Der Boden: zubetoniert oder - im besseren Fall - gepflastert (aber nicht selten mit zu wenig Platz für Wurzeln); dazu: Dauerberieselung mit Abgasen, der Abrieb Tausender Autoreifen, Streusalz und Hunde-Urin, ferner Feinstaub aus Industrieschloten und Holzheizungen. Wäre das nicht genug Pein, kommen mit dem Klimawandel höhere UV-Strahlung, weitere Hitzetage und längere Dürreperioden hinzu, was sie anfällig für Trockenschäden und Schädlingsbefall macht. Unter diesen alles andere als günstigen Bedingungen wachsen sie: Kulmbachs Stadtbäume, zwischen 4000 und 5000 an der Zahl. Und die sollen in Zeiten des Klimawandels der Stadtbevölkerung ein halbwegs erträgliches Mikroklima bieten.

Ihr Wohl im Blick hat Jürgen Ganzleben. Der Gärtnermeister leitet seit vielen Jahren die Abteilung im Bauhof, die für die städtischen Grünanlagen zuständig ist. Unter anderem gehören dazu die Platanen, die seit der Umgestaltung den Eku-Platz säumen. Diese Gehölze haben, wie Ganzleben betont, den bestmöglichen Start ins Stadtbaum-Leben bekommen; ihnen wurde von der ausführenden Firma im wahrsten des Wortes ein optimaler Boden bereitet. "Der Standort ist ja ein besonderer, auch wegen des verdichteten Umfelds."

Platz für den Wurzelraum

Aber auch hier kann man - bei einer Neupflanzung - entsprechend eingreifen: Im Untergrund sind nach neusten Kenntnissen die Volumina für den Wurzelraum berechnet worden; es wurde ein hochwertiges Spezialsubstrat eingebracht, das den Gehölzen beste Startmöglichkeiten einräumt, dazu kamen Vorkehrungen für eine ausreichende Durchlüftung des Wurzelwerks und eine ringförmige Möglichkeit der Bewässerung. Bei einer solchen wassergebundenen Wegefläche genügt der Niederschlag allein nicht, weiß Ganzleben. "Vielleicht in einigen Jahren, wenn die Bäume eingewachsen sind. Die ersten sieben bis zehn Jahre muss gewässert werden."

Und so ein Stadtbaum, der in stattlicher Größe gepflanzt wurde, schluckt gerade in Trockensommern wie 2018 und 2019 eine Menge. "Allein die besagten Platanen bekamen einmal pro Bewässerungsgang und Baum 150 bis 200 Liter. Dies geschah in heißen Phasen ein- bis zweimal pro Woche." Darum und auch um die Prüfung des Baumunterhalts kümmern sich speziell ausgebildete Mitarbeitende.

Was der Baum der Zukunft ist? Darüber gibt es Erkenntnisse seitens der bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim. "Dieses Forschungsprojekt erprobt seit etwas mehr als zehn Jahren zukunftsträchtige Gehölze. Hier informieren auch wir uns, aber auch über den Austausch mit anderen Kommunen. Das gibt uns wertvolle Hinweise über Pilz- und Schädlingsresistenz, über Widerstandsfähigkeit von Hitzeperioden und vieles mehr."

Die Hoffnungsträger

Aus all diesen Erhebungen haben sich einige Bäume als Hoffnungsträger für die Zukunft herauskristallisiert, so der Fachmann. Dazu gehören unter anderem die Blumen- oder Manna-Esche aus Südosteuropa, die auch gegen das Eschentriebsterben, das durch einen Schädling aus Asien eingeschleppt wurde, offenbar weitgehend immun ist. "Das war auch das Kriterium, diesen Kandidat für die Neubepflanzung an der Baustelle in der Hofe Straße vorzuschlagen. Er ist zwar nicht heimisch, aber als Bienenweide hat er ein zusätzliches Plus vorzuweisen. "

Ein weiterer Name: die Silberlinde. "Die war mal verpönt, weil es hieß, Inhaltsstoffe der Pflanze würden Hummeln töten. Das stimmte nicht. Ihre Blüten sind im Jahreszyklus die letzte Nahrungsquelle, die Hummeln anzapfen können. Daher hat man unter diesen Bäumen viele tote Hummeln gefunden, weil es ihre letzte Mahlzeit war, bevor sie ohnehin gestorben wären."

Ganzlebens Ausführungen zeigen: Sein Fachbereich hat viel mit Versuch und Irrtum zu tun. "Wir können und müssen uns an den Erkenntnissen der Wissenschaft orientieren, denn wir wollen für unser Stadtgrün die optimalen Voraussetzungen erfüllen. Aber wir wissen auch: Jeder Standort hat seine individuellen Vorgaben, die es nicht immer einfach für uns machen, passend zu handeln. Es kann bisweilen auch sinnvoll sein, manche Stelle nicht mehr mit einem Baum zu bestücken - eben weil die Voraussetzungen nicht oder nicht mehr passen und stattdessen andernorts ein Baum gepflanzt werden könnte."

