Sind es wirklich nur die Folgen der (wichtigen, aber zugegeben von Tag zu Tag verwirrender und nicht unbedingt logischer werdenden) Corona-Beschränkungen, oder ist es vielmehr so, dass sich die Menschen allgemein immer merkwürdiger verhalten - irgendwie gereizter, unbelehrbarer, rücksichtsloser? Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht. Dazu hätte ich wahrscheinlich Psychologie studieren müssen.

Geistig-seelische (Gewichte-)Erhebung

Am Karfreitag zum Beispiel, auf dem Heimweg vom Feiertagsdienst in der Redaktion, traute ich meinen Augen nicht, als ich auf dem Hof eines Fitness-Centers mehrere Menschen Gewichte wuchten sah. Vielleicht bin ich ja altmodisch, aber für mich ist der Karfreitag nach wie vor einer der wenigen verbliebenen stillen Tage im Jahr, an denen - so steht es geschrieben - sämtliches Tun in der Öffentlichkeit zu unterbleiben hat, "außer wenn es der geistig-seelischen Erhebung oder einem höheren Interesse der Kunst, Wissenschaft oder Volksbildung dient". Geistig-seelische (Gewichte-)Erhebung, gibt es so etwas vielleicht?

Am Montag musste ich schon wieder staunen: Im Vorbeifahren sah ich, dass an der Kompostieranlage bei Katschenreuth reger Betrieb herrschte. Unabhängig davon, dass die Grüngutsammelstellen im Landkreis Kulmbach an Sonn- und Feiertagen prinzipiell geschlossen sind, würde ich nie darauf kommen, an Ostern den Hänger mit Laub und Ästen zu beladen und zur Kompostierung zu fahren.

Vorbildliches Verhalten?

In diese Reihe passt schließlich auch das jüngste Verhalten des Chefs einer in Kulmbach ansässigen Verkehrsakademie, einer Einrichtung, die sich selbst als "eine der führenden Fahrschulen für das Transportgewerbe" bezeichnet. Der gab öffentlich zu, das momentane Einfahrverbot für E-Autos in die städtischen Tiefgaragen und Parkhäuser bewusst, also vorsätzlich, zu ignorieren. Das nenne ich mal vorbildliches Verhalten.

Tja, wirklich: Vieles ist irgendwie seltsam in diesen Tagen.