Bruder Christian Heinrich kaufte er 1847 das Haus Fischergasse 24. Dessen Nachkommen waren die bekannten Mälzerei- und Brauerei-Besitzer.

Brauwesen neu geordnet

Durch die Heirat der Tochter Christian Heinrichs, Anna Barbara Rosalie, mit Johann Peter Ruckdeschel, entstand die Verbindung der Familien Meußdoerffer und Ruckdeschel.

Nach 1800 wurde das Brauwesen neu geordnet. Alte Banngesetze und Zwangsrechte wurden aufgehoben, Biertrinker zugleich vor zu teurem und minderwertigem Bier geschützt. 24 brauende Bürger sind im Buch "Das Bierbrauen in Kulmbach" von Bernd Winkler in einer Aufstellung aus dem Jahr 1809 erfasst, darunter J. N. Meußdoerffer aufgeführt. Die recht geringe Anzahl lässt sich auf die französische Besatzung zurückführen. Einige Jahre später, in der bayerischen Zeit, waren es stattliche 60.

Den Bürgern standen seinerzeit in Kulmbach drei Brauhäuser zur Verfügung, ein kommunales und zwei private. Das Kommun-Brauhaus stand im Oberhacken. Das verwendete Quellwasser war härter, die Biere daher nicht so haltbar.

Private Brauhäuser waren beliebt

Beliebter waren deshalb die beiden privaten Brauhäuser, das Christenn'sche am Holzmarkt und das Weyße'sche in der Fischergasse/Grabenstraße. 1820 wurde dort ein Mulzhaus von Nicolaus Meußdoerffer erwähnt. Er transportierte sein Bier 1836 bis nach Meißen.

1849 wurde Johann Nikolaus Meußdoerffer als Teilhaber an dem Gesellschaftsbrauhaus nahe der Fischergasse erwähnt. In dem Torbogen ist sein Name neben Caspar Pertsch, Johann Christoph Sandler, Mathäus Hering und Heinrich Petz aufgeführt. Der Torbogen befindet sich heute im Brauereimuseum.

Ein wichtiges Jahr für die Kulmbacher Bierbrauer war 1848. Mit dem Anschluss an die neu gebaute Eisenbahnlinie war Kulmbach mit den wichtigen Absatzgebieten in Sachsen verbunden. Vorher war man auf den Biertransport mit Pferdefuhrwerken angewiesen.

Der Name Johann Nicolaus Meußdoerffer wird 1868 im "Reisehandbuch für das Königreich Bayern" von Julius Bernhard erwähnt. Es ist die Rede vom Versand von Exportbieren bester Qualität besonders nach Norddeutschland. J. N. Meußdoerffer hatte vier Kinder, von denen drei sehr jung starben, sein Sohn Christian Heinrich heiratete Dorothea Christiana Weiß, eine Tante des Malers Michel Weiß.

Im Alten Friedhof begraben

Seine letzte Ruhestätte fand der Rath- und Stadtkämmerer Johann Nikolaus Meußdoerffer im Alten Friedhof. 1901 verkaufte die Familie Meußdoerffer die Häuser in der Fischergasse. Im Anwesen 21 waren später Gastwirtschaften oder die Diskothek "Apple" untergebracht. Heute ist es ein reines Wohnhaus.