Das Stadtklima weise in Teilen ganz andere Bedingungen aus als ein Wald. "Daher kann es sein, dass wir uns von gewohnten Gehölzen wie der Gemeinen Esche oder der Birke werden verabschieden müssen." Es ist sinnvoll, so Ganzleben, die geeigneten Klima-Bäume zu berücksichtigen, aber den Vorrang auf Mischpflanzungen zu legen.

Klimafonds eingerichtet

Der Unterhalt der Gehölze geht für eine Kommune ordentlich ins Geld. Deswegen schlägt die Stadt Bayreuth einen neuen Weg ein: Der Stadtrat hat beschlossen, dass ein Fonds eingerichtet wird, dessen Erlös zur Pflege der 25000 Stadtbäume verwendet werden soll. Wie die Stadtverwaltung mitteilt, können Bürger den Fonds mit einer Spende unterstützen. Für 100 Euro ist es möglich, einen Stadtbaum einen Hitzesommer hindurch ausreichend mit Wasser zu versorgen.

Einmaliges Forschungslabor

Überhaupt lohnt sich beim Thema der Blick in andere Städte. Coburg leistet seit mehr als 20 Jahren ökologische Feldforschung im "Grünen Labor". Dieser Versuchsgarten entstand im Jahr 2000 und hat eine Ausdehnung von 2500 Quadratmetern. Es ist der erste deutsche Versuchsgarten für Bäume im urbanen Gebiet. Initiiert wurde das einmalige Projekt von der deutsch-österreichischen Sektion der Internationalen Baumpflege-Gesellschaft "International Society of Arboriculture" (ISA).

Spiritus rector des Areals ist Horst Schunk, Gründer des Vereins "Baumfreunde Coburg". Er sagt: "In kommunalen Räumen mit wenig Platz können Pfaffenhut, Holunder, Salweide, Weißdorn und Hartriegel interessante Strauch- oder Kleinbaumarten sein. Diese sind auf jeden Fall ökologisch wertvoller als Kugelrobinie, Kugelahorn oder Kirschlorbeer."

Der Zustand der Stadtbäume hängt von mehreren Faktoren ab. Von klimatischen beispielsweise, denn in Freiburg ist die Lage anders als in Naila. "Dennoch gibt es Baumarten, die mit den längeren Trockenperioden - von diesem Sommer einmal abgesehen - und den steigenden Durchschnittstemperaturen grundsätzlich schlechter zurecht kommen. Die Birke, die es gerne kühl und feucht mag, bricht flächendeckend ein, auch die Ulmen ist weitgehend aus den Kommunen verschwunden, der Ulmensplintkäfer hat dies verursacht."

Ob Exoten helfen? "Warum nicht", sagt Schunk. In Coburg gibt es Versuche mit Blauglockenbaum, Tulpenbaum, Ginkgo, Eisenholzbaum, Blasenbaum, Schnurbaum, kaukasischer Flügelnuss und Felsenbirne. "Das Ablehnen neuer Baumarten nur aus Gründen ihrer Herkunft ist meiner Meinung nach völlig fehl am Platze und wirkt eher albern."

Vorbild aus Japan

Man könnte es leicht despektierlich "Zwergenforst" nennen. Doch was hier, vor der Toren Hamburgs in der Gemeinde Bönningstedt, auf nur rund 200 Quadratmetern vor drei Jahren entstand, gilt als Stadtwald der Zukunft. Mehr als 500 einheimische Bäume wurden binnen weniger Tage gesetzt. Die Aktion hat ein Vorbild aus Asien: die Wälder nach Akira Miyawaki, einem ehemaligen japanischen Hochschullehrer und Pflanzensoziologen.

Die Vorgaben des im Juli verstorbenen Botanikers gelten als eine der effizientesten Aufforstungsmethoden weltweit. Sie kann kleinräumig angewendet werden und lässt sich auch inmitten einer besiedelten Stadt auf nur wenigen hundert Quadratmetern Fläche umsetzen.

Mittlerweile haben mehr als 180 Kommunen in zehn Ländern ein solches Wäldlein auf Stadt- und Gemeindegebiet angelegt. Die Ergebnisse zeigen: Innerhalb des Areals ist die Artenvielfalt (und die sogenannte Individuen-Dichte) um das 25-Fache höher als in herkömmlichen Pflanzungen. Dazu kommen eine deutlich verbesserte Geräusch- und Staubreduzierung sowie eine gemessene Kohlendioxid-Absorption um den Faktor 30 verglichen mit einer Monokulturplantage.

Schon nach wenigen Jahren kommt solch ein Wald ohne Pflege und Dünger aus. Der Mini-Dschungel kann dazu beitragen, inmitten einer Stadt die Temperatur gerade an Hitzetagen spürbar zu senken. Für Stadtplaner ist das Klima in den Straßen und Häuserzeilen durch die betonierte Umgebung mit ihren aufgeheizten Oberflächen ein Problem.